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12.01.2005

08:11 Uhr

DÜSSELDORF. Bachs Messe in h-moll ist ein gewaltiges, abendfüllendes Werk. Aber ein bisschen geschwindelt hat der Altmeister der Tonkunst auch: Die Messe besteht zum Teil aus Kantatensätzen, die Bach schon vorher zu anderen Anlässen komponiert hatte – er hat sie lediglich mit neuem Text unterlegt. Kyrie und Gloria der Messe wurden am 18. Oktober 1985 in der Düsseldorfer Tonhalle aufgeführt. Der Anlass: Das Bankhaus Trinkaus & Burkhardt, ansässig in der Düsseldorfer Königsallee, wurde 200 Jahre alt. Die Bank feierte sich und eine große Tradition – und hatte dabei ein bisschen geschummelt. Das „Manager-Magazin“ schrieb in einem Artikel, der in der feinen Bank für riesigen Ärger sorgte, sogar von „Etikettenschwindel“.

Richtig ist, dass die Bank damals 200 Jahre alt wurde. Richtig ist auch, dass Düsseldorf mit seiner Börse und seiner viel beschriebenen Funktion als „Schreibtisch des Ruhrgebiets“ eine alte Tradition als Finanzplatz hat – von der nicht viel mehr übrig ist als die alten und neuen Milliarden an Privatvermögen, die nach wie vor von Trinkaus und anderen Banken auf der Königsallee verwaltet werden. Nicht ganz richtig ist, dass Trinkaus in seiner ganzen Geschichte eine besonders feine Privatbank für besonders feine Privatkunden gewesen wäre. Nein, dieses Bild hat der damalige Bankchef Herbert H. Jacobi vor 25 Jahren erst geschaffen. Er, der in New York geboren ist und damals auf eine Bankkarriere bei Chase Manhattan und der BHF-Bank zurückblickte, hat im Grunde eine traditionsreiche, bodenständige, urdeutsche Bank neu erfunden.

Die Geschichte der Bank war alles andere als geradlinig. Trinkaus & Burkhardt trägt nicht zufällig einen Doppelnamen. Die Bank ist 1972 aus dem Zusammenschluss von Trinkaus in Düsseldorf und Burkhardt in Essen entstanden. Sie hatte nacheinander verschiedene Großaktionäre: die Deutsche Bank, die amerikanische Citibank, die britische Midlandbank und nun seit 1992 HSBC, das größte europäische Kreditinstitut mit Sitz in London. Geschäftlich hatte sie ebenfalls ein wechselvolles Schicksal, geriet in Folge der Herstatt-Krise in den 70er-Jahren beinahe in Schieflage.

Als Jacobi 1981 den Vorsitz des Verwaltungsrats übernahm, war das Institut eine Art Universalbank im Kleinformat – ohne besondere Stärken und Schwächen. Erst im Jahr zuvor hatte es die Beteiligung an der Kundenkreditbank an die Citibank verkauft – die daraus ihr deutsches Privatkundengeschäft entwickelte. Jacobi erinnert sich: „Das war damals ein kleiner Supermarkt, der nirgendwo die kritische Masse erreichte.“

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