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30.04.2012

21:36 Uhr

Trotz Abbauplänen

UBS heuert in großem Stil Investmentbanker an

VonHolger Alich

Eigentlich wollte die Schweizer Großbank ihr Investment-Banking verkleinern, um Kapital zu sparen. Das betonte Vorstandschef Sergio Ermotti schon mehrfach. Die neue Strategie gilt allerdings nicht für alle Bereiche.

Die Schweizer UBS kauft für viel Geld neue „Regenmacher“ ein. Reuters

Die Schweizer UBS kauft für viel Geld neue „Regenmacher“ ein.

Die UBS scheint das Gegenteil von dem zu tun, was die Bank-Oberen seit Monaten predigen: Der Vorstandschef Sergio Ermotti wird nicht müde zu betonen, dass er das Investment-Banking verkleinern will, um teures Eigenkapital zu sparen. Doch in diesen Tagen macht UBS vor allem damit Schlagzeilen, neue, teure Investmentbanker abzuwerben. Das Thema dürfte für Diskussionen bei den Quartalszahlen sorgen, die UBS Mittwoch vorstellt.

Den Anfang machte vor vier Wochen der Wechsel von Spitzenbanker Andrea Orcel, der von Merrill Lynch zu UBS wechselt und dort neben Carsten Kengeter die Leitung der Investmentbank übernehmen soll. Der 48-jährige Orcel gilt als „Regenmacher“, also als jemand, der dank seines Kontaktnetzes spektakuläre Deals an Land ziehen kann.

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Nun folgt der nächste Streich: Orcel nimmt laut Reuters sechs Topbanker mit zu UBS, darunter Javier Oficialdegui, der sich um das Beratungsgeschäft für Finanzfirmen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika kümmern soll. Eine UBS-Sprecherin will keine Namen von neuen Bankern verraten, bestätigt jedoch, „dass UBS das Beratungsgeschäft ausbauen will.“ Laut Finanzkreisen hat UBS in den letzten zwölf Monaten insgesamt 35 sogenannte Managing Partner rekrutiert.

Umgekehrt wirbt Merrill Lynch Topleute von UBS ab. So wechselt nach 17 Jahren Karriere bei den Schweizern Deal-Macher Alexander Wilmot-Sitwell zu Merrill Lynch. Sitwell war allerdings bei UBS zuvor degradiert worden.

Orcel und seine Kollegen sind alles andere als billig. Selbst 2008, auf dem Höhepunkt der Bankenkrise, zahlte Merrill Lynch dem Italiener noch 34 Millionen Dollar an Gesamtbezügen. Analysten sehen in der Verpflichtung der Topbanker keinen Widerspruch zum Strategiewechsel in der Investmentbank. „Mit Bankern wie Orcel stärkt UBS sein Beratungsgeschäft, und das ist nicht kapitalintensiv“, erklärt ein Schweizer Bankanalyst.

Beraten Banken Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen oder bei Kapitalerhöhungen, bekommen sie dafür eine Beratungsgebühr. Dieses Geschäft birgt für die Bankbilanz kaum Risiken, daher müssen Banken hierfür wenig Eigenkapital vorhalten. Der Abbau der Investmentbank erfolgt dagegen in den Bereichen, die mehr Eigenkapital verzehren - allen voran der Handel mit Kreditprodukten. Denn da sind die Risiken für die Bankbilanz viel größer.

Die UBS stört es dabei wenig, dass derzeit der Beratungsmarkt für Fusionen und Übernahmen (M & A) daniederliegt. Laut dem Datenanbieter Dealogic sank das weltweite M & A-Volumen im ersten Quartal um 23 Prozent auf 574 Milliarden Dollar - der schlechteste Jahresauftakt seit sieben Jahren. „M & A ist nur ein kleiner Teil des Beratungsgeschäfts“, sagt eine UBS-Sprecherin. Wichtiger seien andere Beratungen zum Beispiel für Kapitalerhöhungen und Refinanzierungen.

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