Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2010

10:45 Uhr

Trotz Krise

Millionenboni für Citigroup-Banker

VonRolf Benders

Die US-Großbank Citigroup zahlt ihren Topmanagern weiterhin Millionenboni - und übergeht damit die Vorgaben der US-Regierung. Diese hatte für Banken, die Staatshilfen in Anspruch nehmen, eine Gehaltsgrenze festgelegt. Doch die Kontrolle durch Washington kann die hohen Sonderzahlungen bisher nicht verhindern.

Bei der Citibank wachsen die Boni wieder in den Himmel. Reuters

Bei der Citibank wachsen die Boni wieder in den Himmel.

NEW YORK. Trotz staatlicher Kontrolle können US-Großbanken offenbar nach wie vor Millionenboni zahlen. So hat der Leiter des Investment-Bankings der Citigroup, John Havens, einer Pflichtmitteilung der Bank zufolge für 2009 eine Entlohnung von mehr als neun Mio. Dollar erhalten. Damit verdiente er weit mehr als die von der US-Regierung öffentlich immer wieder propagierte Grenze von 500 000 Dollar für Topmanager von Banken, die in der Krise "außergewöhnliche" staatliche Unterstützung erhielten.

Da die Citigroup mit insgesamt 45 Mrd. Dollar aus Washington gestützt wurde, unterlag das Institut der Kontrolle durch den Sonderbeauftragen der US-Regierung für Bankergehälter, Kenneth Feinberg. Er habe aber lediglich die Zusammensetzung von Havens? Gehalt, nicht dessen Höhe abgesegnet, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Krise. Der Grund: Havens habe im vergangenen Jahr nicht zu den 20 bestbezahlten Managern des Instituts gehört.

Die Boni der Banken stehen im Blickpunkt der Öffentlichkeit, seit viele der 2008 mit Staatsgeld geretteten Häuser wieder hohe Gewinne einfahren und aus Wettbewerbsgründen hohe Gehälter zahlen wollen. Besonders im Fokus steht dabei die Investmentbank Goldman Sachs, die die Krise am besten gemeistert hat und auf dem Weg ist, für 2009 den größten Bonuspool aller Zeiten an ihre Mitarbeiter auszuschütten. Goldman hat die staatlichen Hilfen bereits zurückgezahlt und unterliegt daher nicht der Kontrolle Feinbergs.

Um der Kritik zu entgehen, verkaufte Citigroup-Chef Vikram Pandit im vergangenen Jahr den Energiehändler Phibro, dessen Star-Trader Andrew Hall Anspruch auf ein Gehalt von 100 Mio. Dollar gehabt hätte. Die Citigroup hat von den 45 Mrd. Dollar Staatshilfen bislang 25 Mrd. Dollar zurückbezahlt. Sie muss aber die Regierung noch auskaufen. Deren ursprüngliche Kapitalspritze war in eine Beteiligung von knapp einem Drittel an der Bank umgewandelt worden. Pandit hat dies in Aussicht gestellt, um endgültig von der Kontrolle der Gehälter durch die Regierung loszukommen. Er selbst bekommt so lange nur einen Dollar als Gehalt, wie die Bank noch Verluste schreibt.

Pandits Investment-Banking-Chef Havens erhielt der Pflichtmitteilung zufolge 2009 als Bezahlung 2,7 Mio. Citigroup-Aktien. Die Papiere im Gegenwert von rund 9,6 Mio. Dollar darf er aber vorerst nicht verkaufen. Dabei handelt es sich um seinen Bonus und einen Teil seines Grundgehalts. Wie hoch der Rest des in bar ausgezahlten Grundgehalts ist, machte die Bank nicht öffentlich. Havens ist damit nach aktuellem Stand der bestbezahlte Citigroup-Angestellte. Mindestens vier weitere Bankmanager erhielten den Pflichtmitteilungen zufolge für 2009 zwischen 8,5 und neun Mio. Dollar.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Dr. Seidel

07.01.2010, 13:26 Uhr

Richtige Überschrift wäre: Millionen-boni und inflation der Gewinne infolge ungedeckter Geldflut für die banken,
- welche in Aktien-, immobilien- und Rohstoffmärkte umgeleitet wird, umgeleitet von denen, die an die riesige Geldmenge für nahe Nullzins ran kommen, nämlich den banken. Die bereits wieder gezahlten boni müssten somit Warnglocken schrillen lassen, boni auch auf Grundlage des Geldes welches von Staaten (sprich von Steuerzahlern die noch Steuern zahlen) in Rettungsschirmen zur Verfügung gestellt wurde. bedenkt man, dass Staats-Schulden über zu refinanzierende Staatsanleihen gedeckt sind, die wiederum von banken mit dem Geld gekauft werden zur Spekulation, Geld für welches es keine Waren außer eben den "Spekulationsgütern" gibt, sollte irrsinn, Unvermögen und tötliche Gefahr der Krisenbewältigung erkannt werden. Dadurch, dass es scheinbar keine inflation gibt, indem Wetten als Waren erschaffen wurden, ist eine Abkopplung der realen Welt vom bankensektor zu verzeichnen. Somit muss auch der real existierende Kapitalismus nicht die "Casino-banken" auffangen und dafür sorgen, dass dort die nächsten Krisen heranwachsen, die wiederum schlimmer als die vorhergegangenen sein müssen, wenn der gefährliche Unsinn nicht behoben wird und die Ursachen der Krisen nicht erkannt werden. - endlich mal was aus den Krisen seit 1928 dazu lernen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×