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20.04.2013

00:05 Uhr

Trotz Kritik

Aktionäre erlauben Commerzbank die Kapitalerhöhung

Auf der Hauptversammlung der Commerzbank haben die Aktionäre für eine Kapitalerhöhung gestimmt. Friedlich ging es dabei aber nicht zu. Besonders Vorstandschef Blessing und Aufsichtsratschef Müller bekamen ihr Fett weg.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Peter Müller spricht auf der Hauptversammlung der Commerzbank. dpa

Der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Peter Müller spricht auf der Hauptversammlung der Commerzbank.

FrankfurtDie Aktionäre der Commerzbank haben den Weg für die Rückzahlung der restlichen Staatshilfen für die zweitgrößte deutsche Bank freigemacht. Die Hauptversammlung gab am späten Freitagabend mit einer Mehrheit von 96 Prozent grünes Licht für eine 2,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung, die von Mitte Mai bis Anfang Juni über die Bühne gehen soll.

Vorstandschef Martin Blessing hatte sie als "wichtigen Wendepunkt" für die Bank bezeichnet. Er will damit den "Einstieg in den Ausstieg des Staates" schaffen, der die Commerzbank in der Finanzkrise mit 18 Milliarden Euro gestützt hatte.

Bei Kleinaktionären hatten Blessing und Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller für die Pläne massive Kritik geerntet. Das jahrelange Warten auf bessere Ergebnisse und ein absehbar weiter sinkender Aktienkurs sorgten für Unmut auf der Hauptversammlung.

Commerzbank: Volle Deckung, Herr Blessing!

Commerzbank

Volle Deckung, Herr Blessing!

Aktienkurs im Keller, kein Gewinn zum Jahresauftakt und auch noch eine Kapitalerhöhung: Commerzbank-Aktionäre sind gebeutelt. Die Führungsspitze trifft der Zorn der Anteilseigner.

Doch die nötige Zweidrittel-Mehrheit hatte der Vorstand sicher, weil nur 38 Prozent des Aktionariats erschienen waren. Der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin als Haupt-Nutznießer der Kapitalerhöhung vertrat allein 25 Prozent. Viele Großinvestoren und Fonds haben sich bei der Commerzbank längst zurückgezogen.

In der Abstimmung verpassten die Anteilseigner Müller einen Denkzettel. Er wurde nur mit 81 Prozent der Stimmen in den Aufsichtsrat wiedergewählt, alle anderen Mitglieder erhielten mehr als 95 Prozent.

Für Blessings Entlassung sprachen sich nur fünf Prozent aus. Dabei hatte der Vizepräsident der Aktionärsvereinigung DSW, Klaus Nieding, zuvor geschimpft: "Wir trauen diesem Management nicht. Uns reicht's. Wir haben mehr als genug von ihren Durchhalteparolen und sogenannten Erfolgsmeldungen."

Blessing rechtfertigte die große Kapitalerhöhung. "Wir haben von Anfang an gesagt: Wir wollen alles in unserer Macht stehende unternehmen, um die Mittel des Bundes so schnell wie möglich zurückzuführen. Das sind wir dem Steuerzahler schuldig." Er räumte ein, dass die Euro-Schuldenkrise und die Niedrigzinsen den Plan torpediert hätten, die Staatshilfen aus Gewinnen zu tilgen. Der SoFFin will seine Beteiligung im Zuge dessen von 25 Prozent auf rund 18 Prozent reduzieren.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Erst vom kommenden Jahr an seien erste Erfolge des Umbaus zu erwarten, mit dem das renditeschwache Geschäft mit Privatkunden auf Vordermann gebracht werden soll, sagte Blessing. Die Commerzbank sei auf einem Langstreckenlauf. "Schnelle Erfolge wird es dabei nicht geben. Viele unserer innovativen Pläne werden erst in den kommenden Jahren zum Tragen kommen."

Kommentare (10)

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daltomanis

20.04.2013, 10:51 Uhr

Aktionäre erlauben der CoBA den Niedergang.

Account gelöscht!

20.04.2013, 11:42 Uhr

Ich versuche mal einen emotionslose Analyse. Sicherlich gehört Herr Müller zu der alten Garde und ist damit direkt mit verantwortlich für die Situation in der sich die Commerzbank, durch jahrelange Aktivität im internationalen Investment-Banking und durch die erste Finanzkrise hervorgerufen, befindet.
Kluge, nüchtern denkende und intelligente Banker hätten frühzeitig erkennen müssen worauf die Finanzwelt damals zusteuerte und rechtzeitig aussteigen müssen. Auf der anderen Seite hat sich die Commerzbank stark in Europäischen Staatsanleihen engagiert da ihr von Seiten der Politik zugesichert wurde dass diese Investments absolut sicher seien. Mit Griechenland wurden sie dann schmerzhaft eines Besseren belehrt. Das sich jetzt die gleichen, unfähigen Politiker die Hände waschen und die Schuld nur bei den Banken suchen ist dann doch, um es milde aus zu drücken, recht befremdlich. Nun kommt erschwerend für die Europäischen Banken noch dazu dass diese gleichen Politiker nach Regulatoren rufen um Probleme in Zukunft zu vermeiden, die sie nicht nur selber zum großen Teil mit verantwortet haben, sie nehmen den Europäischen Banken mit diesen einseitigen Regulatoren, im internationalen Vergleich (besonders den Angelsächsischen Ländern gegenüber) auch noch jede Möglichkeit den Angelsächsischen Banken gegenüber zu bestehen. So sind die Angelsächsischen Banken, durch fehlende Regulatoren, in einem enormen Wettbewerbsvorteil. Ihnen wird auch erlaubt sehr aktiv im Investment-Banking zu sein (wo ja auch nach wie vor die meisten Gewinne generiert werden). Es ist also nicht alles Schuld von Herrn Blessing. Die gegenwärtigen Umstände erlauben es Europäischen (bis auf England) Banken einfach nicht mehr Geld zu verdienen. In dieser Situation fällt es den Europäischen Banken auch zunehmend schwer Kredite zu vergeben was sich schon gegenwärtig direkt auf die Europäische Wirtschaft auswirkt.

Account gelöscht!

20.04.2013, 11:42 Uhr

Sie sind, im Anbetracht der Tatsache dass die gegenwärtig gefahrene Politik die Rezession in Europa nur noch verschärft, auch immer weniger dazu bereit, denn keiner verleiht Geld von dem er ziemlich sicher sein kann dass er es nicht zurück erhält um dann auch noch den Spott zu kassieren. Zudem werden die Banken angehalten die Seitens der EZB zur Verfügung gestellten Mittel zur Umschuldung (bzw. Vergrößerung der Verschuldung) der Staaten zu benutzen.
Ich gehe aber für die Zukunft davon aus dass die Europäischen Politiker, durch die sich verschärfende Situation der Wirtschaft und ihrer daraus entstehenden Verlegenheit, die Regulatoren wieder aufweichen werden. Erst dann haben Europäische Banken wieder die Möglichkeit Geld zu verdienen und erst dann werden sich auch die Aktienkurse wieder erholen.

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