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23.06.2013

12:49 Uhr

Trotz Stellenabbau

Commerzbank will ältere Mitarbeiter halten

Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus streicht fast jede neunte Stelle. Ausnahmsweise müssen ältere Mitarbeiter aber nicht um ihren Job bangen. Denn Personalvorstand Ulrich Sieber setzt auf Erfahrung.

5200 Mitarbeiter der Commerzbank müssen gehen. Aber ältere Angestellte sollen bleiben. Reuters

5200 Mitarbeiter der Commerzbank müssen gehen. Aber ältere Angestellte sollen bleiben.

FrankfurtDie Commerzbank will bei dem jüngst beschlossenen Abbau von rund 5200 Stellen ältere Mitarbeiter verschonen. „Wir brauchen Erfahrungswissen, deshalb wollen wir auch ältere Mitarbeiter im Unternehmen halten“, sagte Personalvorstand Ulrich Sieber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die Abfindungsregeln für langjährige Mitarbeiter seien daher weniger attraktiv als in früheren Programmen.

Der Vorstand hat dem Bericht zufolge den gerade unterschriebenen Sozialplan entsprechend justiert, um eine „ausgeglichene Altersbalance zu halten“. Gegenüber bisherigen Sparprogrammen werde der Abschied für langjährige Mitarbeiter weniger lukrativ. „Sie erwarten als Kunde, dass auch erfahrene Berater in der Filiale sitzen“, sagte Personalvorstand Sieber.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Da die Bank in dem Interessenausgleich mit dem Betriebsrat auf betriebsbedingte Kündigungen verzichte, nehme sie umgekehrt für sich in Anspruch, frei zu entscheiden, wen sie gehen lasse und wen nicht. „Es gilt das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit“, erklärte Sieber.

Deutschlands zweitgrößte Bank hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass in den kommenden dreieinhalb Jahren jede neunte der 45.000 Vollzeitstellen im Konzern abgebaut wird. Im deutschen Kerngeschäft fallen bis zum Jahr 2016 allein 3900 Stellen weg, zugleich sollen aber rund 1000 an anderer Stelle neu geschaffen werden, etwa in der profitablen Mittelstandsbank. Am stärksten betroffen ist das Filialgeschäft, in dem allein 1800 der 12.000 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren werden.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Banker

23.06.2013, 19:54 Uhr

Der wahre Grund ist, dass die Coba kein Geld hat, um Mitarbeiter über 50 einigermaßen akzeptabel abzufinden ...

Treffer542

23.06.2013, 21:11 Uhr

Es ist eher zu erwarten, dass die CoBank auf die seit langem in der Industrie etablierten Lösungen zurückgreift:

Mitarbeiter werden in Tochtergesellschaften ausgegliedert. Diese werden verkauft. Was der Käufer in ein paar Jahren so treibt, bleibt ja ihm überlassen....

Spätestens wenn der nächste Konjunktureinbruch kommt oder die Zinsen steigen, wird bei der CoBank wieder gejammert....

WalterMB

23.06.2013, 22:46 Uhr

Jedes Aktienunternehmen muß Profit machen, damit 1. die Mitarbeiter eine gesicherte Zukunft haben und 2. die Aktionäre bereit sind in dieses Unternehmen zu investieren. Ein Unternehmen in Schieflage muß deswegen schnellstens die Kostenstruktur anpassen und das Geschäftsmodell überprüfen und ggf. neu ausrichten. Kein Großunternehmen kann sich erlauben in einer solchen Schieflage 5 Jahre Zeit zu verlieren mit neuen Geschäftsmodellen ohne die Grundkostenstruktur anzupassen. Dies ist der Vorwurf an die Commerzbank, denn man hätte in diesen Jahren sozial schonend schon die Personalkostenstruktur anpassen können. Die freigesetzten Mitarbeiter hätten in dem Zeitraum von 2008-2013 problemlos alternative Arbeitsplätze finden können. Die Frage lautet deswegen: hat nur der Vorstand der CoBa versagt oder hat die Politik interveniert und damit zur Blockade geführt?

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