Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.04.2017

17:54 Uhr

Trump-Effekt

Optimismus ist (vorerst) weiter angebracht

VonFrank Wiebe

Kritiker fürchten, der von Trump ausgelöste Push neige sich dem Ende zu. Die Quartalszahlen von JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo sagen das Gegenteil. Der Trump-Trade ist intakt – noch. Ein Kommentar.

Erfreuliche Quartalszahlen sorgen für gute Stimmung. Reuters

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan

Erfreuliche Quartalszahlen sorgen für gute Stimmung.

New YorkDer so genannte Trump-Trade: Das ist das kleine Wirtschaftswunder, das in den USA beinahe unmittelbar nach der Wahl des US-Präsidenten Anfang November einsetzte. Höhere Aktienkurse, höhere Zinsen, mehr Optimismus und etwas mehr Inflation: Das war genau die Mischung, auf die Investoren und Unternehmen zuvor seit Jahren vergeblich gewartet hatten.

Zuletzt zeigten die Märkte aber Ermüdungserscheinungen. Die US-Aktien dümpeln, die Papiere der Banken, die anfangs durch die Decke gingen, fallen zurück. Das Kreditwachstum war im ersten Quartal gebremst, was die Banken stört und ein Zeichen für nachlassende Dynamik der Wirtschaft ist.

Einstiegsgehälter im US-Investmentbanking für MBA-Absolventen (nach Hochschulen)

Yale

Mittleres Gehalt 2014: 100.000 Dollar

Mittleres Gehalt 2015: 125.000 Dollar

Wharton

Mittleres Gehalt 2014: 100.000 Dollar

Mittleres Gehalt 2015: 125.000 Dollar

Stanford

Mittleres Gehalt 2014: 130.600 Dollar

Mittleres Gehalt 2015: 125.000 Dollar

Harvard

Mittleres Gehalt 2014: 100.000 Dollar

Mittleres Gehalt 2015: 125.000 Dollar

MIT Sloan

Mittleres Gehalt 2014: 100.000 Dollar

Mittleres Gehalt 2015: 125.000 Dollar

Columbia

Mittleres Gehalt 2014: 100.000 Dollar

Mittleres Gehalt 2015: 125.000 Dollar

Chicago Booth

Mittleres Gehalt 2014: 100.000 Dollar

Mittleres Gehalt 2015: 125.000 Dollar

Quelle

Die Daten entstammen den Beschäftigungsberichten der großen Wirtschaftshochschulen in den USA, zusammengetragen hat sie efinancialcarrers.com.

Ist der Trump-Trade also schon vorbei? Beim Blick auf die Quartalsergebnisse von JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo sieht es nicht so aus. JP Morgan und Citigroup legten unterm Strich deutlich zu. Und Wells Fargo hat sich trotz des Skandals im Vertrieb der Bank wenigstens gut gehalten.

Hinzu kommt, dass JP-Morgan-Chef Jamie Dimon und seine Finanzchefin Marianne Lake deutlichen Optimismus verbreiten. Dimon sagt, das gebremste Wachstum der Darlehen sei eher ein vorübergehender Effekt – ähnlich sehen das auch Ökonomen der Deutschen Bank. Er verweist darauf, dass sich viele Großunternehmen Geld vom Kapitalmarkt holen, statt Kredite bei der Bank aufzunehmen – und das sei kein schlechtes Zeichen. Auch Lake glaubt, dass der Optimismus der Geschäftskunden sich demnächst noch deutlicher in den Zahlen zeigen wird.

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein: „In einer Welt ohne Risiko will niemand leben“

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein

Premium „In einer Welt ohne Risiko will niemand leben“

Lloyd Blankfein, Chef von Goldman Sachs, fordert im Interview, die Auflagen für seine Branche wieder zu lockern. Die Banken würden daran gehindert zu investieren. Mit Trump als US-Präsident sieht er dafür gute Chancen.

So gesehen ist der Trump-Trade bisher also in weiten Teilen noch intakt. Und das, obwohl sich der US-Präsident zuletzt im Fernsehen beinahe noch chaotischer als sonst geäußert hatte. Nachdem er mit einer Reform der Krankenversicherung scheiterte, wollte er sich eigentlich, wie von Investoren erhofft, auf die Steuerreform konzentrieren. Am Mittwoch allerdings erklärte Trump plötzlich, er wolle sich zunächst doch auf die Gesundheitsreform konzentrieren – obwohl dort fast unlösbare Probleme lauern.

Es ist also keineswegs ausgemacht, dass der Trump-Trade auf lange Sicht hält. Auf der anderen Seite: Die US-Wirtschaft ist auch unabhängig vom Amtsinhaber im Weißen Haus ganz gut in Schuss. Daher ist ein gewisser Optimismus ohnehin gerechtfertigt – wie auch immer man ihn begründet oder etikettiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×