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20.07.2017

11:06 Uhr

Trump und Russland

Deutsche Bank im Fokus des US-Sonderermittlers

Den Managern der Deutschen Bank steht eine brisante Vorladung bevor: Sie erwarten, bald vom US-Sonderermittler zu den Russland-Kontakten der Wahlkämpfer des US-Präsidenten Donald Trump befragt zu werden.

Der ehemalige FBI-Chef ist Sonderermittler und untersucht die Russland-Verbindungen von Trumps-Wahlkämpfern. AFP; Files; Francois Guillot

Robert Mueller

Der ehemalige FBI-Chef ist Sonderermittler und untersucht die Russland-Verbindungen von Trumps-Wahlkämpfern.

FrankfurtDie Manager der Deutschen Bank erwarten, dass sie bald zu möglichen Verbindungen zwischen Russland und dem Wahlkampfteam von US-Präsidenten Donald Trumps befragt werden. Wie die britische Tageszeitung „Guardian“ berichtet, gehen die Führungskraft des Geldhauses davon aus, dass sie deswegen in Kürze vom US-Sonderermittlers Robert Mueller vorgeladen werden.

Laut der US-Zeitung New York Times hat es bereits informelle Kontakte zwischen Mueller und der Deutschen Bank gegeben. Monika Schaller, Sprecherin der Deutschen Bank in Frankfurt, lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten ab.

Die Deutsche Bank hatte im vergangenen Monat einen Antrag von fünf demokratischen Politikern auf Weitergabe von Informationen über Darlehen an Trump abgelehnt. Die US-Demokraten erhoffen sich von den Unterlagen der Bank Aufklärung über angebliche Verbindungen Trumps zu Russland. Das ist pikant für die Bank, denn sie hat in den USA bereits mehr als 600 Millionen Euro Strafe für eine Geldwäscheaffäre in Moskau bezahlt.

In ihrem ersten Brief an das Frankfurter Geldhaus erweckten die Demokraten den Anschein, als gäbe es einen Zusammenhang zwischen der Geldwäscheaffäre und Trump. Außerdem deuten die Politiker an, der heutige Präsident könnte aus Moskau finanzielle Unterstützung bekommen haben. Doch dafür gibt es bislang keine belastbaren Indizien.

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Nach Informationen des Handelsblatts verfügen die Demokraten über keine konkreten Hinweise für ihren Verdacht, sondern berufen sich vor allem auf Medienberichte, in denen allerdings ebenfalls nur vage Verbindungen zwischen Trump, Russland und der Bank gezogen wurden. Finanzkreisen zufolge hat das Institut selbst eine Untersuchung gestartet, ohne bislang auf Verdachtsfälle zu stoßen.

Zumindest einen kleinen Trost gibt es für die Frankfurter: Das Problem Trump schrumpft. Laut US-Medien hatte die Bank Trump für Immobilienprojekte ursprünglich insgesamt 340 Millionen Dollar geliehen. Als der Präsident vor kurzem sein Vermögen und seine Schulden veröffentlicht hat, waren davon nur noch 130 Millionen Dollar übrig. Das Restrukturieren von Kredit-Portfolios gehöre zum Kerngeschäft der Bank, heißt es dazu in Finanzkreisen.

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Das Frankfurter Geldhaus ist die Hausbank des Clans des US-Präsidenten: Eine Verbindung, die das Institut inzwischen als hochriskant einstuft. Dabei hätten sich die Frankfurter den ganzen Ärger ersparen können.

Allerdings geht es längst nicht mehr nur um die Geschäftsbeziehung zu Trump selbst. Denn die Deutsche Bank ist so etwas wie die Hausbank für den gesamten Präsidentenclan. Nach Informationen des Handelsblatts gehören auch Trumps Frau Melania und seine Tochter Ivanka zu den Kunden – und natürlich sein Schwiegersohn und enger Berater Jared Kushner, der sich 285 Millionen Dollar für ein New Yorker Immobilienprojekt geliehen haben soll.

Die Summe floss im Oktober 2016, mitten in der heißen Phase des US-Wahlkampfs. Damals verhandelte die Bank gerade über eine milliardenschwere Strafe für dubiose Immobiliengeschäfte mit dem US-Justizministerium. Das war allerdings noch unter der Obama-Administration. Am Ende kostete der Vergleich das Institut 7,2 Milliarden Dollar, nachdem zuvor sogar eine Strafe von 14 Milliarden Dollar im Raum gestanden hatte. Den dabei federführenden Staatsanwalt Preet Bharara hat Trump mittlerweile entlassen.

Den ganzen Ärger hätten sich die Frankfurter ersparen können. Denn eigentlich lag die Beziehung zum damaligen Immobilienmagnaten Trump bereits auf Eis, weil Trump die Bank verklagte, als er 2008 mit einem 640-Millionen-Kredit in Zahlungsrückstand geriet. Für seine Klage hatte Trump eine originelle Begründung. Er warf der Bank vor, mitverantwortlich für die Finanzkrise zu sein, deshalb schulde sie eigentlich ihm Geld. 2010 schloss die Bank nach einem weiteren Rechtsstreit einen Vergleich mit Trump.

Kommentare (1)

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Herr Tomas Maidan

20.07.2017, 14:23 Uhr

Wiederlich, wie das große Geld die Politik bestimmt. Man müsste einfach mal einen normalen Menschen zum Präsidenten wählen, der sich für die Menschen im Land einsetzt, und der keine Millionengeschäfte dreht.

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