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12.12.2013

07:11 Uhr

TV-Kritik Anne Will

„Wir können nicht die Welt mit Sparkassen bestücken“

VonMartin Dowideit

In einem Handelsblatt-Interview hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble eine Diskussion angestoßen: Umgehen Banken wieder kreativ Regeln? Bei ARD-Talkerin Anne Will ging die Diskussion ohne Schäuble in die nächste Runde.

TV-Talkerin Anne Will diskutierte über den Zustand der Bankenbranche. PR

TV-Talkerin Anne Will diskutierte über den Zustand der Bankenbranche.

DüsseldorfSahra Wagenknecht, Parteivize der Linken, hatte am Mittwoch noch für Schlagzeilen gesorgt. Ausgerechnet für den in Italien inhaftierten Finanzakrobaten Florian Homm hatte sie sich stark gemacht und bei der deutschen Botschaft in Rom um Informationen über die Betreuung Homms im Gefängnis gebeten. Am Abend diskutierte die Politikerin dann in der ARD bei Anne Will über die vermeintlich wieder entflammte Unverfrorenheit von Banken – und griff vor allem Investmentbanker scharf an.

Will hatte die Frage in den Raum gestellt: „Zocken, manipulieren, betrügen - Sind die Banken wieder außer Kontrolle?“ Die Bühne für die Gesprächsrunde hatte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen bereitet. Er hatte vergangene Woche verschnupft auf ein Interview von Finanzminister Wolfgang Schäuble im Handelsblatt reagiert. Schäuble hatte Banken vorgeworfen nach der Finanzkrise weiter mit „Kreativität“ die Regulierung zu umgehen.

Fitschen erwiderte dann auf einer Veranstaltung in Berlin, dass es „unverantwortlich und populistisch“ sei, die Fortschritte der Banken zu missachten. Zu viel Regulierung könne die Fähigkeit gefährden, die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen. Schäuble warf dann Fitschen vor, sich im Ton vergriffen zu haben. Dicke Luft also zwischen Berlin und der Frankfurter Bankenmetropole.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Die Reaktion des Deutsche-Bank-Chefs finde sie eine „Unverschämtheit“, so Wagenkneckt. Die Bank könne sich nicht herausnehmen, „einen Minister zu maßregeln“. Schließlich habe die Deutsche Bank eine unrühmliche Vergangenheit, wenn es um Zinsmanipulationen oder umstrittene Geschäfte mit der Bank IKB gehe, die schließlich von der staatlichen KfW gerettet werden musste. Überhaupt bedeute „Invesmtentbanking Gaunereien im ganz großen Stil“ – und auch das 25-Prozent-Renditeziel des Ex-Deutsche-Bank-Chefs brachte sie als verwerflich in die Diskussion ein.

Zur Verteidigung der Branche war Stefan Baron geladen, ehemaliger Kommunikationschef der Deutschen Bank. Die Kritik an Schäuble hätte er „nicht so gesagt“ – schließlich sei Schäuble ja auch für die Bankenaufsicht zuständig. Eine Jetzt-erst-recht-Reaktion des Ministers scheint Baron zu fürchten. Ansonsten trug Baron die üblichen Verteidigungsfloskeln der Branche vor.

25 Prozent Rendite? Viele Mittelständler machten mehr. Die 725-Millionen-Strafe für die Deutsche Bank wegen Zinsmanipulationen? Die Taten lägen lange zurück und außerdem hätten sich nur „null bis fünf Prozent der Bankmitarbeiter“ nicht korrekt verhalten – es gäbe viele tausend ehrliche Leute in den Geldhäusern. Außerdem hätten die Banken einen Selbstreinigungsprozess eingeleitet, aber der brauche lange. Schließlich habe es „zehn bis fünfzehn Jahre eine Parallelwelt im Investmentbanking“ gegeben.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

12.12.2013, 08:12 Uhr

" „Wir können nicht die ganze Welt mit Sparkassen bestücken“, erwiderte Kornblum. "

Und warum nicht?
Nur weil die nicht an der Börse sind?
Oder die nicht so "kreativ" sind und einer Geldreligion anhängen und solche "Produkte" schaffen, wie raffen wir z. B. alle verschuldeten Häuslebauer zusammen und verkaufen den Schrott an Gutgläubige, die mit x% Rendite und teuren Rückversicherungen gelockt werden? Und diesen Schrott auch noch zwischen Banken international hin und her schieben, damit man überhaupt noch sowas wie Zinsen zusammen bekommt, abgehoben von jeder wirtschaftlichen Realität?
Ist sich diese Branche für nichts zu schade?
Ist doch krankhaft was da teilweise passiert. Einen Braten kann man auch nur einmal verteilen, sowas wie "Geldprodukte" gibt es in der Realität nicht, Glauben kann ich in der Kirche, aber dieses (Papst)Privileg beanspruchen inzwischen Milliardäre für sich, und nennen das Investments.
Wer sich kritisch äußert, ist nur ein Looser der es nicht kapiert hat, das Globalisierung nicht freier fairer Handel, sondern Verarmung ganzer Landstriche, einschließlich der eigentlich tonangebenden Industrieländer, bedeutet. Denn die Löhne müssen ja den Schwellenländern angepaßt werden, und nicht umgekehrt.
Mit diesem Begriff haben Regierungen offensichtlich eine Rechtfertigung jeden Eingriff mit gesundem Menschenverstand zu unterlassen.
Denn der gesunde Menschenverstand wird scheinbar auch schon in Papiere geschrieben und damit gehandelt.

Account gelöscht!

12.12.2013, 08:16 Uhr

ARMUTSZEUGNIS FÜR DIE DEUTSCHE BANK
::::::::::::::::::::::::::::::::::::
konnte oder wollte sie keinen legitimierten mitarbeiter
in die sendung schicken..?? armselig das hilflose gestot-
tere von dem baron...peinliche angriffe auf frau wagen-
knecht.!
einzig frau wagenknecht war sattelfest in der materie hat
ihre kritik leider etwas überzogen..
kein wort über sinnvolle kapitalanlagen.....aktien..!!!


HIER WAR FRAU WILL TOTAL ÜBERFORDERT UND OHNE KENNTNISSE

Gast

12.12.2013, 08:43 Uhr

„Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben ein sinnvolles Geschäftsmodell“, so die Vize-Fraktionschefin der Linken – nah am Kunden, nah an der Wirtschaft.

Ja klar, so wie die spanischen Sparkassen, oder die Saving & Loan banks seinerzeit in den USA. Oder die Sachsen LB, oder die WestLb oder Bayern LB.

Wie naiv muß man sein, dass Institute, die aus der Politik heraus gesteuert und beaufischtigt werden zu einer funktionierenden Bankensystem führen? Oder Milliardenkredite vergeben können? Das ist sehr bewusste Volksverdummung, was die Dame hier treibt

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