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05.01.2017

19:18 Uhr

Twitter-Debatte

Der AfD-Fan von der Sparkasse

VonElisabeth Atzler

Ein Sparkassenangestellter greift den SPD-Politiker Christopher Lauer über seinen Firmenaccount an – daraufhin stellt ihn Lauer öffentlich bloß. Es folgen ein Shitstorm und Morddrohungen.

Der SPD-Politiker wird für seinen Sparkassen-Tweet heftig kritisiert.

Tweet von Christopher Lauer

Der SPD-Politiker wird für seinen Sparkassen-Tweet heftig kritisiert.

Frankfurt Angefangen hat alles am 1. Januar. Der frühere Piratenpolitiker Christopher Lauer kritisierte die Kölner Polizei wegen deren Bezeichnung „Nafris“ für Menschen aus Nordafrika. „Ich halte diesen Begriff für in hohem Maße entmenschlichend“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Die Kölner Polizei verwende die Abkürzung eigentlich intern für Straftäter aus Nordafrika. „Wenn die nun in der Silvesternacht hunderte Menschen so bezeichnen, ist das eine pauschale Verurteilung einer ganzen Bevölkerungsgruppe nur nach dem Aussehen“, so Lauer weiter, der Vorsitzender der Piraten-Partei in Berlin war und zur SPD übertrat.

Mit seiner Kritik an der Verwendung des Begriffs „Nafri“ stieß Lauer seinerseits dennoch auf heftige Kritik, die über den Kurznachrichtendienst Twitter oder per E-Mail bei ihm aufschlug. Eine E-Mail veröffentlichte Lauer am Montag. Sie stammte von einem Angestellten der Kreissparkasse Groß-Gerau, der Lauer über seinen Firmenaccount geschrieben hatte – in giftigem Ton.

„Vielen Dank für Ihre Aussage gegenüber dem Verhalten unserer Polizei an Silvester in Köln und den Begriff Nafri“, so der Sparkassenangestellte. Er und sein Bekanntenkreis seien sich jetzt endgültig sicher, bei der nächsten Bundestagswahl, „die einzig wahre Partei zu wählen, nämlich die AfD“. „Die SPD war einmal und versinkt hoffentlich in der Bedeutungslosigkeit“, so der Sparkassenmitarbeiter. Unter seiner E-Mail prangt ein Sparkassenclaim.

Lauer versah den Screenshot der E-Mail mit der Bemerkung – wobei er den Namen des Angestellten, der auch in der E-Mail auftaucht, nennt und ein Foto von ihm zeigt: „Herr X. von der Kreissparkasse Großgerau wählt dieses Jahr AfD! Wisst ihr bescheid!“

In einem zweiten Tweet richtete sich Lauer, der 35.000 Follower bei Twitter hat, an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV): „Ist das eine offizielle Wahlempfehlung oder wie soll ich diese Mail über Firmenadresse verstehen?“

Seit diesen Twitter-Posts sieht sich Lauer einem Shitstorm gegenüber, der sich noch immer nicht gelegt hat. Allein am Donnerstagnachmittag gab es binnen zwei Stunden mehr als 200 Twitter-Kommentare dazu. Zuletzt kamen Kommentare im Minutentakt. Insgesamt dürfte es zu dem Thema inzwischen mehrere hundert Kommentare geben. Die meisten richten sich gegen Lauer. Einige Twitter-Nutzer werfen ihm vor, er habe den Sparkassenangestellten „denunziert“.

Viele davon attackieren ihn scharf, oftmals hasserfüllt und mit Ausdrücken unterhalb der Gürtellinie. „Da hat der Denunziant Lauer wohl was verloren. Der schaut jetzt hinter sich wenn er auf die Strasse geht“, schreibt ein Twitter-User.

Kommentare (5)

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Herr Uwe Möller

06.01.2017, 08:43 Uhr

In der Sache ist dem Sparkassenmitarbeiter wohl Recht zu geben, die Aufregung über die polizeiliche Verwendung des Begriffs "Nafri" ist in den auftretenden Formen einfach nicht mehr nachvollziehbar! Fehlverhalten und Grenzüberschreitungen im Ausdruck sind dabei zu verurteilen. Von einem ehemaligen Piraten-Mitglied hätte ich mehr Souveränität erwartet. Die Veröffentlichung des dienstlichen Acounts sowie die Einschaltung des Sparkassenverbands sind dabei genuso zu verurteilen!! Herrn Lauer war klar, dass das keine offizielle Stellungnahme war. Wenn nicht, dann ist Herr Lauer in der Politik fehl am Platz! Als in diesen Zeiten geouteter "Gutmensch", was schon in der SPD kein Ausnahmefall ist, wäre Herr Lauer wohl besser gleich zu den GRÜNEN oder der Gutmensch-Leitpartei CDU übergetreten! Deutschland/Europa kann das Elend in der Welt nicht abschaffen und alle aufnehmen, die verständlicherweise gerne hier her wollen. Die Polizei und sonstige Behörden mögen uns schützen und dabei auch Abkürzungen verwenden, die ihre Arbeit erleichtern und effizienter machen!

Herr jorge ferrer

06.01.2017, 09:46 Uhr

In der Sache ist dem Sparkassenmitarbeiter wohl Rechtslastigkeit zu bescheinigen. Dem Mitforist Uwe Möller ist ferner eine große Nähe zu diesem intoleranten Gedankengut in Tateinheit mit zu-kurz-gedachtem (weil vermutlich auch ebenso gekommenen), Neid und Ressentiment zu attestieren. Die Aufregung über den Gebrauch eines menschenverachtenden und entwertenden Begriffs ist mMn durchaus nachvollziehbar, es bedarf dafür nur ein Mindestmass an Empathie, früher auch als Anstand bezeichnet. Wer Empathie mit Gutmenschentum verwechselt entscheidet sich logischerweise für Schlechtmenschentum und wählt dementsprechend. Wenn aber jemand als Schlechtmensch geoutet wird ist das Jammern groß. Schneeflocken, doppelmoralige! Heuchler!

Herr Heinz Keizer

06.01.2017, 10:32 Uhr

Es ist völlig klar, dass der Sparkassenmitarbeiter falsch gehandelt hat und dies für ihn wohl auch Konsequenzen haben wird. Herr Lauer hätte sich direkt an die betreffende Sparkasse wenden können, aber als Politiker braucht er wohl Publicity. Nach den Vorkommnissen an Sylvester 2015 in Köln ist es eine Ungeheuerlichkeit, die Polizei dort zu kritisieren. Von diesen Leuten habe ich noch keinerlei Kritik am Verhalten der über 1.000 Personen, die von der Polizei kontrolliert wurden, gehört. Was hat diese veranlasst ausgerechnet an Sylvester nach Köln zu reisen? Haben die sich abgesprochen? Was hatten sie vor? Warum sind die überhaupt hier? Das moralische Aufblasen gewisser Politiker und Medien ist kaum noch zu ertragen. Wer das kritisiert und die Probleme beim Namen nennt, wird gnadenlos nieder gemacht.

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