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29.07.2016

09:54 Uhr

UBS

Schweizer Großbank hadert mit dem Marktumfeld

Die Schweizer Großbank UBS bleibt zwar ihrem Renditeziel treu – doch der Zeitpunkt bis es erreicht werden soll, rückt in die Ferne. Der Gewinn der Bank schrumpf um ein Siebtel.

Die Schweizer Großbank UBS verabschiedet sich von kurzfristigen Ergebniszielen. dpa

UBS-Chef Sergio Ermotti

Die Schweizer Großbank UBS verabschiedet sich von kurzfristigen Ergebniszielen.

ZürichDie UBS hat angesichts des schwierigen Umfelds ihre kurzfristigen Ergebnisziele wieder entfernt. „Zumindest solange wir keine nachhaltige Stabilisierung des makroökonomischen und geopolitischen Umfelds sehen, denken wir, dass es keinen Sinn mehr macht, kurzfristige Ergebnisziele zu geben”, sagte Bankchef Sergio Ermotti am Freitag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. UBS hatte für das laufende Jahr eine bereinigte Eigenkapitalrendite auf dem Niveau des Vorjahres von 13,7 Prozent erwartet. 2018 sollte sie auf über 15 Prozent steigen. Sollte sich das Umfeld normalisieren, können UBS ihre Ziele jedoch weiterhin erreichen, sagte Ermotti.

Der Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht

Wer wurde geprüft?

Die Aufseher in London haben 51 große Banken aus 15 europäischen Ländern unter die Lupe genommen. Sie stehen zusammen für rund 70 Prozent der Bilanzsumme im europäischen Bankensektor. Ausgewählt wurden Institute, die die Finanzstabilität in Europa gefährden könnten, wenn sie ins Straucheln geraten. Aus Deutschland mussten sich neun Banken dem Stresstest stellen, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Wie wurde geprüft?

Die Aufseher nahmen eine ganze Reihe von Kennzahlen unter die Lupe und prüften, wie sich diese in verschiedenen Szenarien bis 2018 entwickeln dürften. Zum einen spielte die EBA durch, wie es den Banken gehen wird, falls die Vorhersagen der Europäischen Kommission zur Konjunktur in den nächsten Jahren eintreten. Zum anderen testeten sie die Institute auch im Szenario einer sehr viel schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung.

Was wird veröffentlicht?

Die EBA bereitet für die Veröffentlichung umfangreiches Material vor. Zahlenkolonnen, Tabellen und Analysen sollen die Ergebnisse des Stresstests darstellen. Anders als bei vorangegangenen Prüfungen wird diesmal aber keine Bank durchfallen – diese Kategorie gibt es schlichtweg nicht. Auch zu einer möglichen Lücke beim Eigenkapital wird sich die EBA nicht konkret äußern.

Was soll der Stresstest dann überhaupt?

Nach Darstellung der EBA geht es vor allem darum, den verschiedenen Aufsichtsbehörden für den Sektor Datenmaterial zur Verfügung zu stellen, dass dann mit jeder einzelnen Bank durchgesprochen werden soll. Zudem lässt sich aus den Zahlen durchaus einiges über die Verfassung des jeweiligen Instituts ablesen. Gerade professionelle Anleger werden sich die Daten deshalb genau vorknöpfen.

Welche Banken werden besonders beäugt?

Im Fokus stehen zum einen italienische Institute. Sie sitzen auf einem riesigen Berg fauler Kredite. Allein das Institut Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS), die älteste Bank der Welt und einer von fünf italienischen Stresstestteilnehmern, hat zweifelhafte Kreditforderungen in zweistelliger Milliardenhöhe in den Büchern. Die Kurse von Bank-Aktien in Italien sind seit Jahresbeginn um mehr als die Hälfte gefallen, was die Institute weiter unter Druck setzt. Große Aufmerksamkeit ist aber auch der Deutschen Bank gewiss. Diverse Skandale, Probleme im Investmentbanking vor dem Hintergrund der Niedrigzinsen sowie der aufwändige Konzernumbau belasten Deutschlands größte Bank. Wer den Aktienkurs verfolgt, bekommt den Eindruck, dass das Institut auf Anleger inzwischen geradezu abschreckend wirkt.

Warum kommt die Veröffentlichung an einem späten Freitagabend?

Die Aufseher vermeiden damit eine direkte Reaktion der Wertpapiermärkte. Um 22 Uhr sind die Börsen nicht nur in Europa geschlossen sondern auch in den USA, die für manche der getesteten Banken ein wichtiges Geschäftsfeld sind.

Die Schweizer Großbank UBS erwartet nach einem Gewinnrückgang im zweiten Quartal weiter schwierige Bedingungen. Wegen der turbulenten Kapitalmärkte und wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten wie etwa dem bevorstehendem Brexit dürfte der Risikoappetit der Kunden weiterhin gering sein, erklärte der weltgrößte Vermögensverwalter am Freitag. Im zweiten Quartal hatte die Zurückhaltung sehr reicher Kunden die Erträge im Kerngeschäft Vermögensverwaltung gedrückt. Zudem schrumpften die Einnahmen in der Investmentbank - vor allem wegen geringerer Erträge im Aktienhandel. Von April bis Juni schrumpfte der Gewinn der größten Schweizer Bank daher im Jahresvergleich um 14,5 Prozent auf 1,034 Milliarden Franken. Damit schnitt das Institut dennoch deutlich besser ab als von Analysten erwartet.

Im der Vermögensverwaltung sammelte das Institut konzernweit rund 8,4 Milliarden Franken an neuen Kundengeldern ein. Im ersten Quartal waren es rund 29 Milliarden Franken gewesen. Doch die Kunden sind verunsichert - etwa durch den unabsehbaren Ausgang der US-Wahlen, den offenen Zeitpunkt einer weiteren Zinserhöhung in den USA, den EU-Austritt Großbritanniens und die niedrigen Zinsen. Viele von ihnen halten sich mit Käufen und Verkäufen daher zurück, was die Gebühreneinnahmen der Bank schmälert. Im internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft (ohne Amerika) etwa brach der operative Gewinn um knapp ein Drittel auf 518 Millionen Franken ein.

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In der Investmentbank schrumpfte der operative Gewinn um knapp die Hälfte auf 284 Millionen Franken. Grund dafür waren geringere Erträge im Aktienhandel. Dieser hatte auch bei einigen US-Banken geschwächelt.

Den höchsten operativen Gewinn erzielte UBS im Privat- und Firmenkundengeschäft in der Schweiz. Den Bereich übernimmt ab September der ehemalige Commerzbank -Chef Martin Blessing.

Angesichts der wenig rosigen Aussichten treibt die UBS ihr laufendes Sparprogramm voran. Bis zur Jahresmitte hatte die Bank ihr Ziel erreicht, die Kosten um 1,4 Milliarden Franken zu senken. Bis Ende 2017 sollen sie um 2,1 Milliarden Franken zurückgehen, bekräftigte die Bank. Dazu baut das Institut auch Stellen ab - etwa durch die Zusammenlegung einzelner Bereiche in der Vermögensverwaltung. Im zweiten Quartal fielen rund 450 Jobs weg.

Von

rtr

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