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23.01.2015

12:17 Uhr

UBS

Schweizer Großbank kommt unbeschadet durch Devisen-Sturm

Die Entkoppelung des Schweizer Franken vom Euro sorgte am Devisenmarkt für Turbulenzen. Die Schweizer Großbank UBS hat diese Phase gut überstanden und kaum Handelsverluste erlitten. Die Aktionäre reagieren erfreut.

Logo der Schweizer Großbank an einem Gebäude der Bank. Die Entkoppelung des Schweizer Franken hat die UBS problemlos überstanden. Reuters

Logo der Schweizer Großbank an einem Gebäude der Bank. Die Entkoppelung des Schweizer Franken hat die UBS problemlos überstanden.

ZürichDie Großbank UBS hat die Kapitalmarkt-Turbulenzen nach der Abschaffung des Euro-Mindestkurses ohne Blessuren überstanden. „UBS hat in ihrem Handelsgeschäft insgesamt keine negativen Erträge im Zusammenhang mit dieser Ankündigung verzeichnet“, teilte die größte Schweizer Bank am Freitag mit. UBS ist einer der größten Devisenhändler der Welt. Auch der Lokalrivale Credit Suisse und die Bank Julius Bär hatten schon erklärt, die Wechselkursschwankungen ohne nennenswerte Handelsverluste überstanden zu haben.

Nachdem die Schweizer Notenbank in der vergangenen Woche den Kampf gegen eine Franken-Aufwertung aufgegeben und ihre Eurokäufe am Devisenmarkt eingestellt hatte, sackte der Euro in kurzer Zeit von 1,20 Franken auf unter einen Franken. Auch der Dollarkurs ging zurück. Eine Reihe kleinerer Devisenhandelsfirmen gerieten in Schieflage oder musste wie der Schweizer Broker Swissquote Rückstellungen für mögliche Verluste vornehmen. Mit umgerechnet 9,2 Billionen Dollar war das Handelsvolumen am Devisenmarkt am Donnerstag der vergangenen Woche fast doppelt so hoch wie sonst an einem durchschnittlichen Handelstag. Zuletzt notierte der Euro bei knapp unter 0,99 Franken.

Das sagten Experten am 15. Januar zum Schweizer Manöver

Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin

„Die Entscheidung der Schweizer Notenbank war längst überfällig. Ihre Wechselkurspolitik hat zwar in den vergangenen Jahren Schweizer Exporteure geschützt und deren Wettbewerbsfähigkeit durch einen schwächeren Franken unterstützt. Diese Politik könnte sich jedoch als enorm teurer Fehler erweisen. Denn der Franken wird langfristig gegenüber dem Euro aufwerten. Die Wertverluste auf die Devisenreserven könnten deshalb enorm groß werden. Der Zeitpunkt der Entscheidung ist sicherlich nicht zufällig. Die Erwartung eines Anleihenkaufprogramms der EZB sollte den Euro mittelfristig weiter schwächen, und damit die sonst notwendigen Ankäufe und diese Verluste für die Schweizer Notenbank erhöhen.“

Rudolf Minsch, Chefökonom des Wirtschaftsverbands Economiesuisse

„Es war von Anfang an klar, dass die Wechselkursuntergrenze eine temporäre Maßnahme sein soll. Auch die Wirtschaft strebt im Prinzip eine Rückkehr zu flexiblen Wechselkursen an, aber nicht jetzt. Denn in der gegenwärtig angespannten Situation ist die Gefahr sehr groß, dass es zu einem Überschießen des Frankens kommt. Wir sind davon ausgegangen, dass die Wechselkursuntergrenze für die nächsten Monate noch halten wird.

Wir sind jetzt weit jenseits der Kaufkraftparität, die ich auf 1,29 Franken pro Euro schätze. Mit einer leichten kontinuierlichen Aufwertung kann die Wirtschaft leben. Aber bei einer schockartigen Aufwertung ist die Industrie überfordert. Das wird sehr große Probleme geben.

Es bricht eine schwierige Zeit für die Schweizer Unternehmen an. Dies gilt vor allem für die Export- und Zuliefer-Industrie sowie für den Tourismus. Die Planungssicherheit ist vorderhand weg. Entscheidend ist jetzt, wo sich der Euro einpendeln wird. Mit 1,15 Franken kann die Wirtschaft leben. Bei 1,05 würde es zu einem größeren Einbruch kommen.“

Schweizerischer Gewerkschaftsbund

„Der Entscheid der SNB, den Mindestkurs aufzuheben, gefährdet die Löhne und Arbeitsplätze in der Exportwirtschaft massiv und erhöht die Deflationsgefahren in der Schweiz. Auch zum Kurs von 1,20 gegenüber dem Euro war der Franken nach wie vor deutlich überbewertet. Mit der Aufhebung der Untergrenze ist der Devisenspekulation nun Tür und Tor geöffnet. Es ist mit einer unkontrollierten Aufwertung zu rechnen. Die bereits heute unter dem überbewerteten Franken leidende Exportwirtschaft (Industrie/Tourismus) wird zusätzlich belastet.“

Christian Lips von der NordLB

„Die SNB scheint nicht mehr an eine Durchsetzbarkeit für den Fall eines EZB-Staatsanleihenankaufprogramms zu glauben – und könnte sich doch mit der Panikreaktion in eine Sackgasse manövriert haben. Zumindest ist die Kommunikation der SNB – bei allem Wohlwollen – als missglückt zu bezeichnen.“

JP Morgan Research

„Die größte Überraschung der heutigen Entscheidung ist, dass die SNB sich gegen einen gelenkten Rückzug entschieden hat – sie hat dem Euro zum Franken komplett den Boden entzogen.

Das ist zwar die sauberste Option für die SNB – alle Verbindungen zur Geldpolitik der EZB können nun gekappt werden. Aber es ist auch die Option mit dem größten Risiko, den Euro-Franken-Kurs unter den fairen Wert zu drücken, den wir bei etwa 1,10 Franken sehen.“

Thomas Gitzel von der VP Bank

„Die SNB beugt sich dem Marktdruck, setzt aber ein Teil ihrer Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Interventionen der vergangenen Wochen waren wohl für die eidgenössischen Währungshüter zu viel. Bei der Einführung des Mindestwechselkurses war an punktuelle Interventionen gedacht, nicht aber an permanente. Letztlich dürfte aber auch die Gold-Initiative eine gewisse Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. (...) Da der Franken auf den aktuellen Kursniveaus deutlich gegenüber dem Euro überbewertet ist, sollten sich nach einer Übertreibungsphase wieder höhere Kursniveaus beim Währungspaar Euro-Franken einstellen.“

Jefferies-Stratege Jonathan Webb

„Die Entscheidung der SNB hat den Markt völlig überrascht. Die SNB geht vermutlich davon aus, dass die EZB in der kommenden Woche auf ihrer Ratssitzung ihre Geldpolitik weiter lockern wird. Angesichts der anstehenden Wahlen in Griechenland wäre es für die Schweizer ziemlich schwierig, den Mindestkurs aufrecht zu halten.“

Chris Beauchamp, Markt-Analyst bei IG

„Meine erste Reaktion war, dass das ein Signal für eine bevorstehende Aktion der EZB ist. Allerdings war die Reaktion an den Aktienmärkten dafür zu negativ. Aber es passiert ja nicht jeden Tag, dass eine Notenbank einfach einer Währung den Boden unter den Füßen wegzieht. Und die Leute haben eindeutig Angst, dass etwas Größeres bevorsteht. Für den Schweizer Markt und die Wirtschaft ist das sehr schlecht, wenn der Franken so rasant steigt und der Euro abstürzt. Die Stimmung ist seit Jahresbeginn ziemlich unruhig, und so eine Nachricht sorgt für Volatilität aus.“

Helaba-Analyst Ulrich Wortberg

„Die Aufhebung des Mindestkurses kommt sehr überraschend und die SNB dürfte an Glaubwürdigkeit verlieren, da sie in den vergangenen Monaten stets die vehemente Verteidigung der Untergrenze betonte. Einen neuen Mindestkurs dürfte es wohl nicht mehr geben, da Marktteilnehmer kein Vertrauen mehr haben, dass dieser langfristig gehalten wird. Der Euro-Franken wird nun den Marktkräften überlassen und es dürften sich Kurse im Bereich der Parität einstellen.“

Einzelne Analysten hatten zunächst nicht ausschließen wollen, dass Devisenhandelsverluste eine Sonderausschüttung von 0,25 Franken je Aktie gefährden könnten. Diese hatte die UBS im Zusammenhang mit dem Umbau der Rechtsstruktur in Aussicht gestellt. Diese Spekulationen entkräftete die Bank nun mit dem Hinweis, das für dies Kapitalrückzahlung nötige Geld sei im vierten Quartal vollständig zurückgestellt worden. Dadurch habe sich das harte Kernkapital um rund eine Milliarde Franken reduziert.

UBS-Aktionäre erfreut

Gleichwohl peilt die Bank weiterhin eine harte Kernkapitalquote von 13 Prozent an. Wenn die Quote, die Ende September bei 13,7 Prozent lag, weiterhin erfüllt wird, will UBS die Hälfte des Gewinns an die Aktionäre ausschütten. In vergangenen Jahren hatte die Bank ihre Aktionäre knapp gehalten und Gewinne zum Aufbau von Eigenkapital verwendet. Die UBS-Aktie zog an der Börse knapp ein Prozent an, während die Titel der Credit Suisse 1,6 Prozent nachgaben.

Daneben nahm die Bank bei ihren Bonus-Plänen Änderungen bei der Verbuchung vor. Aufgeschobene Bonus-Zuteilungen im Rahmen des sogenannten Deferred Contingent Plan (DCPP) werden neu als zusätzliches Kernkapital (AT1-Kapital) verbucht. UBS plant, in den nächsten fünf Jahren DCCP-AT1-Kapital von etwa 2,5 Milliarden Franken aufzubauen. Im Rahmen des seit 2012 gültigen Plans erhalten UBS-Mitarbeiter, die mehr als 300.000 Franken oder Dollar verdienen, 40 Prozent ihrer Erfolgsprämien in Form von fiktiven Anleihen. Die werden nur dann verzinst, wenn die Bank einen Gewinn macht. Sie verfallen, wenn ein Angestellter gegen Regeln und Vorschriften verstößt.

Von

rtr

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