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10.11.2017

10:06 Uhr

Über 100 Millionen Euro

Sparkassen wollen Paydirekt anschieben

VonFrank Matthias Drost, Laura de la Motte

Der Online-Bezahldienst der deutschen Banken, Paydirekt, ist kein Erfolg. Die Sparkassen dringen jetzt auf einen Umbau des Geschäftsmodells. Die Geburtsfehler des Dienstes können jedoch nur langsam behoben werden.

Sparkassen wollen Paydirekt mit über 100 Millionen anschieben dpa

Paydirekt

Der Bezahldienst gewinnt nur langsam Händler und Kunden.

Berlin/FrankfurtDie Sparkassen wollen Paydirekt anschieben. Wie das Handelsblatt erfuhr, beschlossen die obersten Vertreter der Finanzgruppe, insgesamt 107 Millionen Euro in den Online-Bezahldienst zu investieren. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte berichtet, dass dafür Voraussetzung sei, dass auch die privaten Banken und Genossenschaftsbanken sich mit ähnlichen Summen engagierten. Außerdem fordern die öffentlich-rechtlichen Institute einen Umbau der Paydirekt-Geschäftsführung.

Erst zu Beginn der Woche hatte der amtierende Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Georg Fahrenschon, mit Blick auf das gemeinsame Online-Bezahlverfahren eingeräumt: „Paydirekt ist bisher kein Erfolg, wir müssen bitteres Lehrgeld zahlen.“ Er ergänzte: „Das betrifft die ganze deutsche Kreditwirtschaft – und das tut besonders weh.“ Fahrenschon steht aktuell selbst im Kreuzfeuer aufgrund verspätet abgegebener Steuererklärungen; ihm droht eine Strafe oder eine Bußgeldzahlung.

Vor Bekanntwerden der Vorwürfe hatte Fahrenschon zum Thema Paydirekt gesagt, man sei davon ausgegangen, den Zahlungsverkehr traditionell zu beherrschen. „Jetzt haben wir gelernt: Dieses Geschäftsmodell funktioniert anders, als wir bisher vermutet haben“, räumte der Sparkassen-Präsident ein.

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Der Onlinebezahldienst der deutschen Banken, Paydirekt, kommt schwer in die Gänge. Jetzt schaltet mit Reuter auch noch ein größerer Onlineshop Paydirekt vorerst wieder ab. Die Kunden nutzten die Bezahlart einfach nicht.

Mit Paydirekt wollte die deutsche Kreditwirtschaft dem US-Online-Zahlungsanbieter Paypal Paroli bieten. Doch zwei Jahre nach Gründung fällt das Fazit bitter aus. Rund 1500 Händler haben das Verfahren eingebunden, dazu zählt auch Rakuten, der wiederum 7000 kleinere Webshops umfasst. Doch in der gesamten Liste der Paydirekt-Partner sind mit dem Onlineversand Otto, der am heutigen Freitag live geschaltet wurde, und dem Computerhändler Alternate erst zwei richtig große Spieler. Knapp 1,5 Millionen Nutzer haben sich bisher für Paydirekt registriert. Zum Vergleich: Der Platzhirsch Paypal hat rund 50.000 Internetshops eingebunden und knapp 19 Millionen Nutzer in Deutschland.

Ein Ausstieg aus dem strategisch wichtigen Zahlungsverkehr ist trotz Fahrenschons Kritik nicht geplant. Der Verzicht sei keine Alternative, „wenn man künftig die Girokontoverbindung und die damit verbundenen Verträge halten will“, meinte der oberste Sparkassen-Chef. Er plädiert für einen Umbau des Geschäftsmodells – ohne jedoch ins Detail zu gehen.

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Die Deutschen kaufen immer mehr online ein – aber bezahlen am liebsten erst, wenn die Bestellung da ist. Paydirekt, das Angebot der deutschen Banken, spielt fast keine Rolle. Und an der Ladenkasse bleibt Bargeld beliebt.

Dass Paydirekt so schwer am Markt Fuß fasst, überrascht Zahlungsexperten nicht. So gingen die Macher durch einen mühsamen Lernprozess und sind gerade erst dabei, einige Geburtsfehler der App zu beheben. Ungünstig ist etwa, dass die teilnehmenden Banken ihre Kontakte zu den Unternehmen partout nicht aus der Hand geben wollen.

So sollen die Firmenkundenbetreuer Paydirekt mitverkaufen, sind jedoch technisch gar nicht umfassend informiert. Inzwischen schickt Paydirekt eigene Vertriebsleute zu den großen Kunden: Prompt konnten die Abschlüsse gesteigert werden.

Kommentare (9)

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Herr Alexander Felde

10.11.2017, 10:32 Uhr

Wozu das ganze? es gibt ja schon paypal, warum sollte ein Kunde etwas was die gleiche Funktionalität hat und sonst keinen Mehrwert bietet sich antun?

Die haben es immer noch nicht verstanden Innovation ist nicht Klonen, die Zeiten sind vorbei. Innovation wird auch nicht von oben verordnet, was hier der Fall ist. Innovation muss man selbst machen, und es bedeutet etwas zu analysieren, sich Gedanken dazu zu machen und einen höheren Nutzen dem Endkunden und natürlich auch den Shops zu bieten.

Das beste Beispiel dazu wie so etwas geht ist denke ich Klarna. Die haben es eben anders gemacht als PayPal und haben ihre Marktnische auch besetzen können.

Schade um die 107 Mio € ...den Betrag muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Herr Christian Körner

10.11.2017, 11:44 Uhr

Preise für die Händler auf 0,8% fixieren.
Anständig Werbung machen: Paydirekt ist sicher und die Daten gehen nicht ins Ausland!
Vielleicht gibt es auch mal eine paydirekt Krypto-Währung im Block-Chain Verfahren? (ist das dann legal????? - einfach mal machen, dann verbietet es der Gesetzgeber endlich mal und damit auch BitCoins)

Herr Helmut Metz

10.11.2017, 12:49 Uhr

@ Christian Körner
"Vielleicht gibt es auch mal eine paydirekt Krypto-Währung im Block-Chain Verfahren? (ist das dann legal????? - einfach mal machen, dann verbietet es der Gesetzgeber endlich mal und damit auch BitCoins)"

Die Zukunft heißt WETTBEWERB DER WÄHRUNGEN.
Der Staat will dagegen keinen Wettbewerb - er will staatliches ZWANGSgeld.
Wenn Sie Bitcoins verbieten wollen (was wegen ihrer Dezentralität jedoch nicht möglich ist - Sie müssten nämlich dann das Internezt komplett verbieten), dann wollen Sie also ZWANG statt Freiheit.
Bei einem freien Wettbewerb der Währungen wird sich jedoch früher oder später das BESTE Tauschmittel durchsetzen (vielleicht auch mehrere), genauer: das Tauschmittel mit dem höchsten GRENZNUTZEN.
Und jetzt schreibe ich hier mal, wo Bitcoins (mittlerweile) einen Nachteil gegenüber Online-Bezahldiensten von Banken haben: in der Anfangszeit konnte man mit Bitcoins beispielsweise einen Kaffee kaufen (wenn der Tauschpartner Bitcoins akzeptierte). Das kann man natürlich auch heute noch, nur sind die TRANSAKTIONSKOSTEN bei Bitcoins mittlerweile explodiert. Wenn Sie heute Ihren Kaffe mit Bitcoins bezahlen, dann kostet Sie der Kaffee statt beispielsweise €1,50 letztendlich sogar das dreifache.
Die Ökonomen sagen dazu: für Mikrozahlungen nimmt der GRENZNUTZEN von Bitcoins besonders schnell ab.
Dagegen sind die Online-Bezahldienste der Banken hier wesentlich günstiger (d.h. deren Grenznutzen nimmt weniger schnell ab).
Im freien Wettbewerb der Kryptowährungen gibt es allerdings auch hier schon heute Alternativen zu Bitcoins, deren Transaktionskosten wesentlich geringer sind.

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