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13.01.2009

10:00 Uhr

Übernahme

Dresdner-Kauf ist perfekt

Die Commerzbank hat den Kauf der Dresdner Bank rechtlich abgeschlossen. Wobei bereits ein neuer Schönheitsfehler aufgetaucht ist. So soll die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kurz vor der Übernahme genehmigte millionenschwere Dresdner-Kleinwort-Prämien unter die Lupe genommen haben.

Das sich in der Glasfassade eines Nebengebäudes spiegelnde Logo der Dresdner Bank. Foto: ap Quelle: ap

Das sich in der Glasfassade eines Nebengebäudes spiegelnde Logo der Dresdner Bank. Foto: ap

FRANKFURT. Der Dresdner-Kauf ist nach mehrtägigen Verzögerungen rechtlich abgeschlossen („Closing“) worden. Die Eintragung der Kapitalerhöhung ins Handelsregister sei erfolgt, bestätigte die Commerzbank am Abend. „Damit hat die Commerzbank die Übernahme der Dresdner Bank vollzogen und ist nun alleiniger Aktionär.“ Im Zuge der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank erhält die Allianz rund 163,5 Millionen neue Commerzbank-Aktien aus einer Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage. Das Bundeskartellamt hatte dem Erwerb bereits im Dezember 2008 zugestimmt.

Die Commerzbank bekommt insgesamt 18,2 Milliarden Euro aus dem staatlichen Bankenfonds SoFFin, um den Kauf der Dresdner Bank und weitere Belastungen aus faulen Kreditpapieren abzusichern. Im Gegenzug wird der Bund größter Einzelaktionär der zweitgrößten deutschen Bank mit 25 Prozent plus einer Aktie.

Wobei millionenschweren Bonuszahlungen für Investmentbanker der Dresdner Kleinwort (DKIB) noch in Folge der Übernahme die Finanzaufsicht beschäftigt haben. Drei mit der Materie vertraute Personen sagten dem Handelsblatt, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) habe die im Sommer kurz vor der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank gewährten Prämien unter die Lupe genommen. „Das wurde überprüft“, sagte ein Insider. Offenbar habe es Bedenken wegen der Höhe gegeben, wobei die rechtlichen Details allerdings unklar blieben. Die Behörde habe schließlich auch keinerlei Basis für eine Beanstandung gefunden.

Die BaFin wollte dies nicht bestätigten. Hinsichtlich einer entsprechenden Überprüfung sei nichts bekannt, sagte eine Sprecherin. Dresdner Kleinwort lehnte eine Stellungnahme ab, die Commerzbank war nicht zu erreichen.

Die Untersuchungen der Aufsicht liegen den Informationen zufolge bereits mehrere Wochen zurück und sind deshalb auch nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Beteiligung des Bundes an der Commerzbank zu sehen. Sie könnten allerdings vor diesem Hintergrund eine völlig neue Brisanz erhalten. Denn mit dem vergangene Woche vereinbarten zweiten Rettungspaket hat der Finanzmarkstabilierungsfonds Soffin mittlerweile 18,2 Mrd. Euro an Kapital in die Commerzbank gesteckt. Damit lässt sich argumentieren, dass letztlich der Steuerzahler die Millionen-Boni der DKIB-Investmentbanker zahlt.

Diese waren kurz vor der am 31. August verkündeten Übernahme noch vereinbart worden. Grund sei die Unsicherheit unter den Mitarbeitern angesichts der permanenten Fusionsspekulationen gewesen. Beteiligte berichteten damals, der Bonus-Topf betrage 75 Prozent des Vorjahresvolumens und liege bei 400 Mio. Euro. Zudem seien für einzelne Beschäftigte Garantie-Zahlungen vereinbart worden, um diese an Bord zu halten und die Handlungsfähigkeit der Bank zu gewährleisten. Dieses Vorgehen war schon im Sommer harsch von Belegschaftsvertretern kritisiert worden.

Während die Commerzbank-Aktie gestern nach anfänglichen Kurssprüngen ihre Talfahrt fortsetze, gab es zumindest positive Signale von Standard & Poor's (S&P). Die Rating-Agentur urteilte, das Rettungspaket, in dessen Rahmen der Bund gut 25 Prozent an der Commerzbank übernimmt, gebe dem Geldhaus Zeit, um den Kauf der Dresdner Bank zu schultern.

Das erneute Engagement der Bundesregierung habe deutlich gemacht, dass die Commerzbank als zweitgrößtes Geldhaus Deutschlands systemrelevant sei. „Auch wenn wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht erwarten, dass es nötig ist, wäre gegebenenfalls weitere Unterstützung zu erhalten“, erklärten die Bonitätswächter.

S&P hob in der Folge den Rating-Ausblick – mit Ausnahme der Immobilientochter Eurohypo – auf „stabil“ von „negativ“ an. Eine kurzfristige Herabstufung ihrer Bonitätsnoten ist damit unwahrscheinlicher geworden. Mit einem „A“-Langfristrating kommt die Commerzbank auf die sechstbeste Note der 20-stufigen Rating-Skala von S&P. Die staatlichen Hilfen führen dazu, dass die Bank derzeit um mindestens eine Bonitätsstufe besser bewertet wird, als ohne Unterstützung.

Wie auch viele Marktteilnehmer blickt S&P skeptisch auf den Immobilienfinanzierer Eurohypo. Die Bedeutung von Staatsfinanzierung und Gewerbeimmobilien-Geschäft im Konzern werde vermutlich sinken, hieß es. Damit könnte ihr Status als Kernbereich verloren gehen. Dies sei auch der Grund für den weiter negativen Rating-Ausblick. Analysten gehen davon aus, dass in der Eurohypo nach wie vor erhebliche Risiken liegen. HB

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