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02.01.2012

10:45 Uhr

Übernahmen

Asiaten greifen nach deutschen Firmen

VonRobert Landgraf

Deutsche Unternehmen sind bei Investoren aus China und Japan heiß begehrt. Die heimischen Investmentbanker wittern bereits das große Geschäft. Doch schwierige Genehmigungsverfahren machen manchen Deal kompliziert.

Der chinesische Computerriese Lenovo hat bereits in Deutschland zugeschlagen und die Mehrheit an Aldi-Lieferant Medion gekauft. AFP

Der chinesische Computerriese Lenovo hat bereits in Deutschland zugeschlagen und die Mehrheit an Aldi-Lieferant Medion gekauft.

FrankfurtEs sind gleich mehrere Nachrichten aus dem Fernen Osten, die dieser Tage die Runde machen. Etwa die, dass China seinen Staatsfonds CIC mit zusätzlichen 50 Milliarden Dollar aufrüsten wolle, um in Europa auf Einkaufstour zu gehen. Oder die vom chinesischen Internethändler Alibaba, der ein Gebot für den angeschlagenen US-amerikanischen Internetkonzern Yahoo vorbereite; sogar Lobbyisten in Washington soll das Unternehmen bereits angeheuert haben. Offiziell bestätigt ist zwar noch keine der Nachrichten; es bleibt bislang beim Insiderwissen. Doch die Botschaft ist klar: China drängt in die Welt.

Aber nicht nur Chinesen, sondern auch die Japaner suchen immer häufiger nach Übernahmekandidaten in Europa, vorzugsweise in Deutschland. „Nach der Atomkatastrophe von Fukushima, angesichts niedriger Wachstumsraten in Japan und einer schrumpfenden Bevölkerung suchen japanische Unternehmen verstärkt Wachstumsmöglichkeiten im Ausland“, sagt Berthold Fürst, der das heimische Geschäft mit Fusionen und Übernahmen der Deutschen Bank leitet. Was für die Chinesen der nahezu unerschöpfliche Vorrat an Devisenreserven mit insgesamt 3,2 Billionen Dollar, ist für Japan derzeit seine ungemein starke Währung.

Der harte japanische Yen hilft bei Übernahmen

Seit längerem befindet sich der Yen auf einem Höhenflug; am vergangenen Freitag notierte er gegenüber dem Euro erstmals seit Juni 2001 unter der Marke von 100 Yen je Euro, genau bei 99,97 Yen. Die harte Währung helfe Japan bei Übernahmen, sagt Rainer Langel, Deutschlandchef des Investment-Banking des australischen Geldhauses Macquarie. Auf dem Euro dagegen lasten Schuldenkrise und die Furcht, Europa könnte erneut in eine Rezession rutschen. Neben ihrer starken Währung besitzen die japanischen Investoren aber noch einen weiteren Vorteil: billiges Geld. Zu Mini-Zinsen von weniger als einem Prozent können sie sich in der Heimat frisches Geld besorgen. Mit dem Ergebnis, dass „Japans Konzerne offener geworden sind für Investitionen in anderen Ländern“, sagt Langel. Immer häufiger fragten asiatische Unternehmen bei ihm an, die in Deutschland einkaufen wollen.

Zwar hatte die Japaner „keiner auf dem Radarschirm“, sagt Fürst, aber wie die Chinesen haben sie 2011 jeweils deutsche Unternehmen im Wert von rund einer Milliarde Dollar gekauft, darunter unter anderem den Autozulieferer TMD Friction. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kletterten die Investitionen aus China und Japan um 500 beziehungsweise rund 700 Prozent. In Zukunft dürfte es sogar noch deutlich mehr werden, schätzen Beobachter.

Kommentare (3)

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M.Deyanaron

02.01.2012, 11:21 Uhr

Vorsicht Europa.Gefährlich ist nicht die Techologieklau sondern die Kontrolle welche mit den neuen Eigentümer kommt.Wichtige Bereiche werden leiden weil sie nicht mit der Linie konform sind.

deltoid

02.01.2012, 11:27 Uhr

Zitat: "Der harte japanische Yen hilft bei Übernahmen" - das klingt nach aktiver Realitätsverweigerung. Es ist die EU-Weichwährung, die deutsche Firmen angreifbar macht. Der Ausverkauf nach Asien, insb. nach China geht erst los und der Michel steht daneben und klatscht auch noch Beifall.

Alfred

02.01.2012, 16:08 Uhr

Jede Währungsbeurteilung hat zwei Seiten,einmal die Wirkung
für die Binnenwirtschaft, einmal die Wirkung im Tauschhan-
del mit anderen Währungen für den realen Handel mit Gütern und Dienstleistungen.Während bisher mit einem riesigen Ge-
töse und großen Augen ausschließlich die überaus positive
Rolle eines niedrigen Wechselkurses durch die Marktschreier
"pro Euro" postuliert wird, so bleibt völlig außer Acht,
daß Importe und vor allem Rohstoffe aus anderen Wäh-
rungsräumen bezogen werden müssen. Deutschland und auch
die anderen Länder der Eurozone haben keine nennenswerte
Rohstoffvorkommen. Besonders Deutschland braucht für seine Produkte günstige Rohstoffe und eine preiswerte und sichere Energieversorgung.Rohstoffe wie Öl und Gas müssen
eingekauft werden. Fallende Eurokurse verteuern diese ab-
solut notwendigen Güter! "Dank" der populistischen Energie-
wende wird die zweite Komponente für unsere industrielle
Wertschöpfung, nämlich der Strombezug, unsicher und teu-
rer. Einen Vorgeschmack zeigt die Ölpreissteigerung von ca. 20% in 2011 nach dem Abschalten einiger Atom-Kraftwer-
ke.
Der nächste wichtige Punkt ist der Kauf oder Verkauf von
Unternehmen bzw. andere Beteiligungen. Wir dürfen uns daher nicht wundern, daß zunehmend Produktivkapital in
Deutschland durch ausländische Käufer übernommen wird, was
betriebswirtschaftlich o.k. ist, aber vokswirtschaftlich
Folgen hat. Der Käufer bestimmt die Firmenpolitik und auch die Verwendung des Gewinns.
Starke Volkswirtschaften haben hohe Wechselkurse, die aber dank der hohen Wettbewerbsfähigkeit unter dem Strich mehr
Vor- als Nachteile bieten. Der Euro "beschert" uns ein kurzes Strohfeuer durch Exporte, die wir jetzt durch die
Haftungsunion nachträglich selber finanzieren werden und einen Aufkauf unserer Industrie einhergehend mit einer stetigen Verschlechterung der wirtschaftlichen Basis.

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