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27.02.2012

10:22 Uhr

Übernahmen und Fusionen

Für Konzerne tickt die Uhr

VonRobert Landgraf, Peter Köhler

ExklusivDie Krise zeigt Wirkung: Europas Unternehmen trauen sich derzeit kaum Übernahmen zu. Doch das ist riskant, warnt Stephan Leithner von der Deutschen Bank. Die Firmen brauchen mehr Mut.

Stephan Leithner. PR

Stephan Leithner.

Seit über einem halben Jahr halten sich europäische Unternehmen nun schon zurück. Börsengänge sind Mangelware, und an Fusionen und Übernahmen trauen sich die Konzerne kaum heran. Das müsse sich ändern, meint Stephan Leithner von der Deutschen Bank: "Auf Dauer kann es die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gefährden, wenn Expansionsmöglichkeiten oder Akquisitionen nicht in Angriff genommen werden."

Der Österreicher Leithner hat beste Chancen, in den Vorstand aufzurücken, wenn zur Hauptversammlung im Mai der Inder Anshu Jain und der Deutsche Jürgen Fitschen an die Spitze der Deutschen Bank rücken und den Schweizer Josef Ackermann ersetzen. Bislang führt Stephan Leithner noch das Investment-Banking im Heimatmarkt und ist zugleich zuständig für Firmenkunden weltweit.

Ihn besorgt, dass in den ersten Wochen dieses Jahres groß angekündigte Übernahmen kleinlaut wieder abmoderiert wurden. Zum Beispiel der Verkauf der amerikanischen Telekom-Tochter T-Mobile an den Konkurrenten AT&T, mit einem Volumen von knapp 40 Milliarden Dollar die größte der geplanten Transaktionen. Anfang Januar scheiterte der Deal genauso wie die milliardenschwere Fusion von Deutscher Börse und New York Stock Exchange. In beiden Fällen hatten die Kartellbehörden Einspruch erhoben. Dagegen konnten Telekom-Chef René Obermann und Reto Francioni von der Deutschen Börse nicht viel ausrichten - sie zogen den Kürzeren.

Doch langsam keimt neue Hoffnung - auch bei Stephan Leithner. Der ehemalige McKinsey-Mann setzt auf das verbesserte Marktumfeld nach dem rekordreifen Anstieg des Dax von über zwölf Prozent seit Anfang des Jahres. "Das Vertrauen kommt angesichts der vielfach guten Jahresstarts der Unternehmen endlich wieder zurück", sagt der Banker.

Leithner macht zwar wenig Aufhebens um seine Person, gilt aber als effektiver Mann im Hintergrund: So brachte der begeisterte Skifahrer die Deutsche Bank im Geschäft mit Firmenkunden weltweit unter die größten fünf. In Deutschland zählt er zu den erfolgreichsten Strippenziehern der heimischen Wirtschaft. Bei Provisionseinnahmen ist der Deutschen Bank zu Hause kaum Platz eins in der Rangliste der am besten verdienenden Banken zu nehmen. So auch im vergangenen Jahr, als das Institut nach Berechnungen des Finanzdatenanbieters Thomson Reuters mit 254 Millionen Dollar über ein Fünftel mehr im Investment-Banking verdiente als die Nummer zwei, Goldman Sachs.

Wie sich die deutschen Banken finanzieren wollen

Pläne für die EBA

Bei sechs Deutschen Banken hatte die Europäische Bankenaufsicht Eba im vergangenen Jahr Lücken bei der Kapitalausstattung festgestellt, insgesamt rund 13 Milliarden Euro. Bis Ende Juni haben sie Zeit, das Geld zu beschaffen. Vergangenen Freitag mussten sie der Eba ihre Pläne vorlegen. Das Handelsblatt fasst zusammen, wie die Banken die fehlenden Milliarden auftreiben wollen.

Commerzbank.

Rund 5,3 Milliarden Euro fehlen der Commerzbank. Konzernchef Martin Blessing legte im Januar seine Pläne auf den Tisch. Er will sogar eine Milliarde Euro mehr beschaffen - aus eigener Kraft. Keine Staatshilfen, vorerst auch kein Geld von der Allianz. Knapp 60 Prozent des Fehlbetrags hat die Commerzbank schon reingeholt durch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im vierten Quartal 2011. Auf weitere 1,2 Milliarden hofft die Bank in den ersten beiden Quartalen 2012. Die Risikoaktiva seien bereits um 17 Milliarden Euro reduziert worden, was den Kapitalbedarf um weitere 1,6 Milliarden gesenkt habe, sagte Blessing.

Deutsche Bank.

Die Deutschen Bank braucht 3,2 Milliarden Euro. Bankchef Josef Ackermann will die Lücke mit einbehaltenen Gewinnen und dem Abbau von Risikopositionen schließen. Beobachter gehen davon aus, dass er die Vorgaben übererfüllen wird. Offiziell hält sich die Bank bis zur Bilanz-Pressekonferenz am 2. Februar bedeckt. Der mögliche Verkauf von großen Teilen des Asset Managements ist in den Berechnungen nicht berücksichtigt, auch nicht die geplante Veräußerung der BHF-Bank.

NordLB

Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) hat einen Kapitalisierungsbedarf von 2,5 Milliarden Euro. Rund 1,7 Milliarden Euro hat sie bereits beschafft; der größte Teil stammt vom Land Niedersachsen. Am Freitag berichtete die NordLB, dass sie ihr Kernkapital nochmals um bis zu eine Milliarde Euro stärken wird, um die noch offene Lücke von 820 Millionen Euro zu schließen. Die letzte Milliarde soll durch Wandlung Stiller Einlagen, Beteiligungsverkäufe und die Einbehaltung von Gewinnen hereingeholt werden.

Helaba.

Rund 1,5 Milliarden Euro fehlen der Landesbank. Bereits im Dezember 2011 wurde die Lücke geschlossen. Das Land Hessen hatte zu diesem Zwecke seine Stillen Einlagen über 1,92 Milliarden Euro in hartes Kernkapital gewandelt. Die Eba hatte dies bei ihren Stresstests damals aber noch nicht berücksichtigt. Plan erfüllt.

WestLB

Die Düsseldorfer sind ein Sonderfall. Zwar hat die Eba eine Kapitallücke von 224 Millionen festgestellt. Dieser Befund ist inzwischen aber völlig wertlos. Mit Zustimmung ihrer Träger und auf Geheiß von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia wird die angeschlagene Landesbank bis zum 30. Juni nicht nachkapitalisiert, sondern aufgelöst.

DZ Bank

353 Millionen Euro muss Bankchef Wolfgang Kirsch auftreiben. Er will dies tun, indem er ordentliche Gewinne erwirtschaftet - und diese dann einbehält.

Leithner baut auf ein besseres Marktumfeld - und darauf, dass sich eine Lösung für das griechische Schuldendilemma anbahnt. Zugleich hofft er, dass es auch in den anderen europäischen Krisenstaaten zu einer schrittweisen Beruhigung der Situation kommt. "Anfang April wird man einen frischen Blick auf die Banken werfen und beurteilen, wie sich die Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank auf deren Situation ausgewirkt hat", sagt er.

Die Rahmenbedingungen vor der nächsten Hilfsaktion der EZB in dieser Woche sind gut. Und auch Commerzbank-Chef Martin Blessing gelang es am vergangenen Donnerstag bei einer Pressekonferenz, Zweifel an der Zukunft des angeschlagenen Instituts aus dem Weg zu räumen. "Im zweiten Quartal gibt es gute Chancen für einen neuen Ton, dafür, Vertrauen wieder aufzubauen und den Stau an strategischen Themen in den Unternehmen aufzulösen", urteilt der Banker.

Kommentare (2)

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Gast

27.02.2012, 09:04 Uhr

Stimmt! Die Deutsche Bank ist mit einer Market Cap von rund 30 Mrd. billig wie eine Peanuts-Tüte. Da wirkt die Coba mit ihrer Market Cap von rund 10 Mrd. fast schon teuer. Aber wer kauft sich eine Erdnußtüte mit hohlen Nüssen?

Smitheros

27.02.2012, 13:38 Uhr

Ist mir durchaus klar warum er dieser Meinung ist. Wer nicht Fusioniert braucht keine Banker. Hier geht's einfach um seine Stelle. Die einzigen die bisher im M&A verdient haben, waren die Banken.

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