Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.04.2006

11:29 Uhr

Übernahmen zurückfahren

Goldman Sachs fürchtet Interessenkonflikte

Die Investmentbank Goldman Sachs will sich in Zukunft stärker um Interessenskonflikte zwischen dem klassischen Investment-Banking und dem Beteiligungsgeschäft kümmern. Nach Informationen aus Finanzkreisen forderte Goldman-Chef Hank Paulson seine Banker auf, sich in Zukunft bei direkten Beteiligungen an feindlichen Übernahmen eher zurückzuhalten.

mm/rob/tor LONDON. Goldman Sachs berät als Investmentbank nicht nur bei großen Fusionen und Übernahmen (M&A), sondern tritt als Beteiligungsgesellschaft (Private Equity) auch selbst direkt als Käufer auf. Paulson fürchtet, dass potenzielle Kunden für die M&A-Beratung durch die Beteiligung an feindlichen Übernahmen auf eigene Rechnung abgeschreckt werden könnten. Die Warnung des Vorstandschefs heiße allerdings nicht, dass Goldman unerwünschte Übernahmen kategorisch ausschließe, hieß es in Finanzkreisen. Es müsse nur sehr sorgsam und vorsichtig mit derartigen Offerten umgegangen werden.

Goldman-Sachs-Sprecher Lucas van Praag sagte am Dienstag, die Politik der Bank habe sich gar nicht verändert. „Wie setzen keine eigenen Investitionsmittel ein für Übernahmeversuche von börsennotierten Firmen. Aber wir werden weiterhin Kredite zur Verfügung stellen und unsere Kunden beraten“, betonte er.

„Aussagen wie die von Paulson zeigen, dass Goldman ein Identitätsproblem hat“, meint ein britischer Bankenanalyst. Längst verdiene die US-Bank mit dem Wertpapierhandel und dem Beteiligungsgeschäft weitaus mehr Geld als im klassischen Investment-Banking. Aus dieser Verschiebung ergäben sich immer wieder Interessenskonflikte.

Im ersten Quartal dieses Jahres steigerte Goldman den Nettogewinn um 64 Prozent auf das Rekordniveau von 2,5 Mrd. Dollar. Gleichzeitig stiegen die Nettoeinnahmen auf 10,3 Mrd. Dollar. Davon entfielen allerdings trotz des weltweiten Booms im M&A-Geschäft lediglich 1,5 Mrd. Dollar auf das klassische Investment-Banking.

Konkreter Auslöser für die Warnung von Goldman-Chef Paulson waren eine Reihe fehlgeschlagener Übernahmeversuche in Großbritannien. Zuletzt hatte der Flughafenbetreiber BAA eine Offerte der US-Bank abgelehnt. Auch mit den Geboten für die Associated Britisch Ports und den TV-Sender ITV scheiterte Goldman Sachs.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×