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10.01.2005

08:21 Uhr

Übernahmevorschlag für Londoner Börse beim Kartellamt angemeldet

Deutsche Börse drückt aufs Tempo

Die Deutsche Börse hat nach Angaben des Bundeskartellamts ihre Übernahmepläne für die Londoner Börse (LSE) bei den Wettbewerbshütern zur Prüfung vorgelegt. Das deutsche Behörden soll nun prüfen, ob im Falle einer möglichen Übernahme kartellrechtliche Bedenken bestehen könnten.

ali/pot/HB FRANKFURT/PARIS. Die Übernahmegespräche zwischen der Deutschen Börse und der LSE würden heute fortgesetzt, hieß es aus verhandlungsnahen Kreisen. Mitte Dezember hatten die Frankfurter der LSE einen Übernahmevorschlag für 1,95 Mrd. Euro gemacht. Wenig später bekundete auch die Vier-Länder-Börse Euronext Interesse an der Londoner Börse. Euronext-Chef Jean-Francois Theodore präsentierte am Freitag der LSE einen Übernahme-Entwurf. Über Einzelheiten der Gespräche wurde nichts bekannt.

Unklar blieb am Wochenende, ob Euronext vor einem offiziellen Angebot für die LSE eine Hauptversammlung einberufen muss, denn Euronext hat die Rechtsform einer Aktiengesellschaft niederländischen Rechts. Die Handelsblatt-Partnerzeitung „La Tribune“ schreibt in ihrer heutigen Ausgabe, dass Euronext vor der Abgabe eines Angebots seine Aktionäre in einer Hauptversammlung informieren muss; eine Abstimmung würde zu diesem Zeitpunkt nicht notwendig sein. Dagegen hieß es aus dem Euronext-Umfeld, dass erst nach der Abgabe eines Angebots innerhalb der Gültigkeitsperiode des Angebots eine Hauptversammlung einberufen werden müsse.

Die Bundesregierung begrüßte die Fusionspläne der Deutschen Börse. Das Finanzministerium sprach von einem „bemerkenswerten Vorgang, dass ein deutscher Marktteilnehmer“ einen europäischen Mitbewerber übernehmen wolle. Dies sei „Ausdruck der Stärke des Finanzplatzes Deutschland“. Die Bundesregierung würde es akzeptieren, wenn lediglich der Vorstand bestimmter Bereiche, nicht aber das gesamte Unternehmen seinen Sitz nach London verlegen würde.

Unterdessen sorgt sich der Betriebsrat um die Arbeitsplätze in Frankfurt. Zwar hatte Börsenchef Werner Seifert bereits Mitte Dezember bei einer Betricbsversammlung klar gestellt, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben und kein Mitarbeiter gegen seinen Willen nach London versetzt werde. Doch pocht der Betriebsrat auf den Erhalt des Firmensitzes in Frankfurt. Auch die von Seifert ins Auge gefasste Verlagerung des Managements von Aktienhandel und Termingeschäft nach London birgt nach Ansicht des Betriebsrates Risiken, da unklar sei, wie viele Jobs abwandern würden.

„Wir wollen die Übernahme nicht torpedieren, aber unsere Interessen müssen berücksichtigt werden“, heißt es in Betriebsratskreisen. Gerüchte, wonach 200 bis 300 Mitarbeiter nach London wechseln würden, dementiert die Börse: „Die Zahl ist an den Haaren herbeigezogen“. Finanzkreise gehen davon, dass deutlich weniger Jobs an die Themse verlagert würden. Der Sprecher verwies darauf, dass die Börse schon jetzt 100 Mitarbeiter in London beschäftigt. Sie sind vornehmlich im Marketing und in der Kundengewinnung tätig.

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