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25.01.2007

11:49 Uhr

„Überraschend, in der Konsequenz aber logisch“

Profumos Wortbruch

VonChristoph Hardt

Die Schockstarre in Bayerns Geldmetropole löst sich allmählich, man fügt sich in das wohl Unausweichliche. Die Mailänder Unicredit wird, wie am Dienstagabend verkündet, die traditionsreiche deutsche Tochter Hypo-Vereinsbank (HVB) und deren bisherige österreichische Tochter Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA) schon bald von der Börse nehmen.

Unicredit-Chef Alessandro Profumo. Foto: dpa

Unicredit-Chef Alessandro Profumo. Foto: dpa

MÜNCHEN. Damit unterstreicht Unicredit-Chef Alessandro Profumo dreierlei: Erstens die in seiner Heimat fast schon legendäre Fähigkeit, Fusionen schnell und entschlossen zu einem überwiegend positiven Ergebnis zu führen; zum zweiten, dass er es mit den Feinheiten dieser Prozesse mitunter nicht so ganz genau nimmt; und drittens, dass er immer wieder für Überraschungen gut ist. Schließlich ist es erst wenige Wochen her, dass Profumo den Aktionären der HVB auf der Hauptversammlung versicherte, ein Squeeze-out, also ein Zwangsausschluss der Aktionäre, sei nicht geplant.

„Überraschend, in der Konsequenz aber logisch“ war die fast einhellige Reaktion von Betroffenen, ob hochrangige Mitarbeiter, Arbeitnehmervertreter oder Unternehmenssprecher. Mit der Entscheidung selbst hatten fast alle gerechnet, der Zeitpunkt aber traf die HVB unvorbereitet. „Es ist schon auffällig, dass Herr Profumo noch nicht einmal eine Schamfrist einhält“, äußerte Daniela Berdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz vorsichtige Kritik. Selbst in Bankkreisen wurde Kritik an der Kommunikationsstrategie aus Mailand laut. „Man hätte die Investoren vorwarnen müssen“, hieß es.

HVB-Vorstandschef Wolfgang Sprißler warb um Verständnis: Der Squeeze-Out sei die logische Konsequenz der Fusion, sagte er dem Handelsblatt. Für die Struktur der Bank und die personelle Aufstellung der HVB habe die Entscheidung dabei aus heutiger Sicht keine Auswirkungen. Intern aber würden die Abstimmungsprozesse beschleunigt, das werde sich sogar im Alltagsgeschäft auszahlen. „Bei aller betriebswirtschaftlichen Folgerichtigkeit aber hat die Tatsache, dass sich die HVB von der Börse verabschieden muss, für uns alle auch eine emotionale Komponente“.

Auch Aufsichtsratskreise der HVB suchten die Wirkungen des überraschenden Beschlusses im Unicredit-Verwaltungsrat herunterzuspielen. Für die Organisation der Bank habe der Squeeze-out keine Bedeutung, es sei unerheblich, ob Unicredit 94 oder 100 Prozent an der HVB halte. So bleibe die AG samt Vorstand zumindest bis 2010 unangetastet, hier sei Unicredit vertraglich gebunden, hier stehe auch Profumo im Wort. Auch sei nicht damit zu rechnen, dass der Vorstoß Auswirkungen auf interne Strukturen – etwa auf Stabsabteilungen der HVB haben werde. Für die Mitbestimmungsgremien gelte ebenfalls, dass alles beim Alten bleibe.

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