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29.04.2013

21:20 Uhr

Überraschende Kapitalerhöhung

Deutsche Bank legt sich dickes Polster zu

Jürgen Fitschen und Anshu Jain gehen in die Offensive: Die Deutsche Bank hat eine Kapitalerhöhung beschlossen. Damit will die Bank das Eigenkapital stärken. Die Quartalszahlen fallen überraschend gut aus.

Kapitalerhöhung

Deutsche Bank sammelt Geld ein

Kapitalerhöhung: Deutsche Bank sammelt Geld ein

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FrankfurtDie Deutsche Bank will nach einem überraschend großen Gewinnsprung fast drei Milliarden Euro am Kapitalmarkt einsammeln. Mit dem Schritt bringt sich Deutschlands größtes Geldhaus im weltweiten Wettlauf um die höchsten Kapitalquoten in die Spitzengruppe. Die beiden Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen können die Investoren mit einem satten Milliardengewinn im ersten Quartal locken. Das Sparprogramm schlägt sich allmählich in den Ergebnissen nieder.

De facto über Nacht sollen bis zu 90 Millionen Aktien an neue Investoren ausgegeben werden, um die von Experten als zu dünn kritisierte Kapitaldecke aufzupolstern. Immer wieder hatten Analysten den Finger in diese Wunde gelegt - jetzt setzen Jain und Fitschen zum Befreiungsschlag an, auch um den Aktionären wieder höhere Dividenden zahlen zu können.

Die Klage-Chronik der Deutschen Bank – Teil 1

Diverse Klagen

Mutmaßliche Bilanztricksereien, Hypothekenklagen, Zinsmanipulationen, der Kirch-Streit - die Deutsche Bank muss noch eine ganze Reihe von potenziell sehr teuren Altlasten aufarbeiten. Eine Übersicht über die Vorwürfe und Verfahren seit Anfang 2011, von denen einzelne bereits abgeschlossen sind.

22. März 2011

Der Bundesgerichtshof gibt der Deutschen Bank eine schallende Ohrfeige: Sie muss an einen hessischen Mittelständler mehr als eine halbe Million Euro Schadenersatz zahlen. Diesen Betrag hatte der Kläger mit einem komplizierten Zinsswap-Geschäft verloren, das die Bank nach Auffassung des BGH „bewusst zulasten des Anlegers“ konstruiert hatte. In der Folge einigt sie sich mit zahlreichen Kommunen und Unternehmen nach Angaben von Anwälten auf Vergleiche.

13. April 2011

In den US-Untersuchungen zur Rolle der Wall Street in der Finanzkrise erhebt ein Senatsausschuss schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bank und Goldman Sachs. Der Deutschen Bank wird vorgeworfen, umstrittene Finanzprodukte aufgelegt zu haben. Sie habe unter anderem einen milliardenschweren verbrieften Hypothekenkredit (CDO) namens „Gemstone 7“ geschnürt und verkauft, bevor der Markt abstürzte. Dabei habe der zuständige Händler gewusst, dass das Paket minderwertige Assets enthalte.

29. April 2011

Die EU-Wettbewerbshüter knöpfen sich den Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) vor, mit denen sich Investoren und Spekulanten gegen Pleiten von Staaten und Firmen absichern. Die Kartellermittlungen richten sich gegen 16 Investmentbanken, darunter die Deutsche Bank. Im weiteren Verlauf der Ermittlungen (2013) wird von den deutschen Häusern zunächst nur die Commerzbank vom Haken gelassen.

4. Mai 2011

Die Deutsche Bank bestätigt, dass die Stadt Los Angeles eine Klage gegen das Institut im Zusammenhang mit umstrittenen Zwangsräumungen eingereicht hat. Die Bank sei über Tochterunternehmen einer der größten „Slumlords“ der Millionenmetropole, heißt es in der Klageschrift, die Entschädigungszahlungen von mehreren hundert Millionen Dollar nach sich ziehen könnte. Sie habe Hunderte Anwesen verfallen lassen und Menschen zu Unrecht aus ihrem Heim vertrieben. Nach Angaben des Instituts wurde die Klage inzwischen abgewiesen. Ob die Stadt in Berufung geht, ist aber weiterhin offen.

2. September 2011

Die US-Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) verklagt 17 Banken wegen umstrittener Hypothekengeschäfte, darunter die Deutsche Bank. Die Behörde wirft ihnen vor, beim Verkauf von mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren falsche Angaben gemacht zu haben. Der Klageschrift zufolge werden finanzielle Schäden auf Hypotheken-Anleihen über insgesamt fast 200 Milliarden Dollar geltend gemacht - davon entfallen mehr als 14 Milliarden auf die Deutsche Bank. Das Geldhaus weist die Vorwürfe als unbegründet zurück.

5. September 2011

Laut „Financial Times“ nehmen britische Behörden von der Deutschen Bank und anderen Instituten zusammengestellte Wertpapiere wegen Betrugsverdachts unter die Lupe. Die Untersuchung des Serious Fraud Office soll Beweise dafür liefern, dass die Banken ihren Kunden beim Verkauf von forderungsbesicherten Wertpapieren in Großbritannien falsche Informationen geliefert hätten. Die Ermittlungen sind schwierig, da die Behörde den Instituten Betrugsabsicht nachweisen müsse.

14. November 2011

Die Staatsanwaltschaft München lässt Vorstandsbüros und die Rechtsabteilung im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess durchsuchen. Gegen den damaligen Vorstandschef Josef Ackermann werde wegen des Verdachts auf Prozessbetrug ermittelt. Auch gegen den damaligen Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Ex-Vorstandschef Rolf Breuer und den früheren Personalchef Tessen von Heydebreck werde ermittelt. Die Bank und die Betroffenen halten die Beschuldigungen für haltlos und das Vorgehen der Staatsanwaltschaft für unverhältnismäßig.

19. November 2011

Die Pleite der US-Finanzfirma MF Global hat für die Deutsche Bank ein juristisches Nachspiel. Zwei US-Pensionsfonds verklagen Abteilungen des Frankfurter Instituts sowie sechs weiterer Geldhäuser, die MF bei der Erstellung von Anleihe-Angeboten unterstützt haben. Die Kläger werfen ihnen vor, in den Prospekten Probleme verschwiegen zu haben, die zum Kollaps des Brokerhauses geführt haben. Mit der Klage nehmen die Fonds finanzstarke Institute ins Visier, um ihre Verluste nach dem MF-Global-Zusammenbruch auszugleichen.

21. Dezember 2011

Sechs Händler werden wegen eines 230 Millionen Euro schweren Umsatzsteuerkarussells mit CO2-Verschmutzungszertifikaten in Frankfurt zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Handel wurde über die Deutsche Bank abgewickelt. Unter den 170 Beschuldigten im Visier der Staatsanwaltschaft sind auch sieben Mitarbeiter der Bank. Gegen sie gibt es noch keine Anklagen, die Bank hat aber 310 Millionen Euro Umsatzsteuerforderungen aus dem CO2-Handel abgeschrieben.

Der Vorsteuergewinn kletterte um 28 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro, wie die Deutsche Bank am Montagabend mitteilte. Rund 80 Prozent steuerte das Investmentbanking bei. Analysten hatten im Schnitt nur 1,7 Milliarden Euro erwartet. Exakt so viel verdiente das Institut nun nach Steuern. „Wir sind stolz darauf, was die Bank im ersten Quartal 2013 erreicht hat“, erklärten Jain und Fitschen. „Wir haben robuste Ergebnisse erzielt, mit einem substanziellen Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahresquartal.“

An die US-Großbanken reichen die Frankfurter beim Gewinn nicht heran. Erzrivale JP Morgan etwa hatte im Auftaktquartal einen Rekordgewinn von 6,5 Milliarden Dollar eingefahren und selbst die lange Zeit kriselnde Citigroup schaffte 3,8 Milliarden Dollar.

Wie bei den US-Banken zeigte sich auch bei der Deutschen Bank im Kerngeschäft Investmentbanking ein gemischtes Bild, obwohl das erste Quartal traditionell das stärkste ist: Mit einem Vorsteuergewinn von 1,9 Milliarden Euro trat der hiesige Branchenprimus hier im Jahresvergleich auf der Stelle. Rund lief es im Aktienhandel und im Beratungsgeschäft, rückläufig waren dagegen die Erträge im Anleihehandel.

Im Privatkundengeschäft legte die Bank indes dank sinkender Risikovorsorge am Heimatmarkt deutlich zu, der Vorsteuergewinn lag bei knapp 500 Millionen Euro. Und die Vermögensverwaltung, die größte Baustelle im Konzern, sammelte wieder neue Kundengelder ein und konnte den Gewinn trotz hoher Kosten stabil bei gut 200 Millionen Euro halten.

Klage in den USA: Deutsche Bank als „Slumlord“ vor Gericht

Klage in den USA

Deutsche Bank als „Slumlord“ vor Gericht

Los Angeles hofft in einem Streit mit der Deutschen Bank auf Entschädigungszahlungen.

Großer Ergebnistreiber im Konzern war die interne Bad Bank, in der das Nicht-Kerngeschäft gebündelt und abgebaut wird. Sie reduzierte den Verlust deutlich. Offenbar konnte die Bank Wertpapiere ohne allzu großen Abschlag verkaufen. Das Institut sprach von „günstigen Marktbedingungen“.

Kommentare (24)

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Shareholder

29.04.2013, 19:18 Uhr

Irgendwie müssen ja die hohen Boni für Vorstand und Manager bezahlt werden. Eine Kapitalerhöhung ist da genau das richtige.

Vorstandsgehälter sollten an eine nachhaltige Unternehmenspolitik und Boni sich am Durchschnittswert des Aktienkurses der letzten 7 Jahre orientieren. Das gleiche Prinzip muss auch für Pensionsverpflichtungen gelten! Die Zeiten in denen sich Unternehmenslenker auf Kosten der Aktionäre bedienen, muss endgültig beendet werden. Die Aktionärsversammlung sollte die Boni-Praxis der Deutschen Bank ausgiebig durchleuchten.

Cassandra

29.04.2013, 19:26 Uhr

Existzenzbedrohend - die vollkommen unfassbare und immer länger werdende Liste an Klagen verschlingt das letzte viel zu geringe Eigenkapital. Jetzt dürfen die Aktionäre die Schäden dieser Machenschaften bezahlen. Der immaterielle Schaden an der Unternehmensreputation und der gesamten Branche ist sowieso nicht mehr gut zu machen.

Ulrich_Loose

29.04.2013, 19:43 Uhr

Irgendwas stimmt an der Meldung nicht.

Wie soll bei eigenen Aktionären ohne Bezugsrecht eingesammelt werden, wenn in anderen Pressemeldungen anders formuliert wird?

Die für 2012 voll dividendenberechtigten Aktien werden in einer Privatplatzierung institutionellen Anlegern angeboten.

Für die Bestandsaktionäre bleibt also diesmal nur die Verwässerung seiner Investition.

Aber im Grunde ist das auch schon egal - so langsam ist die DB wohl beim Wohlgesinntesten unten durch.

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