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29.09.2016

17:43 Uhr

Überwachung der Finanzaufsicht

Mitlauschen gegen krumme Praktiken

VonKatharina Slodczyk

Die britische Finanzaufsicht will im Kampf gegen den Insiderhandel strengere Regeln für Banker. In bestimmten Fällen sollen Telefongespräche abgehört und Mails gelesen werden können – zum Wohle der Transparenz.

Ein Banker telefoniert vor einem Pub in London. Wird er bald dabei abgehört? Reuters

Banker in London

Ein Banker telefoniert vor einem Pub in London. Wird er bald dabei abgehört?

LondonEs ist eine Klage, die der britische Ombudsmann für die Finanzbranche offenbar besonders häufig zu hören bekommt: Beim Kauf von Anlageprodukten fühlen sich Privatkunden schlecht beraten und in riskante Investitionen gedrängt. Darauf will die britische Finanzaufsicht FCA reagieren und die Überwachung von Telefongesprächen auf Berater ausdehnen, die Finanzprodukte an den Mann bringen. Das hat die Behörde in einem am Donnerstag veröffentlichten Diskussionspapier vorgeschlagen. Man gehe davon aus, dass dieses Vorgehen helfen werde, den Verbraucherschutz zu verbessern, heißt es darin.

In dem Diskussionspapier geht die FCA aber auch auf andere Marktsegmente ein und schlägt beispielsweise im Kampf gegen Insiderhandel schärfere Regeln für Bankmitarbeiter vor. Auch deren Telefonate und E-Mails sollen in bestimmten Fällen überwacht und aufgezeichnet werden – etwa wenn sie Firmenkunden bei Kapitalerhöhungen oder Fusionen beraten.

Mit wem reden Sie über Ihr Geld?

Mit meinem Partner

Offen über die eigene finanzielle Situation zu reden, gilt für viele Deutsche als verpönt. Die Höhe des Gehalts geht niemanden etwas an – bis auf den eigenen Partner. Rund 59 Prozent geben in einer Umfrage von „Yougov“ an, dass sie mit ihrer besseren Hälfte über das eigene Geld reden.

Mit meinen Eltern

Doch schon bei Mama und Papa hört es für die meisten auf. 29 Prozent sagen, dass die eigenen Eltern über die finanzielle Situation Bescheid wissen dürfen.

Mit Freunden

Ähnlich verhält es sich bei den engeren Vertrauten. 28 Prozent der Befragten tauschen sich mit ihren Freunden über Gehälter aus.

Mit Verwandten (z.B. Kinder, Onkel, Tanten)

Der größere Familienkreis darf nur für weniger als ein Viertel der Befragten über das eigene Geld Bescheid wissen – 23 Prozent.

Mit Arbeitskollegen

Brisant wird es bei den eigenen Arbeitskollegen. Gehälter vergleichen nur rund sieben Prozent der Befragten.

Mit Bekannten

Ebenfalls sieben Prozent befinden, dass man die eigene finanzielle Situation auch mit flüchtig Bekannten teilen kann.

Mit niemandem

Jeder Siebte hat laut der Befragung niemanden, dem man sich in der Frage des Geldes anvertrauen kann. 14 Prozent behalten ihr Gehalt für sich.

Hintergrund all dieser Vorschläge ist die Umsetzung der neuen EU-Wertpapierrichtlinie Mifid II, die den Finanzmarkt transparenter und effizienter machen soll. Die neuen Vorgaben sollen ab Januar 2018 gelten. 

Nach einer Studie der Experten von IHS Markit wird es die Finanzbranche im nächsten Jahr voraussichtlich mehr als zwei Milliarden Dollar kosten, Mifid II vorzubereiten. Die Autoren der Studie warnen allerdings, dass einige Finanzunternehmen dabei recht langsam vorgehen. Das Tempo, in dem sich Investmentbanken und Fondsmanager auf die Änderungen einstellten, sei sehr unterschiedlich. Während einige Anbieter die neuen Regeln bereits umsetzten, seien einige ihrer Konkurrenten noch in der Planungsphase.

Mit den jetzt bekannt gewordenen Vorschlägen zu Mifid II geht die FCA teilweise weiter, als es Brüssel bei den neuen Finanzregeln vorsieht. Die britische Finanzbranche kann jetzt bis Anfang nächsten Jahres reagieren. Die FCA hat in erster Linie kleinere Finanzfirmen dazu aufgefordert: „Wir sind vor allem bei kleineren Finanzberatungsgesellschaften offen, alternative Herangehensweisen zu prüfen, die den Verbraucherschutz auf einem ähnlichen Niveau garantieren, aber mit niedrigeren Kosten für die Firmen verbunden sind“, heißt es.

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Die britische Finanzaufsicht verfolgt auch eine strengere Linie, wenn es um den künftigen Vertrieb und das Bezahlen von Analystenresearch durch Fondsmanager geht. Diese decken das bisher durch die Gebühren ab, die sie Investmentbanken für den Aktienhandel überweisen. Die Studien gibt es daher im Prinzip kostenlos. Künftig müssen Fondsmanager dafür ein separates Konto einrichten.

Die FCA fordert bei dem Thema nicht nur eine transparente Gebührenstruktur, so dass die Endkunden wissen, wie viel Geld Fondsmanager für Studien ausgeben. Die Aufseher fordern auch, dass die Qualität dieser Analysen bewertet wird und sie nur in Anspruch genommen werden, wenn sie wirklich helfen, die Investitionsentscheidungen der Fondsmanager zu verbessern. Die britische Behörde erhofft sich davon am Ende vor allem eines: Die Geldanlage soll für den Endkunden mit niedrigeren Ausgaben verbunden sein.

Von den neuen Regeln wollen auch Start-ups profitieren, die Researchplattformen betreiben. Analysten können dort ihre Studien anbieten und Fondsmanager diese gezielt kaufen. Die FCA habe wenig Spielraum und statt dessen sehr deutlich gemacht, dass sich „die bisherige Bezahlpraxis für Research ab 2018 ändern muss“, sagt Vicky Sanders, Mitgründerin der Plattform RSRCHXchange. Die Ära des kostenfreien Research nähere sich dem Ende.

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