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27.12.2013

12:17 Uhr

Umbau des Privatkundengeschäfts

Commerzbank verbreitet Optimismus

Der Umbau und die Neuausrichtung der teilverstaatlichten Commerzbank scheinen sich auszuzahlen: Das operative Ergebnis im Privatkundengeschäft sei besser als erwartet. Die Stimmung ist so gut wie lange nicht.

Optimismus bei der Commerzbank: „Jetzt sind wir wieder in vielen Bereichen der Innovationsführer der Branche“, sagt Privatkundenvorstand Martin Zielke. dpa

Optimismus bei der Commerzbank: „Jetzt sind wir wieder in vielen Bereichen der Innovationsführer der Branche“, sagt Privatkundenvorstand Martin Zielke.

FrankfurtDie Commerzbank sieht nach Jahren voller Rückschläge erste Erfolge beim Umbau des Privatkundengeschäfts. „2013 war ein echter Schritt nach vorne“, sagte Privatkundenvorstand Martin Zielke der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Bank sei gewachsen, habe die Wettbewerbssituation verbessert, und das operative Ergebnis sei besser als erwartet.

„Der Umbau und die vor zwei Jahren begonnene Neuausrichtung der Bank zahlen sich aus“, sagte Zielke. Das Institut habe nach der Übernahme der Dresdner Bank 2008 und der Beschäftigung mit vielen internen Problemen ihre Vorreiterrolle verloren. „Diese haben wir jetzt wieder zurückerobert. Jetzt sind wir wieder in vielen Bereichen der Innovationsführer der Branche - etwa bei unseren Depotmodellen oder der Baufinanzierung.“

Nachholbedarf hat sie aber weiterhin im Onlinegeschäft. Das will der 50 Jahre alte Manager im kommenden Jahr ändern. „Wir erneuern 2014 unseren Online-Auftritt und werden bis Ende des Jahres neben einer Filialbank alles bieten, was auch eine starke Direktbank hat.“

Angst, damit der eigenen Tochter Comdirect das Wasser abzugraben, hat Zielke nicht. Diese richte sich an eine begrenzte Zielgruppe, die keine Filiale mehr brauche. Der Großteil der Bankkunden wolle aber beides. Für diese verbessere die Commerzbank das Zusammenspiel von Online-Banking und direkter Beratung. „Wir werden an unserer Zwei-Marken-Strategie festhalten. Damit halten wir Angebote für zwei unterschiedliche Kundengruppen bereit - und beide Marken wachsen.“

In den ersten zehn Monaten baute der von Zielke verantwortete Bereich die Zahl der Kunden um rund 200 000 aus, davon 140 000 in der Filialbank, der Rest bei Comdirect. In den ersten drei Quartalen hatte der Bereich operativ 165 Millionen Euro verdient. Ursprünglich hatte das Institut in der Sparte im Gesamtjahr nur ein ausgeglichenes Ergebnis erwartet.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die Commerzbank lockt - zum Ärger von Sparkassen und Genossenschaftsbanken - mit einem kostenlosen Girokonto. Das lohne sich, sagte Zielke. „Wir verdienen schon im ersten Jahr Geld mit unseren neuen Kunden mit viel Potenzial für weitere Geschäfte.“

Die Commerzbank nimmt auch mit kleinen Unternehmen und Freiberuflern eine weitere Zielgruppe stärker ins Visier. „Der Anteil der Geschäftskunden, die eine Hausbankbeziehung mit uns haben, ist ausbaufähig“, sagte Zielke. Derzeit nutzten gerade einmal acht Prozent der knapp 3,8 Millionen Geschäftskunden in Deutschland sein Haus als erste Anlaufstelle für Bankgeschäfte. Diesen Anteil will Zielke bis 2016 auf rund 15 Prozent ausbauen. Geschäftskunden sind bislang eine Domäne von Sparkassen und Volksbanken.

Zum Kundenwachstum trug auch die massive Werbekampagne bei. In dieser gibt sich die Commerzbank geläutert von den Verfehlungen der Branche aus der Zeit vor der Finanzkrise. „Wir kämpfen um das Vertrauen der Kunden“, sagte Zielke. Dafür habe das Institut auch seine Beratung umgebaut.

Gelassen gibt sich Zielke angesichts der immer härter werdenden Konkurrenz von Banken aus dem Ausland. „Deutschland ist mit seiner Wirtschaftsstärke der attraktivste Markt für Banken in Europa“, erklärte der Manager. „Es ist klar, dass viele ausländische Konkurrenten hier gern vertreten sein würden.“ Allerdings sei es auch ein sehr schwieriger Markt. „Wir sind die, die diesen Markt sehr gut kennen. Das ist eine glänzende Position für uns.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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max

27.12.2013, 11:52 Uhr

"Diese haben wir jetzt wieder zurückerobert. Jetzt sind wir wieder in vielen Bereichen der Innovationsführer der Branche - etwa bei unseren Depotmodellen oder der Baufinanzierung.“ Beeindruckende Selbstwahrnehmung - Girokonto und Depotmodell von der eigenen Tochter kopiert. Baufinanzierung von der Hypovereinsbank kopiert. Wenn das Innovation ist, dann gute Fahrt.

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