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23.06.2016

19:10 Uhr

Umbau und Filialschließungen

Deutsche Bank streicht weniger Stellen als geplant

Schon unter John Cryans Vorgängern Anshu Jain und Jürgen Fitschen hat die Deutsche Bank einen massiven Stellenabbau beschlossen. Nun stimmt der Deutsche-Bank-Chef seine Angestellten auf mildere Pläne ein.

Ursprünglich sollten 4000 Stellen in Deutschland wegfallen – nun sind es noch 3000. Reuters

Deutsche Bank in Frankfurt

Ursprünglich sollten 4000 Stellen in Deutschland wegfallen – nun sind es noch 3000.

FrankfurtDie Deutsche Bank dünnt ihr Filialnetz in Deutschland nicht ganz so stark aus wie angekündigt. Bis Ende nächsten Jahres soll die Zahl der Zweigstellen um 188 auf 535 sinken, wie Deutschlands größtes Geldhaus am Donnerstagabend mitteilte. Das Institut will zudem sieben Beratungscenter einrichten, die über die klassischen Öffnungszeiten hinaus für Kunden erreichbar sein sollen – vermutlich auch an einem Tag am Wochenende. Durch den Umbau werden im Privat- und Firmenkunden-Geschäft der Bank in Deutschland rund 2500 Vollzeitstellen wegfallen – das ist etwa jeder siebte Arbeitsplatz. „Dieser Abbau ist schmerzlich, denn dahinter stehen viele Einzelschicksale“, schrieb Vorstandschef John Cryan an die Mitarbeiter. „Aber wir müssen unsere Kosten senken und dabei gleichzeitig unsere Arbeit neu organisieren.“

Die Bank wollte ihr Netz ursprünglich auf rund 500 Filialen ausdünnen, hat sich nach monatelangen Verhandlungen mit dem Betriebsrat aber auf eine höhere Zahl verständigt. Gestrichen werden vor allem Zweigstellen in Großstädten, allen voran in Berlin, sowie in ländlichen Regionen, in denen die Bank wenig Potenzial sieht. Welche Filialen genau betroffen sind, erfahren die Mitarbeiter spätestens am Freitag. Die ersten Standorte sollen Ende dieses Jahres geschlossen werden, der größte Teil jedoch erst im ersten Halbjahr 2017. Die Kosten für den Umbau hat das Frankfurter Geldhaus bereits in seiner Bilanz für 2015 verbucht.

Cryan hatte im Oktober angekündigt, konzernweit 9000 Stellen zu streichen, davon 4000 im Inland. Mit dem Betriebsrat geeinigt hat sich die Bank nun auf den Abbau von 3000 Stellen in Deutschland – nicht nur im Privat- und Firmenkundengeschäft, auch in der Transaktionsbank, der Vermögensverwaltung und dem Finanz- und Servicebereich.

Stellenabbau-Pläne europäischer Großbanken

Barclays

Derzeit: 132.300 Mitarbeiter

Abgebaut werden: 19.000 Stellen bis 2016

Bei Barclays waren zunächst 30.000 Stellen im Gespräch, die wurden jedoch nicht bestätigt. Der Plan sieht vor 19.000 Stellen bis 2016 zu streichen.

Credit Suisse

Derzeit: 140.000 Stellen

Abgebaut werden: 19.000 Stellen

Deutsche Bank

Derzeit: 103.000 (nach geplanter Festeinstellung externer Kräften)

Abgebaut werden: 26.000 Stellen (ein Großteil durch Verkauf der Postbank)

HSBC

Derzeit: 259.834 Mitarbeiter

Abgebaut werden: 50.000 Stellen bis 2017

Standard Chartered

Derzeit: 84.000 Mitarbeiter

abgebaut werden: 15.000 Stellen

Unicredit

Derzeit: 146.600 Mitarbeiter

Abgebaut werden: 18.200 Stellen, 6.000 davon durch die Abspaltung der Fondsgesellschaft Pioneer und den Verkauf der Ukraine-Tochter

Der Konzernbetriebsrat erklärte, er stehe dem Stellen- und Filialabbau weiterhin skeptisch gegenüber. Es sei aber gelungen, Härten für die Mitarbeiter abzumildern. In der Privatkunden-Sparte fielen rund 300 Arbeitsplätze weniger weg als geplant, auch in den anderen Bereichen falle der Abbau geringer aus. 200 Arbeitsplätze würden nicht nach Warschau verlagert, sondern verblieben im Inland. Das Management habe zugesichert, Kündigungen „wenn irgend möglich“ zu vermeiden. „Wir hätten uns gewünscht, dass der Umbau in einem moderateren Prozess über längere Zeit hätte gestreckt werden können“, schrieb Gesamtbetriebsratschef Alfred Herling. Reuters hatte bereits am Mittwoch über die Einigung mit dem Betriebsrat über die Details berichtet.

Die verbleibenden Filialen will die Deutsche Bank durch Investitionen auf Vordermann bringen. Besonders im Geschäft mit Mittelständlern und mit Privatkunden mit einem Vermögen zwischen 500.000 und zehn Millionen Euro will sie der Konkurrenz Marktanteile abnehmen. Für das Geschäft mit wohlhabenden Kunden will die Bank 100 Berater einstellen, für das Mittelstandsgeschäft rund 140. In digitale Produkte und Beratung sollen bis 2020 rund 750 Millionen Euro fließen.

Die Verhandlungen über die Filialschließungen hatten sich „furchtbar lang“ hingezogen, wie Vorstandschef Cryan kürzlich einräumte. Die Bank hatte die Ausdünnung bereits im April 2015 beschlossen – noch unter den Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Wirklich Fahrt aufgenommen haben die Verhandlungen mit dem Betriebsrat jedoch erst Anfang des Jahres. Die Unsicherheit, wo gekürzt wird, sorgte in der Belegschaft für miese Stimmung. Arbeitnehmervertreter sprachen von einem „quälenden Prozess“. Da immer mehr Kunden ihre Geschäfte online abwickeln, machen auch andere Geldhäuser Zweigstellen dicht. Die HypoVereinsbank hat bereits die Hälfte ihrer Filialen aufgegeben.

Über die Streichung von rund tausend weiteren Stellen in Deutschland – in Bereichen wie IT und Kommunikation – will das Deutsche-Bank-Management mit den Arbeitnehmervertretern nun in zwei Etappen bis zum Jahresende verhandeln. „Ein Prozess, der allen Seiten gerecht werden soll, braucht eine gewisse Zeit“, erklärte Cryan. „Wir arbeiten aber entschlossen daran, dass für alle so bald wie möglich klar wird, wie es weitergeht.“

Von

rtr

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