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08.06.2015

17:47 Uhr

Umbruch bei der Deutschen Bank

Was wird aus Jains Vertrauten Fan und Faissola?

Austausch der Führungsriege? Das plötzliche Ende der Amtszeit von Anshu Jain als Chef der Deutschen Bank könnte weitere tiefgreifende Veränderungen nach sich ziehen? Unklar ist, was aus seinen engsten Vertrauten wird.

Sein plötzlicher Abgang aus der Führungsriege der Deutschen Bank könnte weitere Wechsel befeuern. Reuters

Anshu Jain

Sein plötzlicher Abgang aus der Führungsriege der Deutschen Bank könnte weitere Wechsel befeuern.

Anshu Jains plötzlicher Abgang bei der Deutschen Bank könnte ein Vorzeichen für weitere Veränderungen in der Führungsriege sein. Informierte Personen sehen das Risiko, dass Colin Fan, Leiter der Wertpapiersparte, und Wealth- Management-Chef Michele Faissola wegen ihrer engen Verbindungen zum scheidenden Co-Vorstandschef Jain die Bank verlassen könnten. Fan und Faissola antworteten nicht auf Anfragen, eine Sprecherin der Deutschen Bank in London lehnte einen Kommentar ab.

Die Investmentbank, die dank Jains Mithilfe zu einer der größten weltweit aufgestiegen war, litt während seiner dreijährigen Amtszeit zunehmend unter Untersuchungen der Aufsichtsbehörden und Rechtsstreitigkeiten wegen Themen, die von Zinssatzmanipulationen bis hin zu Geldwäschevorwürfen reichen. Jains Nachfolger

John Cryan werde einige der Führungspositionen wohl mit eigenen Leuten besetzen, sagt John Purcell, CEO der Londoner Personalberatung für Führungskräfte Purcell & Co. „Ein Abgang von Fan und Faissola scheint unvermeidlich”, so Purcell. „Nicht weil sie nicht kompetent oder zuverlässig wären, sondern weil sie mit der draufgängerischen Herrschaft von Jain in Verbindung gebracht werden.”

Die internationale Presse zum Deutsche-Bank-Umbau

„Neue Zürcher Zeitung“ (Schweiz)

Will man einen Teich trockenlegen, sollte man besser nicht die Frösche um Rat fragen. Diese alte Weisheit scheint der Aufsichtsrat der Deutschen Bank befolgt zu haben, als er am Sonntag John Cryan zum neuen operativen Chef der Bank gewählt hat. Aufräumen muss ein Neuer, einer, der sowohl innerhalb der Bank wie auch außerhalb, bei Aktionären und in der Öffentlichkeit, glaubwürdig für frischen Wind sorgen kann. Cryan erfüllt dieses Kriterium zumindest insofern, als er nicht dem Investment-Banking-Sumpf der Deutschen Bank entstammt. Auf ihn kommt viel Arbeit zu, denn der Teich, der die „Deutsche“ in Verruf gebracht hat, ist noch nicht trockengelegt - die meisten Frösche sind noch da.

„Times“ (Großbritannien)

Mitten im Kampf der Deutschen Bank, eine Fülle von Skandalen zu bereinigen, sind ihre unter Druck stehenden Co-Vorstandschefs unerwartet von ihren Posten zurückgetreten. Nach Spekulationen an den Märkten könnte dieser plötzliche Führungswechsel bei der Bank, die zu den weltweit größten Investment-Häusern gehört, durch wachsenden Druck globaler Aufsichtsgremien und Investoren ausgelöst worden sein, die für eine neue Führung plädierten, um Vertrauen zurückzugewinnen.

„Jyllands-Posten“ (Dänemark)

Die Deutsche Bank war in den letzten Jahren von einer Reihe von äußerst unangenehmen Fällen geplagt. Einige davon hatten die Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen bei ihrer Ernennung im Jahr 2012 übernommen, andere kamen seitdem hinzu, aber fast keiner von ihnen wurde gelöst. Zur gleichen Zeit ähnelte die Aktienentwicklung der Bank in den vergangenen drei Monaten der Fieberkurve eines schwer kranken Patienten.

„Svenska Dagbladet“ (Schweden)

Anshu Jain, der für den Investment-Banking-Bereich zuständig ist, wurde zum Sündenbock für große Einschnitte gemacht und in Deutschland heftig kritisiert. Gleichzeitig wurde Jürgen Fitschen in den Skandal um die Mediengruppe Kirch 2002 verwickelt.

„Corriere della Sera“ (Italien)

Zu viele Finanzskandale, zu viele bezahlte Strafen, schwaches Vertrauen der Investoren, stockende Kurse an der Börse: Am Ende haben sie bei der Deutschen Bank entschieden, dass ein kompletter Wandel nötig ist. Und dafür bezahlen müssen die beiden Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. (...) Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Wahl des neuen Chefs auf John Cryan gefallen ist, der mehr Kontrolleur als Geschäftsmann ist.

„El País“ (Spanien)

Eine Serie von Skandalen beschleunigt die Wachablösung an der Spitze der Deutschen Bank. Die beiden Chefs des größten deutschen Geldinstituts kündigen überraschend ihr Adiós an.

„Hospodarske Noviny“ (Tschechien)

Zu dem Wechsel auf den höchsten Posten kommt es nur einen Monat, nachdem die Hauptversammlung eine neue Strategie gebilligt hatte. Deren Ziele sind es, den Gewinn und die Rendite des eingesetzten Kapitals zu erhöhen. Denn in den zurückliegenden Jahren sah es mau aus.

Jain und Faissola sind beide 1995 zur Deutschen Bank gekommen, Fan stieß drei Jahre später dazu. Unter Jain wurde Fan 2012 zum Co-Leiter der Investmentbank befördert. Faissola, der für Zinsen und Rohstoffe verantwortlich war, wurde zum Chef des kombinierten Bereichs Asset & Wealth Management ernannt.

Im ersten Quartal stieg der Ertrag bei der Investmentbank unter Co-Leitung von Fan gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 4,65 Milliarden Euro; Fixed-income Sales and Trading legten neun Prozent zu, Equities Sales 31 Prozent. Die Sparte Asset & Wealth Management unter der Verantwortung von Faissola meldete einen 75-prozentigen Anstieg beim Vorsteuergewinn.

Am Sonntag hatte die Bank mitgeteilt, dass Jain Ende Juni gehen wird. Cryan wird demnach das Ruder übernehmen, um die Kostensenkungsbemühungen zu überwachen, die Profitabilität zu verbessern und die Rechtsstreitigkeiten beizulegen. Cryan, früherer Finanzchef der UBS Group AG, wird die Deutsche Bank gemeinsam mit Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen führen, bis dieser sich im Mai nächsten Jahres zurückzieht.

Aufgaben für John Cryan

Das sind die Baustellen der Deutschen Bank

Aufgaben für John Cryan: Das sind die Baustellen der Deutschen Bank

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„Wenn man einen Baum verpflanzt, dann sollte man die Wurzeln mitnehmen”, sagt Jason Kennedy, Chef der Personalberatung Kennedy Group in London. „Die Frage ist, ob der CEO entscheidet, seine eigenen Leute mit an Bord zu nehmen, was normalerweise immer so war. Das dürfte sechs Monate dauern; aber Führungspersönlichkeiten umgeben sich mit Leuten, die sie kennen.”

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