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28.06.2012

07:01 Uhr

Umfrage

Mittelständler profitieren von Mini-Zinsen

VonTobias Döring

ExklusivFast alle mittelständischen Unternehmen in Deutschland planen im laufenden Jahr Investitionen. Die Firmen lockt dabei vor allem das niedrige Zinsniveau, wie eine Umfrage der Deutschen Bank jetzt zeigt.

Facharbeiter an einer Drehmaschine: 85 Prozent der Mittelständler in Deutschland wollen 2012 investieren. dpa

Facharbeiter an einer Drehmaschine: 85 Prozent der Mittelständler in Deutschland wollen 2012 investieren.

DüsseldorfDie große Mehrheit der mittelständischen Unternehmen in Deutschland plant im laufenden Jahr Investitionen - trotz der sich verschlechternden Gesamtwirtschaftslage. Nach einer Umfrage der Deutschen Bank wollen 85 Prozent der Mittelständler noch in diesem Jahr investieren. Für die Umfrage, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt, befragte TNS Infratest im April und Mai 200 Finanzentscheider in Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 25 Millionen Euro. Nur 12 Prozent der Befragten planen keine Investitionen.

Die niedrigen Zinsen sind für die Investitionsfreudigkeit besonders ausschlaggebend. 88 Prozent der befragten Mittelständler sagen, dass das Zinsniveau derzeit sehr attraktiv für Investitionen sei. Fast drei Viertel (74 Prozent) der Umfrageteilnehmer investieren, um zu wachsen.

Dafür wollen die Mittelständler Geld locker machen

Geplante Netto-Investitionen

85 Prozent der mittelständischen Unternehmen mit mehr als 25 Millionen Euro Jahresumsatz* planen 2012 Investitionen. Ihre Entscheidung begründen die meisten mit dem aktuell sehr niedrigen Zinsniveau.

* Die Deutsche Bank befragte 200 Finanzentscheider mittelständischer Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 25 Millionen Euro zu ihren Investitionsvorhaben 2012.

Infrastruktur

66 Prozent der mittelständischen Unternehmen wollen 2012 in ihre Infrastruktur investieren. Geld soll unter anderem in die IT-Technik, das Mobiliar oder den Fuhrpark der Firmen fließen.

Ersatzbeschaffungen

65 Prozent der Befragten wollen die günstige Zinslage für die Anschaffung von Ersatzmaschinen oder den Austausch anderer Anlagegüter nutzen.

Neuanschaffungen

Etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) plant die Neuanschaffung von Maschinen und anderen Anlagegütern.

Modernisierungen

30 Prozent der Finanzentscheider haben für 2012 die Modernisierung einer Immobilie im Unternehmensbestand auf dem Zettel stehen.

Immobilien

Der Bau oder Kauf einer Immobilie ist 2012 bei 26 Prozent der Mittelständlern geplant.

Beteiligungen

Zehn Prozent der befragten Mittelständler spielen mit dem Gedanken, dieses Jahr ein Unternehmen aufzukaufen oder sich an einer oder mehreren Firmen zu beteiligen.

Unentschlossen

Drei Prozent der mittelständischen Firmen sind sich noch unschlüssig, ob sie 2012 Investitionen tätigen sollen.

Keine Investitionen

12 Prozent haben für 2012 keine Investitionen geplant.

Es sei der richtige Zeitpunkt, um die eigene Position im Wettbewerb zu festigen, sagen 71 Prozent. Die staatliche Förderung der Energieeffizienz ist für 62 Prozent ein ausschlaggebender Punkt. Zudem begünstigt für mehr als die Hälfte der Befragten die höhere Bereitschaft der Banken, Kredite an Mittelständler zu vergeben, das Investitionsklima (52 Prozent). 21 Prozent sagen, dass sie nun Investitionen nachholen, die in der Krise zurückgestellt worden waren.

Auch die Höhe der Investitionen ist erstaunlich. Die Mehrheit der investierenden Unternehmen (41 Prozent) will zwischen einer halben Million Euro und 2,5 Millionen Euro in die Hand nehmen. 16 Prozent planen eine Investition zwischen 2,5 Millionen Euro und 5 Millionen Euro, 15 Prozent wollen bis zu 500.000 Euro in ihr Unternehmen stecken.

Darum wollen Mittelständler in diesem Jahr investieren

Zinsniveau

88 Prozent der 200 befragten Mittelständler beurteilen das Zinsniveau derzeit als sehr attraktiv, um Investitionen zu tätigen.

Wachstum

74 Prozent der Mittelständler planen 2012 zu wachsen und ihren Marktanteil zu steigern.

Wettbewerbsfähigkeit

Für 71 Prozent der befragten Firmen ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um mit Investitionen die Wettbewerbssituation des eigenen Unternehmens zu festigen.

Energieeffizienz

62 Prozent sind der Meinung, dass der Staat derzeit besonders Investitionen in Maßnahmen zur Energieeffizienz begünstigt.

Kreditvergabe

Die Bereitschaft der Banken, Kredite zu vergeben, sei hoch. Das finden 53 Prozent der befragten Finanzentscheider in mittelständischen Betrieben.

Nachholbedarf

Wegen der Krise hätten sie in den letzten Jahren Investitionen verschoben, sagten 21 Prozent der Mittelständler. Diese sollen 2012 nachgeholt werden.

Mit den Investitionen wollen immerhin 37 Prozent der Mittelständler neue Arbeitsplätze schaffen. Die Mehrheit (51 Prozent) der Investoren plant aber keine neuen Jobs, 13 Prozent machten keine Angaben. Zwei Drittel wollen dagegen mit den Investitionen Arbeitsplätze erhalten.

Die Unternehmen wollen vor allem ihre Infrastruktur ausbauen (66 Prozent) oder neue Maschinen kaufen bzw. alte ersetzen (65 bzw. 55 Prozent).

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Auch in Immobilien soll Geld gesteckt werden. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) der Mittelständler will eine Immobilie bauen oder kaufen, 30 Prozent will Immobilien im Bestand modernisieren. Auch für Übernahmen rüsten sich die Unternehmen: Jedes zehnte will andere Unternehmen oder Teile davon kaufen.

Fast drei Viertel (74 Prozent) der Investoren wollen aus vorhandener Liquidität investieren. Jeweils 26 Prozent planen eine neue Bankfinanzierung oder die Finanzierung über freie Kreditlinien.

Neue und gesicherte Arbeitsplätze durch die Investitionen

Neue Arbeitsplätze I

31 Prozent der Mittelständler, die für 2012 Investitionen planen*, schätzen, dadurch einen bis 30 neue Arbeitsplätze schaffen zu können.

*N=170

Neue Arbeitsplätze II

Sechs Prozent der Firmen rechnen sogar mit 31 bis 300 zusätzlichen Arbeitsplätzen, die durch die Investitionen entstehen.

Neue Arbeitsplätze III

Die Mehrheit der befragten Finanzentscheider (51 Prozent) rechnet hingegen nicht damit, dass es durch die geplanten Investitionen zu einer Zunahme der Beschäftigtenzahl kommt. 13 Prozent wussten keine Antwort oder machten keine Angabe.

Gesicherte Arbeitsplätze I

Von den Investitionen versprechen sich 31 Prozent der Firmen, bis zu 100 Arbeitsplätze sichern zu können.

Gesicherte Arbeitsplätze II

35 Prozent schätzen, zwischen 101 und 1000 Jobs durch die geplanten Investitionen in diesem Jahr sichern zu können.

Gesicherte Arbeitsplätze III

Immerhin 18 Prozent der Unternehmen glauben nicht daran, dass durch ihre Investitionen Arbeitsplätze gesichert werden. 17 Prozent machen zu dieser Frage keine Angabe oder konnten keine Prognose abgeben.

Die Deutsche Bank will die Unternehmen mit frischem Geld versorgen. „Wir wollen die Kreditausreichungen an den deutschen Mittelstand weiter ausbauen“, sagt Cornel Wisskirchen, Mitglied der Geschäftsleitung Firmenkunden Deutschland der Deutschen Bank. In den letzten vier Quartalen habe man die Kredite für Mittelständler um rund 1,3 Milliarden Euro gesteigert, was eine Steigerung von vier Prozent bedeute.

Für die mittelständischen Unternehmen sind auch Fördermittel interessant. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der investierenden Unternehmen hat grundsätzlich Interesse an Fördermitteln, fast ebenso viele (36 Prozent) haben schon Mittel beantragt oder erhalten.

Kommentare (2)

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milo

28.06.2012, 08:20 Uhr

Interessant zu lesen, das 74% der Mittelstaendler ihre geplanten Investitionen aus Eigenmitteln finanzieren wollen und wohl auch koennen. Wie muss es da erst bei den Grossunternehmen ausschauen. Kein Wunder, das auf einmal fuer die Deutsche Bank auch wieder der Mittelstand interessant ist als moeglicher Kunde. Nur, 74% der investitionswilligen Mittelstaendler wollen nichts mit ihrer oder einer Bank machen. Die Ueberschrift ueber diesem Artikel koennte also auch lauten:"Mittelstand vertraut Banken nicht bei Investitionen"

barheine

28.06.2012, 09:21 Uhr

Schön, dass für die Deutsche Bank der Mittelstand - die Hauptsäule unseres Wohlstands - stärker ins Zentrum des Interesses rückt. Hoffentlich sind das nicht nur Lippenbekenntnisse. Ich habe gerade erst erlebt, wie eine Bank (nicht die Deutsche!) einem tollen, innovativen Unternehmen und Kunden von mir den Geldhahn zudrehte und zeitweilig hunderte Arbeitsplätze auf dem Spiel standen.

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