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02.11.2011

10:48 Uhr

Umschuldung

Banken legen Schuldenschnitt auf Eis

Das angekündigte Referendum in Griechenland wirft alle Rettungspläne aus dem Gleis. Die deutschen Banken wollen mit ihrer Zustimmung zum ausgehandelten Schuldenschnitt erst einmal abwarten.

Die Banken-Skyline in Frankfurt. dapd

Die Banken-Skyline in Frankfurt.

FrankfurtDie deutschen Banken halten eine vollständige Umsetzung des Pakets zur Linderung der Eurokrise vor dem geplanten Referendum in Griechenland für unrealistisch. „Wir sollten keine vollendeten Tatsachen schaffen, bevor das Referendum durch ist“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer, am Mittwoch in Berlin.

Konkret könne er sich nicht vorstellen, dass vor der Volksabstimmung über das Rettungspaket ein Anleihentausch vollzogen werden könne, sagte Kemmer. Allerdings sollten jetzt die Vorarbeiten für den Schuldenschnitt gemacht werden. Im Übrigen erwarte er eine hohe Zustimmung der Gläubigerbanken zu dem Schuldenschnitt.

Im Rahmen des auf dem Eurogipfel vergangene Woche vereinbarten zweiten Rettungspakets für Griechenland haben sich die privaten Banken bereiterklärt, über einen Anleihentausch auf 50 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten.

Am Montagabend hatte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou dann aber überraschend angekündigt, das Volk über das Rettungspaket abstimmen zu lassen, das weitere tiefe Einschnitte im Haushalt des Landes vorsieht. Das Referendum könnte noch in diesem Jahr stattfinden. Zuvor muss Papandreou allerdings eine Vertrauensfrage im Athener Parlament überstehen, die für die Nacht zum Samstag geplant ist.

Von

rtr

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

02.11.2011, 11:45 Uhr

Guter Bluff. Ich gehe einmal davon aus dass die deutschen Banken vielmehr an ein "Nein" durch das Referendum interessiert sind zumal dann, nach einer Insolvenz Griechenlands, ihre versicherten Kredite nicht, wie im Falle eines freiwilligen Schuldenschnitts, zum grossen Teil abschreiben müssen. Stellt sich nur dann die Frage nach den
Konsequenzen für die Versicherer (AIG Pleite etc.).

MW65719

02.11.2011, 13:10 Uhr

In einem Artikel zu den CDS auf griechische Anleihen in den letzten Tagen stand, dass der über diese Instrumente abgesicherte Betrag bei ca. 3,7 Mrd Euro liegt.

Das ist zum einen zu wenig, um bei einer Insolvenz Griechenlands einen großen Unterschied zu machen / die Entscheidung der Kreditinstitute zu beeinflussen und zum anderen, falls es sich nicht auf einen einzigen konzentriert (kaum anzunehmen), um irgendeinen Versicherer wegen der Zahlungen aus den CDS in die Pleite zu treiben.

PapandreousCDS

02.11.2011, 15:03 Uhr


@ MW65719: "In einem Artikel zu den CDS auf griechische Anleihen in den letzten Tagen stand, dass der über diese Instrumente abgesicherte Betrag bei ca. 3,7 Mrd Euro liegt."

Interessanter ist eine CDS auf den Credit Default des Staates:
# Der heutige Wert der CDS beläuft sich auf ca. 27 Milliarden Euro. An diesem Deal haben vor allem griechische Politiker und regierungsnahe Personen verdient. Ebenfalls interessant ist der Zeitpunkt des Verkaufs an IJ-Partners: Ende 2009 und damit während der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou hinter verschlossenen Türen bereits mit der EU über ein Rettungspaket verhandelt hat. Ihm war die katastrophale Lage seines Landes also bewusst, ebenso wie den oben genannten Personen klar gewesen ist, dass die CDS eine kräftige Wertsteigerung vor sich hatten, sobald Griechenlands finanzielle Misere öffentlich wurde.
Es riecht also gewaltig nach Vetternwirtschaft, einem in Griechenland sehr verbreiteten Phänomen.#

Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dass der Papandreou-Clan zu den IJ-Partners gehört!!!

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