Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.04.2011

18:36 Uhr

Umstrittene Vorgaben

Sparkassen machen Front gegen neuen Stresstest

Die magische Schwelle für den groß angelegten europäischen Banken-Stresstest steht offenbar fest. Doch gegen die strenge Definition des Kernkapitals regt sich Widerstand bei den deutschen Sparkassen.

Sparkassen-Präsident Haasis: "Es besteht die Gefahr, dass gesunde Institute künstlich krank geredet werden." Quelle: dpa

Sparkassen-Präsident Haasis: "Es besteht die Gefahr, dass gesunde Institute künstlich krank geredet werden."

Frankfurt/Brüssel

Ein Sprecher der EU-Kommission bestätigte am Freitag in Brüssel, dass die rund 88 teilnehmenden Institute auch unter schwierigsten Bedingungen nur so viel Eigenkapital einbüßen dürfen, dass sie noch auf fünf Prozent harte Kernkapitalquote kommen. Die deutschen Banken müssen aber noch bis Montag bangen: Ob die vor allem hierzulande gebräuchlichen Stillen Einlagen dabei anerkannt werden, ist weiter umstritten. Ohne diese Anlagen drohen vor allem Landesbanken den Test nicht zu bestehen.

Die Hürde von fünf Prozent wäre niedriger als die sechs Prozent, die im jüngst abgeschlossenen Stresstest für Irlands Banken angewandt worden war. Beim europaweiten Stresstest im Sommer 2010 hatte die Hürde bei sechs Prozent gelegen - doch galt damals eine breitere Kapitaldefinition. Damals war der Stresstest am Markt schnell für zu leicht befunden worden, weil nur sieben von 91 Banken durchfielen. Diesmal soll er nach dem Willen der Aufseher und Politiker härter ausfallen. In Kreisen der Aufseher hieß es allerdings, die fünf Prozent-Grenze sei immer noch in der Diskussion.

Die europäische Bankenaufsicht EBA will Reguliererkreisen zufolge nach dem Wochenende veröffentlichen, wie sie das "harte Kernkapital" für den Stresstest auslegen will. Noch ringen die Aufseher darum. Eine einheitliche Definition für Europa fehlt bisher. Nach dem ab 2013 geltenden Regelwerk "Basel III" werden nur noch Grundkapital und Gewinnrücklagen anerkannt, Mischformen zwischen Eigen- und Fremdkapital nicht mehr. Die EBA hatte aber eigentlich klargemacht, dass sie so weit nicht gehen wolle.

Dennoch fürchtet der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) um die Stillen Einlagen der Eigentümer von Landesbanken und großen Sparkassen: "Nach geltenden Regelungen zählen Stille Einlagen ausdrücklich zum Kernkapital. Die Übergangsfristen sind klar definiert", sagte DSGV-Präsident Heinrich Haasis. Das müsse auch die EBA anerkennen. Das Vorgehen der Behörde "schafft die Gefahr, dass gesunde Institute künstlich krank geredet werden", kritisierte er. "Das würde die Aussagekraft des Stresstests verzerren."

Reuters hatte aus Kreisen erfahren, dass nur die Einlagen des Bundes aus der Finanzkrise und solche Instrumente, die bis Ende April bereits an die Basel-III-Regelungen angepasst sind, anerkannt werden. Die Landesbanken NordLB und Helaba wären dann in Gefahr durchzufallen, die Commerzbank dagegen wäre aus dem Schneider. Um mehr Transparenz zu schaffen, will die EBA nach Angaben aus Reguliererkreisen bei der Veröffentlichung des Tests auch aufschlüsseln, wie sich das harte Kernkapital jeder Bank zusammensetzt.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

aspi

01.04.2011, 22:50 Uhr

Meine Güte, man kann alles zu Tode Stresstesten. Würde das Handelsblatt einen Stresstest überleben, wonach im Rahmen einer schweren Wirtschaftskrise 50 Prozent der Abonenten abspringen und der Werbeumsatz um 2/3 einbricht? Nein? Dann sollten die Banken dem Handelsblatt gleich mal vorsichtshalber alle Kredite kündigen, weil man kann ja nie wissen, ob so ein Szenario nicht doch mal eintritt. Oder?...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×