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17.01.2008

11:14 Uhr

Umstrukturierung

Commerzbank stärkt Eurohypo

VonHans G. Nagl

ExklusivDie Commerzbank will offenbar das Geschäft mit der Staatsfinanzierung bei der Eurohypo konzentrieren. Die Investoren warten seit langem auf eine Neuordnung dieses Bereichs. Eine andere Tochter der Commerzbank wird der Umstrukturierung aber wohl komplett zum Opfer fallen.

Commerzbank-Chef Klaus Peter Müller baut seinen Konzern um. Foto: dpa dpa

Commerzbank-Chef Klaus Peter Müller baut seinen Konzern um. Foto: dpa

FRANKFURT. Bei dem seit einem Jahr diskutierten Umbau des Staatsfinanzierungsgeschäfts im Commerzbank -Konzern läuft alles auf eine Lösung zugunsten der Tochter Eurohypo hinaus. "Das ist das Szenario, das sich abzeichnet", sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen dem Handelsblatt. Das zuletzt überaus schwache Staatsfinanzierungsgeschäft der Tochter EssenHyp solle in die Eurohypo integriert werden. Alternativ war bislang die Bündelung aller Teileinheiten in der Commerzbank selbst diskutiert worden.

Nun jedoch seien die Würfel de facto zugunsten der Eurohypo gefallen, hieß es. Der Vorstand werde wahrscheinlich noch im Januar formell zustimmen. Das Ergebnis solle dann voraussichtlich vor der Bilanz-Pressekonferenz am 14. Februar veröffentlicht werden. Damit käme Deutschlands zweitgrößte Bank den Wünschen von Investoren entgegen, die seit Monaten auf einen Abschluss der Neuorganisation warten. "Es ist wichtig, dass man hier die Einheiten bündelt", sagte Unicredit -Analyst Andreas Weese. Dabei erscheine die Eurohypo als die "plausibelste Option". Ein Commerzbank -Sprecher verwies lediglich auf frühere Aussagen, wonach mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet wird. Eurohypo und EssenHyp lehnten eine Stellungnahme ab.

Derzeit verteilt sich die Staatsfinanzierung im Konzern auf die Eurohypo, die Hypothekenbank in Essen (EssenHyp) sowie die Luxemburger Erste Europäische Pfandbrief- und Kommunalkreditbank (EEPK) in Luxemburg. Diese ineffiziente Struktur versucht Commerzbank -Vorstand Michael Reuther seit Monaten zu ändern. Doch er scheiterte lange an der Schuppli-Gruppe, die bis November noch 49 Prozent an der EssenHyp hielt. Dann gelang es der Commerzbank, den Minderheitsaktionär herauszukaufen. Branchenkreisen zufolge wurden hierfür rund 400 Mill. Euro gezahlt.

Bei der EEPK ist Schuppli zwar nach wie vor mit 25 Prozent an Bord. Weil die auf Luxemburger Pfandbriefe spezialisierte Bank aber klein sei, spiele sie bei der Neuordnung keine wichtige Rolle, hieß es in Branchenkreisen. Gegebenenfalls könne sie auch nachträglich einbezogen werden. Die Eurohypo selbst kommt in der Staatsfinanzierung auf rund 103 Mrd. Euro Bestand, bei den Essenern sind es mehr als 78 Mrd. Euro.

Der Druck auf Commerzbank -Chef Klaus-Peter Müller, eine Lösung zu präsentieren, hat sich in den vergangenen Wochen erhöht. Das Segment Staatsfinanzierung und Liquiditätsmanagement (Public Finance & Treasury) war im dritten Quartal mit 53 Mill. Euro überraschend in die Verlustzone gerutscht. Für eine Zusammenfassung bei der Eurohypo spricht nicht nur die Größe des in Eschborn ansässigen Spezialfinanzierers. Hätte die Commerzbank das Segment unter ihrem eigenen Dach angesiedelt, müsste sie selbst eine Pfandbrieflizenz beantragen. Darüber hinaus hat die Eurohypo ein funktionierendes Geschäftsmodell, IT-Infrastruktur und ist als internationale Marke etabliert. "Das ist die günstigste Variante", hieß es in Branchenkreisen.

Die 1987 gegründete EssenHyp mit ihren 176 Mitarbeitern steht nun praktisch vor dem Aus. Zuletzt hatte sich dort die Geschäftsentwicklung drastisch verschlechtert. Mehrere Insider sagten gestern, die Bank werde das Geschäftsjahr 2007 womöglich mit roten Zahlen abschließen. Eine Sprecherin des Instituts wollte dies weder bestätigen noch dementieren. Per Ende September hatten die Essener bereits einen drastischen Gewinneinbruch auf nur noch zehn Millionen Euro hinnehmen müssen.

Für den im Mai in den Aufsichtsrat wechselnden Commerzbank -Chef Müller wäre die Neuordnung ein weiterer Erfolg. Er könnte sich zugute halten, seinem Nachfolger Martin Blessing ein Haus ohne größere Baustellen zu übergeben. Zugleich würde der Schritt Eurohypo -Chef Bernd Knobloch stärken. Sein Verantwortungsbereich würde deutlich an Größe gewinnen.

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