Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2007

14:35 Uhr

Umwandlung von Sparkassen in Stiftungen

Wirtschaftsforscher fordern Bankenreform

VonFrank Matthias Drost

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht sich für eine zügige Reform des deutschen Bankenwesens aus. Viele Länder in der EU hätten die Möglichkeit geschaffen, öffentlich-rechtliche Sparkassen in Stiftungen umzuwandeln. Das DIW will hierzu eine Diskussion anstoßen.

BERLIN. „Es geht darum, den deutschen Bankensektor international konkurrenzfähig zu machen“, schreibt DIW-Finanzexpertin Mechthild Schrooten im neuesten Vierteljahresheft, das dem Handelsblatt in Auszügen vorab vorliegt. „Es fehlt eine ökonomisch belastbare Theorie für die Rolle des Staates im Bankenwesen“, schreibt Schrooten. Argumente, die sich auf die historischen Entstehungsbedingungen des deutschen Bankensystems berufen, reichten nicht mehr aus. Viele Länder in der EU hätten die Möglichkeit geschaffen, öffentlich-rechtliche Sparkassen in Stiftungen umzuwandeln. Das DIW will hierzu eine Diskussion anstoßen.

Zugleich hält das DIW Abstand zu einseitigen Forderungen nach umfassender Privatisierung. „Man darf bezweifeln, ob die Privatisierung das Allheilmittel ist, um die Renditeschwäche der deutschen Kreditwirtschaft zu beseitigen“, sagte sie. Über längere Zeitreihen hinweg hätten sich die Sparkassen, aber auch die Genossenschaftsbanken als renditestarke Institute erwiesen. Relativ schlecht schnitten dagegen die privaten Banken sie auch die Landesbanken ab.

Doch man sollte die Diskussion nicht auf die Sparkassen reduzieren, wirbt das DIW. Schließlich hätten auch die elf Landesbanken, an denen die Bundesländer substanziell beteiligt sind, zumindest teilweise das Potenzial, als „Global Player aufzutreten“.

Das deutsche Bankensystem zeichnet sich durch das Nebeneinander von privaten Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken aus. Konsolidierungen fanden bislang nur innerhalb der Säulen statt – von Ausnahmen abgesehen. So übernahm die Landesbank Baden-Württemberg die private BW-Bank. Zu einschneidenden Veränderungen kam es stets, wenn die EU tätig wurde. So wurden die staatliche Gewährträgerhaftung und Anstaltslast im Juli 2005 abgeschafft, die den Landesbanken ungerechtfertigte Vorteile im Vergleich zu ihren privaten Konkurrenten verschaffte. Jüngst sorgte die EU-Kommission dafür, dass auch private Banken die Landesbank Berlin und damit die Berliner Sparkasse übernehmen können. Erstmals dürfte damit ein privater Investor eine Sparkasse erwerben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am gestrigen Dienstag gemahnt, zu diesem Kompromiss mit Brüssel zu stehen und keine neue Diskussionen aus Deutschland heraus anzuzetteln.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×