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18.09.2011

16:46 Uhr

Unerlaubte Geschäfte

UBS-Händler verzockte mehr Geld als gedacht

Die UBS hat den Schaden, den ihr Händler Kweku Adoboli mit Scheingeschäften verursachte, auf 2,3 Milliarden Dollar beziffert. Warum bemerkte niemand die unerlaubten Geschäfte? UBS-Chef Grübel kämpft um seinen Job.

Handelsskandal bei der UBS

Video: Handelsskandal bei der UBS

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DüsseldorfDie Schweizer Großbank UBS hat durch die nach eigenen Angaben unerlaubten Wertpapiergeschäfte eines ihrer Londoner Händler einen größeren Schaden erlitten als bislang angenommen. Durch den am Donnerstag bekannt gewordenen Fall sei ein Verlust von 2,3 Milliarden Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) entstanden, teilte die Bank am Sonntag mit. Am Donnerstag hatte die Bank den Schaden wegen der unerlaubten Wertpapiergeschäfte noch auf zwei Milliarden Dollar (1,45 Milliarden Euro) geschätzt.

Kundengelder seien von den illegalen Geschäfte nicht betroffen, erklärte die Bank weiter. Der Verlust sei durch unautorisierten, spekulativen Handel mit verschiedenen Aktienindexfutures des S&P 500, DAX und EuroStoxx im Verlauf der letzten drei Monate entstanden. Der Händler habe sein Portfolio nicht korrekt abgesichert. Die tatsächliche Dimension des Risikoengagements sei dadurch verschleiert worden, dass die Transaktionen zwar im System abgesichert wurden. Die Gegengeschäfte habe der Händler aber nur zum Schein getätigt, erklärte die Bank. Die fiktiven Gegengeschäfte hätten verdeckt, dass die von UBS gesetzten Risikoobergrenzen für den Handel mit den Indexfutures in Wahrheit überschritten wurden.

Am frühen Donnerstagmorgen war der 31-jährige Investmentbanker Kweku Adoboli am Londoner UBS-Sitz festgenommen worden. Die britische Polizei klagte den aus Ghana stammenden Händler am Freitag wegen Betrugs durch den Missbrauch seiner Stellung und die Fälschung von Bilanzen an. Der nächste Gerichtstermin ist für 22. September angesetzt.

Adoboli war im Londoner Büro der UBS für den Bereich der Exchange Traded Funds zuständig, also für Börsenprodukte, die Aktienindizes wie den Dax abbilden. Der UBS droht nach Einschätzung von Analysten wegen der Affäre ein Verlust von 500 Millionen Schweizer  Franken (415 Millionen Euro) im dritten Quartal.

Die spektakulärsten Betrugsfälle der Finanzbranche

Oktober 2010: Jerome Kerviel

Ex-SocGen-Händler Jerome Kerviel wird zu fünf Jahren Haft verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Ein Gericht befindet ihn der Veruntreuung, des Computermissbrauchs und der Fälschung schuldig. Kerviel hatte ohne Legitimation Positionen im Volumen von 50 Milliarden Euro aufgebaut - mehr als der Börsenwert der Bank. Es kostete 4,9 Milliarden Euro, um diese wieder aufzulösen. Den Verlust soll Kerviel seinem Arbeitgeber zurückzahlen.

April 2010: Evan Dooley

Der Händler Evan Dooley von MF Global wird wegen Betrugs angeklagt, nachdem er 141 Millionen Dollar mit Weizen-Futures verzockt hatte. Der Vorfall wurde im Dezember 2009 bekannt, als die US-Aufsichtsbehörden dem Brokerhaus eine Strafe von zehn Millionen Dollar wegen unzureichender Risikokontrollen aufbrummten.

Juni 2009: Steve Perkins

Der Händler Steve Perkins vom Londoner Brokerhaus PVM Oil Futures häuft nach einer Reihe unautorisierter Geschäfte einen Verlust von fast zehn Millionen Dollar an. Seine Spekulationen sollen den Ölpreis weltweit nach oben getrieben haben.

Februar 2009: Alexis Stenfors

Der in London ansässige Merrill-Lynch-Devisenhändler Alexis Stenfors erhält ein mindestens fünfjähriges Berufsverbot. Er soll seine Handelspositionen wissentlich falsch bewertet haben, um Verluste zu verschleiern. Der Bank brockte er Abschreibungen in Höhe von 456 Millionen Dollar ein.

Juli 2006: Bullen und Ficarra

David Bullen und Vince Ficarra, zwei ehemalige Händler der National Australia Bank , werden nach einem Betrugsskandal zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sie mit Falschbuchungen ihre Boni retten und Verluste verschleiern wollen. Die Bank kostete das 187 Millionen Dollar.

März,April 2006: Brian Hunter

Der Hedgefonds Amaranth Advisors LLC fährt nach fehlgeschlagenen Wetten auf Erdgaspreise unter dem Händler Brian Hunter einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar ein. Der Hedgefonds bricht wenig später zusammen.

Februar 2002: John Rusnak

Die Allied Irish Bank wirft dem Devisenhändler John Rusnak vor, bei der US-Tochtergesellschaft Allfirst einen Verlust von 691 Millionen Dollar verursacht zu haben. Er selbst strich zwischen 1997 und 2001 rund 850.000 Dollar an Gehalt und Boni ein. Rusnak wird zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Juni 1996: Yasuo Hamanaka

Das japanische Handelshaus Sumitomo Corp erleidet einen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar, der auf jahrelange nicht autorisierte Kupfer-Spekulationen zurückgeht. Dafür verantwortlich gemacht wird der Händler Yasuo Hamanaka, der gefeuert und später zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Sein Spitzname war „Mr. Fünf Prozent“ - sein Team soll zu den Boomzeiten fünf Prozent des weltweiten Kupferhandels kontrolliert haben.

September 1995: Toshihide Iguchi

Die japanische Daiwa-Bank verliert 1,1 Milliarden Dollar nach unautorisierten Geschäften des Anleihehändlers Toshihide Iguchi, der zum Management in den USA gehört. Er wandert 1996 ins Gefängnis.

Februar 1995: Nick Leeson

Barings, eine der ältesten Investmentbanken in Großbritannien, bricht zusammen. Auslöser ist ein Verlust von 1,4 Milliarden Dollar im Derivatehandel durch den Händler Nick Leeson in Singapur. Leeson muss ins Gefängnis. Barings wird wenig später an die niederländische ING für ein Pfund verkauft.

Unklar ist bislang, wie sehr das Risikomanagement der Bank bei den unerlaubten Geschäften versagt hat: Die illegalen Transaktionen hätten in den letzten drei Monaten stattgefunden, teilte die UBS mit. Nach Angaben der britischen Anklage gingen die betrügerischen Geschäfte Adobolis jedoch bis 2008 zurück und dauerten bis zum Tage seiner Festnahme an. Die britische „Sunday Times“ berichtete zudem unter Berufung auf anonyme Insider, der mutmaßliche Zocker habe Geschäfte über zehn Milliarden Dollar gemacht, bevor die Bank die Verluste bemerkt habe. Die UBS lehnte eine Stellungnahme zu diesem Bericht ab. Die Schweiz und die USA kündigten am Freitag an, Ermittlungen zu den Geschäften einzuleiten.

Kommentare (3)

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Barbara

18.09.2011, 18:22 Uhr

Der ist ja süß ! Da muss Axel Weber aber zukünftig weit reisen um seine Mitarbeiter zu rekrutieren !

Account gelöscht!

18.09.2011, 21:05 Uhr

Da stimmt doch etwas nicht an der Geschichte. Ein Wertpapierhändler, vulgo trader, kann keine Bilanz fälschen. Er kann höchstens sein Handelsbuch aufhübschen. Aber dann haben alle Zwischenstationen bis zum Finanzvorstand geschlafen. Ganz ähnlich wie im Fall Kériel. Nun wird er verheizt, um die dickeren Köpfe zu retten.

RogueTrader

19.09.2011, 00:44 Uhr

Die Banken haben soviel Knete, dass 2 milliarden gar nicht mehr auffallen.
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