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05.02.2005

16:23 Uhr

«Unerträglich und verantwortungslos»

Heftige Kritik an Entlassungsplänen bei der Deutschen Bank

Politik und Gewerkschaften kritisieren die geplanten Stellenstreichungen bei der Deutschen Bank. Das Kieler IfW hält die Kündigungen hingegen für unumgänglich.

HB BERLIN. Die geplanten Entlassungspläne bei der Deutschen Bank stoßen auf Widerstand bei Politik und Gewerkschaften. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Entlassungen als «verheerendes Signal». DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer sagte der Hannoverschen «Neuen Presse»: «Steigerungen der Rendite auf 25 Prozent und mehr als 6000 entlassen – deutlicher habe ich reine Fixierung auf Sharholder Value noch nie gesehen.» Wer trotz Gewinnen in Milliardenhöhe Tausenden Mitarbeitern kündigen wolle, schüre Ängste und sei Schuld an der fehlenden Binnennachfrage.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte ebenfalls die geplanten Entlassungen. Es dürfe nicht sein, dass man beim Personalabbau übersteuert. «Schließlich kann man ohne Mitarbeiter auch keine Gewinne machen», sagte DSW-Sprecher Jürgen Kurz der «Berliner Zeitung» von Samstag.

Auch andere Aktionärsschützer wandten sich gegen die Pläne der Frankfurter Bank: «Es ist eine außerordentlich unbefriedigende Situation, dass dem Management nichts Weiteres einfällt, als auf die Kostenbremse zu treten», sagte das Vorstandsmitglied der Schutzvereinigung der Kapitalanleger, Reinhild Keitel, dem Berliner Blatt. Das zeuge nicht von sehr viel Phantasie.

Die IG-Metall übte ebenfalls harsche Kritik. IG-Metall-Chef Jürgen Peters bezeichnete den Stellenabbau in der «Bild»-Zeitung von Samstag als «unerträglich und verantwortungslos». Die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) nannte das Vorgehen der Deutschen Bank «unfassbar». Den «Lübecker Nachrichten» von Samstag sagte die Politikerin: «Unermesslich große Überschüsse, Entlassungen im Tausenderpaket und dann Vorhaltungen gegenüber der Politik, sie tue nicht genügend gegen die Arbeitslosigkeit, das ist schwer zu ertragen.»

Unter Volkswirten ist der geplante Stellenabbau hingegen umstritten. Der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, hält die Stellenstreichungen für notwendig: «Die Firmen müssen ihren Gewinn maximieren, wenn sie die Beschäftigung am Heimat-Standort halten wollen», sagte Snower der «Bild». Anderenfalls wanderten noch mehr Stellen ins Ausland ab.

Der Chef des Hamburger Forschungsinstituts HWWA, Thomas Straubhaar, äußerte indes Bedenken über eine Firmenpolitik, die Gewinne vor allem dadurch steigere, dass Arbeitsplätze abgebaut werden: «Eine solche Strategie der kurzfristigen Gewinnmaximierung ist auf Dauer gesehen weit weniger erfolgreich als eine langfristig angelegte Strategie, die auf stetiges Gewinnwachstum setzt und die Mitarbeiter am Erfolge teilhaben lässt», sagte Straubhaar der «Berliner Zeitung».

Die Deutsche Bank hatte am Donnerstag den Abbau von weltweit 5200 Stellen angekündigt – davon 1920 im Inland. Währenddessen sollten 1200 in Niedriglohnländern entstehen. Außerdem gab das Finanzinstitut bekannt, der Gewinn vor Steuern sei im vergangenen Jahr auf 17 Prozent gestiegen. Ziel bleibe eine Vorsteuerrendite von 25 Prozent, bekräftige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

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