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15.01.2008

16:18 Uhr

Unerwartete Abschreibungen

Hypo Real Estate schockt Anleger

Die Hypo Real Estate (HRE) hat die Märkte mit Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe überrascht und Hoffnungen auf ein rasches Ende der Finanzkrise in Deutschland zunichte gemacht. Die Aktie des Münchener Immobilienfinanzierers verlor in der Spitze mehr als 37 Prozent, ein fast einmaliger Vorgang bei einem Wert des Deutschen Aktienindexes (Dax).

fmk/hgn/HB FRANKFURT. Die Schockwelle erfasste auch andere Finanzwerte. Commerzbank -Aktien fielen um 8,3 Prozent, Papiere der Deutschen Bank verloren 2,5 Prozent.

"Die Marktsituation im vierten Quartal hat sich weiter verschlechtert", begründete HRE-Chef Georg Funke die Wertberichtigungen auf das 1,5 Mrd. Euro schwere Portfolio mit strukturierten Finanzprodukten ("Collateralized Debt Obligations", CDOs) in den USA. Diese Pakete von Anleihen unterschiedlicher Bonität hatten als Folge der US-Hypothekenkrise dramatisch an Wert verloren. Zugleich kündigte Funke eine Kürzung der Dividende 2007 um zwei Drittel auf nur noch 50 Cent an. Personelle Konsequenzen schloss Funke kategorisch aus. "Unser Team hat einen Super-Job gemacht", behauptete der Banker.

Analysten sahen dies jedoch anders. "Ein absoluter Vertrauensbruch", kommentierte Konrad Becker von Merck Finck. Monatelang hatte die Bank betont, man sehe sich von der Krise nicht betroffen. Dabei musste die Bank bereits im dritten Quartal 265 Mill. Euro wertberichtigen. Dies fiel in der Öffentlichkeit jedoch kaum auf, weil die Zahl nicht durch die Gewinn-und-Verlust-Rechnung floss.

Vorstandschef Georg Funke sprach dagegen von einem "Einmaleffekt aufgrund einer Marktkatastrophe" und versuchte, die Wogen zu glätten. Verglichen mit Wettbewerbern, die teils Milliarden-Abschreibungen wegen der Kreditkrise zu verkraften haben, habe sich die Hypo Real Estate bisher "hervorragend geschlagen", erklärte Funke in einer eilig einberufenen Telefonkonferenz. "Ich kenne Kollegen, die würden beten, wenn sie in so einer Situation wären." Für die Führung der Hypo Real Estate seien die Belastungen durch die Finanzmarktkrise nicht absehbar gewesen, daher gebe es "keinerlei Anlass für Konsequenzen im Management". Noch im November hatte die Bank allerdings erklärt, sie sehe sich von den Turbulenzen an den Kapitalmärkten kaum betroffen. Die Hypo Real Estate habe früh die Risiken erkannt und sich kaum in den kritischen Märkten engagiert, erklärte das Management damals.

Nun schloss die Hypo Real Estate auch weitere Abschreibungen auf das Portfolio nicht aus. "Ausschließen kann ich es nicht", sagte Finanzvorstand Markus Fell. Von der im im vierten Quartal vorgenommenen Wertberichtigung um 390 Mill. Euro seien 295 Mill. Euro ergebniswirksam. Die Hypo Real Estate hatte im vergangenen Jahr den Staatsfinanzierer Depfa übernommen. Bei beiden zusammen brach wegen der Abschreibungen sowie Einmalaufwendungen für die Übernahme in Höhe von 50 Mill. Euro das Vorsteuerergebnis von 1,217 Mrd. auf 890 Mill. Euro ein. Vor Einmaleffekten stagnierte das Ergebnis vor Steuern bei 1,235 Mrd. (Vorjahr: 1,234 Mrd) Euro.

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