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09.07.2014

12:00 Uhr

Unerwartetes Urteil

Freisprüche für frühere HSH-Vorstände

Überraschung im Prozess gegen die ehemaligen Vorstände der HSH Nordbank: Obwohl die Banker dem Steuerzahler einen Milliardenschaden beschert haben, wurden sie nun vom Vorwurf der Untreue freigesprochen.

Der ehemalige HSH-Vorstand Dirk Jens Nonnenmacher kann sich freuen: Er und seine Vorstandskollegen wurden heute von dem Untreueverdacht freigesprochen.

Der ehemalige HSH-Vorstand Dirk Jens Nonnenmacher kann sich freuen: Er und seine Vorstandskollegen wurden heute von dem Untreueverdacht freigesprochen.

HamburgDas Hamburger Landgericht hat den kompletten früheren Vorstand der Landesbank samt Ex-Finanzchef Dirk Jens Nonnenmacher freigesprochen. Nach Ansicht der Strafkammer sind die sechs Manager weder der schweren Untreue noch der Bilanzfälschung schuldig, wie der Vorsitzende Richter Marc Tully am Mittwoch sagte. Fehlentscheidungen der Angeklagten hätten nicht die „Grauzone in Richtung Strafbarkeit“ überschritten. Erstmals in Deutschland war die komplette Führungsriege einer Bank wegen Ereignissen während der Finanzkrise angeklagt.

Mit einem riskanten Doppelgeschäft mit der französischen Großbank BNP Paribas, das unter dem Namen „Omega 55“ firmierte, hatten die Banker neue Risiken ins Haus geholt und die Landesbank beinahe in die Pleite getrieben. Am Ende musste die HSH Nordbank von ihren Eignern Hamburg und Schleswig-Holstein - also den Steuerzahlern - mit Milliardensummen gerettet werden. Dem Vorwurf der Untreue haben sich die Manager nach Ansicht des Gerichts damit jedoch nicht schuldig gemacht.

Dass die ehemaligen Vorstandsmitglieder ihre Pflichten verletzt haben, sieht auch das Gericht so. Die Manager seien bei ihrer Unterschrift unter die Vorlage unzureichend informiert gewesen - „und zwar sowohl formell wie auch sachlich-inhaltlich“. Tully sprach von der gemeinsamen Verantwortung aller sechs Angeklagten.

Nach den Freisprüchen will die Staatsanwaltschaft prüfen, ob sie in Revision geht. Dann würde der Fall beim Bundesgerichtshof landen. „Wir werden das jetzt prüfen“, sagte Behördensprecher Carsten Rinio am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Die HSH will trotz des Urteils weiter Schadenersatz von drei ehemaligen Vorständen erstreiten, wie die Bank erklärte.

Im ersten Teil seiner Urteilsbegründung konzentrierte sich der Vorsitzende Richter darauf, was den Angeklagten vorzuwerfen ist. Die HSH Nordbank habe langfristig zu den „Top Ten“ aufsteigen wollen. „Retrospektiv war dieser Plan Ausfluss nicht unüberheblicher Selbstüberschätzung“ - auch der Eigentümer, der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein.

Schon die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten zu Gute gehalten, dass sie sich nicht selbst bereichern wollten. Auch Tully betonte, zu keinem Zeitpunkt habe der Verdacht bestanden, dass sich die angeklagten „Bankster“ zum eigenen unmittelbaren Vorteil am Vermögen der Landesbank vergriffen hätten.

Kommentare (15)

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Herr Dipl. Ing.

09.07.2014, 11:09 Uhr

Jeder hat seinen Preis! Auch Richter!

Reiner Blumenhagen

09.07.2014, 11:14 Uhr

Im Namen des Volkes.... da kommt mir doch der Brecht hoch.

Herr Lung Wong

09.07.2014, 11:20 Uhr

"Überraschung im Prozess gegen die ehemaligen Vorstände der HSH Nordbank"

Eine Verurteilung hätte mich überrascht.

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