Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.05.2014

11:26 Uhr

Ungarn-Tochter erholt sich

BayernLB mit Gewinnsprung

Die BayernLB steht besser da: Im ersten Quartal erzielt die Landesbank einen um fast 30 Prozent gestiegenen Gewinn. Geringere Risiken sind der Hauptgrund. Insgesamt erwartet die Bank 2014 ein positives Ergebnis.

Logo der Bayerischen Landesbank (BayernLB): Die ungarische Tochter MKB reduzierte die Verluste deutlich. dpa

Logo der Bayerischen Landesbank (BayernLB): Die ungarische Tochter MKB reduzierte die Verluste deutlich.

FrankfurtDer neue Chef der BayernLB übernimmt das Ruder in ruhigerem Fahrwasser. Deutschlands zweitgrößte Landesbank konnte ihren Vorsteuergewinn im ersten Quartal um fast ein Drittel auf 200 Millionen Euro steigern, weil sie weniger Geld für faule Kredite zurücklegen musste. Zudem erholte sich die zum Verkauf stehende kriselnde Ungarn-Tochter MKB ein Stück weit. Das Ergebnis lasse sich zwar nicht auf das Gesamtjahr hochrechnen, warnte Vorstandschef Johannes-Jörg Riegler am Montag. Die Bank peile 2014 aber ein positives Ergebnis an.

Riegler, der von der NordLB kam, trat im April die Nachfolge des langjährigen BayernLB-Chefs Gerd Häusler an und soll die Sanierung der Bank nun zu Ende bringen. Die BayernLB, die einst am Kapitalmarkt ein großes Rad drehen wollte und in der Finanzkrise vom Staat gerettet wurde, konzentriert sich seither auf regionale Privat- und Firmenkunden, die Immobilienwirtschaft und die Sparkassen.

Die BayernLB und die Hypo Alpe Adria

22. Mai 2007

Die BayernLB kauft für rund 1,6 Milliarden Euro die Mehrheit an der früheren Kärntner Landesbank.

7. Mai 2008

Knapp ein Jahr nach der HGAA-Übernahme verkündet die Landesbank einen Verlust vor Steuern von 770 Millionen Euro für das erste Quartal.

28. November 2008

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigt ein Rettungspaket von mehr als 30 Milliarden Euro für die BayernLB an.

23. Januar 2009

Die BayernLB beziffert den operativen Verlust für das Jahr 2008 auf fünf Milliarden Euro.

11. November 2009

Die BayernLB gibt bekannt, dass sie wegen der hohen Risikovorsorge für faule Kredite und Wertberichtigungen bei der HGAA einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro erwartet.

14. Dezember 2009

Der wochenlange Poker zwischen Österreich und Bayern hat ein Ende: Die HGAA soll in Österreich verstaatlicht werden. Das Debakel hat die BayernLB mehr als 3,7 Milliarden Euro gekostet. Am Abend erklärt BayernLB-Chef Michael Kemmer seinen Rücktritt.

9. Februar 2010

Die Staatsanwaltschaft München durchsucht Büros des Bayerischen Städtetags und des Sparkassenverbands. Hintergrund ist ein Untreue-Verdacht im Zusammenhang mit dem Kauf der HGAA.

25. Februar 2010

Der Untersuchungsausschuss zum BayernLB-Debakel im bayerischen Landtag nimmt seine Arbeit auf.

25. Oktober 2010

Der BayernLB-Verwaltungsrat beschließt, gegen sämtliche am Kauf der HGAA beteiligten Vorstände Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

5. Mai 2011

Die Staatsanwaltschaft München erhebt wegen des milliardenschweren Fehlkaufs der HGAA Anklage gegen acht ehemalige Vorstandsmitglieder. Diese hätten sich über die im Rahmen des Erwerbsprozesses aufgedeckten Bedenken bewusst hinweggesetzt.

19. Juni 2012

Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess um Schadenersatzforderungen in Höhe von 200 Millionen Euro gegen die früheren Top-Manager. Das Gericht schlägt einen Vergleich in Höhe von 25 Millionen Euro vor. Das lehnt die BayernLB später ab.

10. Oktober 2012

Der Verkauf der HGAA an die BayernLB beschäftigt auch österreichische Gerichte: Der Ex-Landesparteichef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) aus Kärnten, Josef Martinz, wird zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Martinz hatte bei Verkauf der Bank Geld in die Parteikasse abgezweigt. Er legte Berufung ein.

4. Dezember 2012

Nach dem Zahlungsstopp der HGAA will Finanzminister Markus Söder (CSU) den Fall bei der EU-Kommission anzeigen.

13. Dezember 2012

Die HGAA setzt mit sofortiger Wirkung alle Rückzahlungen von Krediten in Milliardenhöhe an die BayernLB aus. Die bayerische Landesbank kündigt postwendend einen Prozess gegen ihre ehemalige Tochter an. Die Republik Österreich, die ebenfalls mit dem Gedanken einer Klage zur Rückabwicklung des Kaufs der HGAA wegen Irrtums oder arglistiger Täuschung spielte, verzichtet zunächst darauf.

7. August 2013

Das Landgericht München lässt die Anklage gegen die ehemaligen Vorstände im zentralen Punkt des HGAA-Fehlkaufs nicht zu. Die Staatsanwaltschaft legt umgehend Beschwerde dagegen ein.

8. August 2013

Bei der Aufarbeitung des Milliarden-Fehlkaufs entbrennt ein handfester Justizstreit. Die Staatsanwaltschaft wehrt sich heftig gegen Kritik des Landgerichts, nicht ausreichend gegen ehemalige Verwaltungsräte der BayernLB vorgegangen zu sein.

24. Oktober 2013

Das Oberlandesgericht München folgt der Sichtweise der Staatsanwaltschaft und verfügt, dass die Anklage gegen die Vorstände - mit Ausnahme eines früheren Managers - zulässig ist.

27. Januar 2014

Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess gegen sieben ehemalige Vorstandsmitglieder der BayernLB wegen des Verdachts der Untreue. Sie sollen sich beim Kauf der HGAA über Bedenken hinweggesetzt und einen viel zu hohen Preis bezahlt haben.

Das derzeit größte Thema sind die laufenden Verhandlungen über den von der EU erzwungenen MKB-Verkauf. Nach Informationen aus Finanzkreisen interessiert sich die größte ungarische Bank OTP für die defizitäre Tochter, die Verhandlungen laufen auf Hochtouren. Gestritten werde aber noch über den Kaufpreis, der auch die große Unbekannte in der Rechnung für das Gesamtjahr ist. Denn die MKB leidet unter der schwachen Wirtschaft im Heimatmarkt, der ungarischen Bankenabgabe sowie einer 2013 eingeführten Finanztransaktionssteuer. Im ersten Quartal konnte die Krisentochter ihren Verlust aber immerhin auf neun Millionen von 61 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum eindämmen, was der laufenden Restrukturierung zu verdanken ist.

Im Kerngeschäft tut sich die BayernLB im Moment schwer. Bei den Firmenkunden sei die Kreditnachfrage verhalten und der Wettbewerb groß, erklärte das Institut. Die laufende Schrumpfkur kostet ebenfalls Kraft: Bis 2017 will das Institut rund 450 Stellen abbauen. Für Abfindungen und andere damit verbundene Aufwendungen legte das Geldhaus Ende vergangenen Jahres bereits 135 Millionen Euro zurück.

In den Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) geht die BayernLB mit einer vergleichsweise dicken Kapitaldecke: Die harte Kernkapitalquote nach den strengeren Basel-III-Standards lag per Ende März bei 13 Prozent. Eingerechnet sind darin allerdings die Stillen Einlagen des Freistaates Bayern. Völlig unklar ist, was die BayernLB vielleicht noch für ihre frühere Tochter Hypo Alpe Adria aufbringen muss.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×