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11.01.2017

16:28 Uhr

Unicredit

Anleger werden bei Kapitalerhöhung mit Rabatt geködert

Am Donnerstag wird im Rahmen der Hauptversammlung über die 13 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung abgestimmt. Segnen die Aktionäre das Vorhaben Mustiers ab, dürfte es kurz nach dem 9. Februar starten.

Unicredit ist ins Straucheln geraten und setzt auf die Unterstützung der Großaktionäre. Reuters

Die Unicredit Hauptzentrale in Mailand

Unicredit ist ins Straucheln geraten und setzt auf die Unterstützung der Großaktionäre.

MailandDie größte italienische Bank Unicredit muss den Aktionären bei ihrer Rekord-Kapitalerhöhung einen kräftigen Preisabschlag auf den Aktienkurs bieten. Die neuen Papiere, mit denen die Mutter der Münchner HypoVereinsbank (HVB) 13 Milliarden Euro einsammeln will, sollen voraussichtlich zu einem Preis zwischen 1,20 und 1,30 Euro ausgegeben werden, sagte eine mit den Berechnungen vertraute Person. Das ist ein Abschlag von 30 bis 40 Prozent auf den um den Wert des Bezugsrechts bereinigten Aktienkurs (TERP). Am Mittwoch notierten die Unicredit Titel bei 2,61 Euro.

Angesichts des Volumens der bislang größten Kapitalerhöhung in Italien ist ein solcher Abschlag nicht überraschend: Die Aktionäre kalkulieren ein, dass sich ihr Anteil an den Gewinnen von Unicredit massiv verwässert. Die Bank ist an der Börse 16,6 Milliarden Euro wert. Die Hauptversammlung soll am Donnerstag formal die Weichen für die Kapitalerhöhung stellen. Starten dürfte sie kurz nach dem 9. Februar, an dem die Bank ihre Bilanz für 2016 vorlegt.

Warum italienische Banken in der Klemme stecken

Faule Kredite und flaues Wachstum

Italiens Wirtschaft gilt als chronisch wachstumsschwach und dümpelt nach einer schweren Rezession weiter vor sich hin. Als Folge der Krise haben die Banken unter den Augen der Aufseher einen Berg an Problem-Darlehen in Höhe von 356 Milliarden Euro angehäuft. Viele dieser Kredite wurden an Firmen vergeben. Der Präsident des Mannheimer ZEW-Instituts, Achim Wambach, hält die angespannte Lage der Finanzbranche für gefährlich und spricht von "durchaus beachtlichen wirtschaftlichen Risiken".

Hoher Kapitalbedarf

Die schwere Last durch die vielen faulen Kredite sorgt dafür, dass die ohnehin zumeist wenig rentabel arbeitenden Geldhäuser mehr Kapital als Puffer vorhalten müssen. Die Institute in Italien brauchen in den kommenden Monaten Schätzungen zufolge zwischen 20 und 40 Milliarden Euro an Kapital, um die Bilanz zu bereinigen und den Abbau fauler Kredite zu finanzieren. Ihr Filialnetz ist im europäischen Vergleich überaus eng geknüpft, was zusätzliche Kosten verursacht. Unicredit setzt nun die Axt auch beim Personal an.

Politische Unsicherheit

Regierungschef Matteo Renzi hat nach seiner klaren Niederlage beim Verfassungsreferendum das Handtuch geworfen. Obwohl mit Paolo Gentiloni rasch ein reformorientierter Nachfolger gefunden wurde, gibt es weiter die Furcht, dass bei Neuwahlen europa-skeptische Populisten Oberwasser erhalten könnten. In diesem Klima der Unsicherheit ist es für die Banken schwierig, das Vertrauen der Investoren für Kapitalerhöhungen zu finden. Insbesondere die angeschlagene Monte dei Paschi di Siena (MPS) bekommt die Zurückhaltung zu spüren.

EZB macht Druck

Die MPS muss bis zum Jahresende fünf Milliarden Euro bei Anlegern einsammeln. Experten sind aber skeptisch, dass dies gelingt. Eine Fristverlängerung lehnen die Frankfurter Bankenaufseher von der EZB ab. Zudem muss die Bank aus der Toskana ihre faulen Kredite bis 2018 um 40 Prozent auf 14,6 Milliarden Euro abbauen.

Unicredit will die dünne Kapitaldecke mit 13 Milliarden Euro aufpolstern, doch nicht sofort: Das Manöver soll bis Juni 2017 umgesetzt sein. Just für jenen Monat erwartet Renzi Neuwahlen. Zuvor will die Mutter der Münchner HypoVereinsbank noch mit ihrer Fondssparte Pioneer Kasse machen: Der 3,5 Milliarden Euro schwere Verkauf an die französische Amundi soll in der ersten Jahreshälfte 2017 über die Bühne gehen.

Staat kann nicht ohne weiteres Retter spielen

Italiens Bankenrettungsfonds Atlante ist im April ins Leben gerufen worden, um den Kriseninstituten des Landes zu helfen. Die Mehrheit halten private Investoren. Mit ihrer Hilfe gelang es, die in Schieflage geratene Banca Popolare di Vicenza aufzufangen. Der Fonds ist allerdings noch im Aufbau. Wenn eine Bank wie etwa MPS rasch Geld benötigen sollte, dürfte wieder der Ruf nach dem Staat als Retter laut werden. Doch anders als nach der weltweiten Finanzkrise 2008 verfügt Europa inzwischen über ein Regelwerk im Umgang mit maroden Banken. Eigentümer und Gläubiger sollen für Verluste bluten und nicht mehr primär die Steuerzahler. Bei MPS wären davon auch Zehntausende Kleinanleger betroffen - ein Politikum.

Der neue Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier kann dabei offenbar auf die Unterstützung der Großaktionäre zählen. Der zweitgrößte Anteilseigner, der Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi, hat signalisiert, seine Beteiligung nicht verwässern lassen zu wollen, wie drei Insider sagten. Das hatte zuvor die Zeitung „Il Messaggero“ berichtet. Aabar habe Vertrauen in die Strategie des Franzosen, betonte einer der Insider. Um ihren Anteil von fünf Prozent zu halten, müssten die Araber bei der Kapitalerhöhung Aktien für 650 Millionen Euro zeichnen. Unicredit und Aabar wollten sich dazu nicht äußern.

Von

rtr

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