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22.06.2011

06:12 Uhr

Unicredit-Interview

"Wir als Bank werden bestraft"

Unicredit ist über die Österreich-Tochter Bank Austria die Nummer eins in Osteuropa. Handelsblatt-Korrespondent Stefan Menzel sprach mit Osteuropa-Chef Papa darüber, wo neue Beschränkungen die Bank besonders treffen.

Unicredits Osteuropa-Chef Gianni Papa. Quelle: Reuters

Unicredits Osteuropa-Chef Gianni Papa.

WienHerr Papa, immer wieder wird davon gesprochen, dass die Osteuropa-Krise zu Ende ist. Ist sie nun wirklich vorüber?

Wir sind vorsichtig optimistisch. Die Arbeitslosigkeit fällt und die private Nachfrage steigt. Die guten Anzeichen aus dem ersten Quartal müssen sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Noch sind wir nicht aus allen Schwierigkeiten heraus.

Müssen Sie heute bei der Kreditvergabe nicht viel vorsichtiger als vor der Finanzkrise werden?

Wir waren auch schon vor der Finanzkrise vorsichtig. Damals gab es nur viel mehr an verfügbarem Kapital, das die Banken zu günstigen Zinssätzen an die Kreditkunden weitergeben konnten.

Gibt es noch andere Unterschiede zur Vorkrisenzeit?
Damals waren auch die einzelnen Länderrisiken nicht eingepreist. Das ist auf jeden Fall ein Unterschied: Heute sehen wir uns jedes Land sehr genau für sich an. Früher gab es einfach nur  die gesamte Region Osteuropa. Das alles führt natürlich dazu, dass die Preise, also die Zinsen, steigen werden. Die Wachstumsraten im Osten werden aber auch in Zukunft höher als in Westeuropa sein. Deshalb ist die Region unverändert interessant für uns.

Was heißt das konkret: Wir sehen uns jedes Land im Einzelfall an?
Wir haben jetzt mehrere Ländergruppen gebildet: mit höheren und mit niedrigeren Wachstumsaussichten. Länder wie Polen, Russland oder Rumänien zählen wir zu den echten Wachstumsmotoren, auch die Türkei rechnen wir dazu. Länder wie Tschechien oder die Slowakei bilden die Gruppe, wo sich bereits eine gewisse Konsolidierung beobachten lässt. Im Baltikum, in der Ukraine und in Kasachstan als letzter Gruppe sind die Risiken am größten.

Was bedeutet das praktisch?

Wir setzen Prioritäten und wollen an erster Stelle in den Ländern am stärksten wachsen, die wir als Wachstumsmotoren bezeichnen. In der zweiten Ländergruppe sind wir bereits stark vertreten, dort wollen wir unsere Marktposition halten.

In Tschechien haben Sie zur Kostensenkung einen Versuch mit Franchise-Filialen gestartet. Ein Modell für andere Länder?

Das könnte man durchaus auch in anderen Ländern wiederholen. Wir wollen aber jetzt erst einmal abwarten, wie sich das Ganze in Tschechien entwickelt. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass wir mit diesen „Unicredit-Express“-Filialen sehr zufrieden sind. Sie sind natürlich kostengünstiger als eine Filiale, die wir komplett selbst betreiben.

Insgesamt werden Sie sich mit bescheideneren Gewinnsteigerungen als vor der Krise zufriedengeben müssen?

Noch einmal: Die Wachstumsraten im Osten werden künftig immer noch etwa doppelt so hoch ausfallen wie in Westeuropa, das bestätigt auch der Internationale Währungsfonds. In der Zukunft werden wir in der Region Osteuropa gesundes Wachstum sehen, wahrscheinlich gesünder als vor der Finanzkrise.

Werden wir künftig einen Konsolidierungsprozess unter den Banken in Osteuropa erleben? Man wird sich aus einzelnen schwächeren Ländern oder schwächeren Teilmärkten zurückziehen und sie der Konkurrenz anbieten?

Grundsätzlich bietet sich so etwas an. Aber wahrscheinlich werden die Banken in Osteuropa immer sehr ähnliche Geschäftsbereiche zum Kauf anbieten. Deshalb sollte das Interesse der Konkurrenz ziemlich eingeschränkt sein.

Gibt es konkrete Verkaufsüberlegungen bei Unicredit?
Grundsätzlich kann man weder Ver- noch Zukäufe nie ausschließen. Aber derzeit haben wir keine entsprechenden Pläne.

Etliche Länder in Osteuropa wollen jetzt eine Bankensteuer einführen. Ein neues Problem?

Das muss man sich im Einzelfall ansehen. Wenn eine Bankensteuer dazu dient, das gesamte Finanzsystem eines Landes krisenfester zu machen, dann geht es grundsätzlich in Ordnung. In vielen Ländern geht es aber leider darum, einfach nur Haushaltslöcher zu stopfen. Solche Bankensteuern führen dann dazu, dass letztlich die Bevölkerung bestraft wird. Die Zinsen gehen hoch, es gibt weniger Kredite. Wir als Bank werden bestraft, weil wir die Bankensteuern manchmal doppelt in mehreren Ländern bezahlen müssen.

Von

zel

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