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28.11.2011

16:22 Uhr

Unicredit

Kapitalerhöhung war Investmentbanken zu heiß

In der Schuldenkrise ist nichts mehr wie früher. Da steht die Kapitalerhöhung des Jahres bei Italiens Großbank Unicredit an und sie ist den Investmentbankern zu heiß. Statt der Chancen, sehen sie vor allem die Risiken.

Unicredit muss nach neuen Milliardenverlusten erneut den Kapitalmarkt anzapfen. Reuters

Unicredit muss nach neuen Milliardenverlusten erneut den Kapitalmarkt anzapfen.

LondonNormalerweise wollen Investmentbanker möglichst viele Transaktionen begleiten, Provisionen absahnen, Ruhm einheimsen und in der Liste der wichtigsten Berater ganz oben stehen. Doch in der Euro-Schuldenkrise ist nichts mehr wie früher. Da steht die größte Kapitalerhöhung in diesem Jahr an, und einige Investmentbanken sehen vor allem die Risiken - nicht wie sonst die Chancen. So geschehen bei der geplanten 7,5 Milliarden Euro schweren Kapitalmaßnahme der italienischen Großbank Unicredit: Den US-Instituten Goldman Sachs und Morgan Stanley war der geplante Deal angesichts der kritischen Lage Italiens zu heiß, wie die Thomson-Reuters-Tochter IFR jetzt herausgefunden hat.

Unicredit muss nach neuen Milliardenverlusten wegen hoher Abschreibungen auf Anleihen in Euro-Krisenländern erneut den Kapitalmarkt anzapfen. Ein Konsortium aus 14 Geldhäusern hat die Finanzspritze garantiert. Sollten sich keine Investoren dafür finden, bleiben die Banken zunächst darauf sitzen. Jedes Institut übernimmt jeweils 700 bis 850 Millionen Euro, wie eine Unicredit nahestehende Person sagte. Dafür bekämen die Banken zwei bis 2,5 Prozent der Summe an Provisionen.

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Was sich im Vorfeld der Ankündigung Mitte November hinter den Kulissen abspielte, wirft ein Schlaglicht auf die gegenwärtige Politik der Investmentbanken. Goldman Sachs, Morgan Stanley und JP Morgan hatten Finanzkreisen zufolge zunächst mit aller Macht versucht, die Führungsrolle unter den Beratern zu bekommen. Als sie damit scheiterten, zogen sie sich zurück, lediglich JP Morgan gab sich später noch mit einer etwas weniger wichtigen Rolle zufrieden. Die anderen US-Institute wollten wegen des Risikos eines Scheiterns der Transaktion die Kontrolle über den Deal haben, sagte ein Insider.

Globale Koordinatoren sind nun der langjährige Unicredit-Berater Bank of America Merrill Lynch sowie der italienische Partner des Instituts, Mediobanca, und Unicredit selbst. In dieser Funktion können die Banken zentrale Punkte der Transaktion selbst bestimmen, wie etwa den genauen Zeitpunkt der Kapitalerhöhung. In weniger einflussreichen Rollen gehören unter anderem die Deutsche Bank, Credit Suisse und UBS zum Konsortium. Goldman und Morgan Stanley wären nur bereit gewesen, die Risiken einzugehen, wenn sie und nicht Unicredit-nahe Banken als globale Koordinatoren benannt worden wären, sagte eine weitere mit dem Deal vertraute Person. Die Banken lehnten eine Stellungnahme ab.

Unicredit-Aktien haben in diesem Jahr die Hälfte an Wert verloren - Investoren machen sich vor allem Sorgen über das hohe Engagement des Instituts in seinem Heimatland. Italien muss mittlerweile rekordhohe Zinsen an den Kapitalmärkten zahlen. Sollte Unicredit Anfang 2012 mit der Kapitalerhöhung die geplanten 7,5 Milliarden Euro einnehmen, entspräche das der Hälfte des derzeitigen Marktwerts. Die Maßnahme geht daher mit einer drastischen Verwässerung für die Altinvestoren einher. Ob die Summe zusammen kommt, ist angesichts des Investoren-Misstrauens aber noch offen. Der kleinere italienische Wettbewerber Banca Popolare di Milano hatte zuletzt noch nicht einmal 800 Millionen Euro einsammeln können.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Wozu_INVESTMENTBANKEN

28.11.2011, 18:05 Uhr

Wozu braucht die Menschheit eigentlich Investmentbanken?

misterx

28.11.2011, 20:16 Uhr

Damit die fetten Autos verkauft werden können, die immer auf der linken Spur bei über 200 drängeln...

Account gelöscht!

28.11.2011, 22:07 Uhr

Also ehrlich, wer bei der Kapitalerhöhung mitmacht, ist wirklich selber Schuld. UniCredit hat um die 50 Mrd. an italienischen Staatsanleihen, davon würde ich niemals Aktien kaufen, und hätte sie längst verkauft, wenn ich welche gehabt hätte.
Dabei halte ich es für möglich, dass Italien es schafft, der Markt hält das aber eher für weniger wahrscheinlich. Und das zählt.
Denn wenn der Markt das glaubt, kriegt Italien auch keine neuen Staatsanleihen an den Mann, und dadurch wäre es wahrscheinlicher, dass Italien es nicht schafft.

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