Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.11.2015

15:30 Uhr

Unicredit spart drastisch

Hypo-Vereinsbank-Mutter streicht 18.000 Stellen

VonMichael Maisch

Die Muttergesellschaft der Hypo-Vereinsbank startet ein drastisches Sparprogramm. Konzernweit baut Unicredit mehr als jeden zehnten Arbeitsplatz ab. Das trifft auch deutsche Arbeitnehmer.

Stellenabbau in Größenordnungen wie bei Deutscher Bank und Credit Suisse. Reuters

Unicredit-Zentrale in Mailand

Stellenabbau in Größenordnungen wie bei Deutscher Bank und Credit Suisse.

MailandFür Federico Ghizzoni steht viel auf dem Spiel. Nach fünf Jahren an der Spitze der italienischen Großbank Unicredit, war dem 60jährigen klar, dass es heute bei der Vorstellung der neuen Strategie auch um seinen Job geht. Ghizzoni muss die Investoren von Italiens größter und europäischster Bank davon überzeugen, dass er Unicredit wieder auf Kurs bringen kann. Und zwar ohne die Aktionäre noch einmal zur Kasse zu bitten. Ansonsten könnte seine Zeit als Vorstandschef  schnell zu Ende gehen.

Deshalb streicht Ghizzoni jetzt das Filialnetz zusammen und will in den nächsten drei Jahren 18.200 Stellen abbauen. Das trifft insbesondere Osteuropa. Noch nie in seiner Amtszeit war der Druck der Anleger so groß, nachdem die bisherigen Pläne des Vorstandschefs von zu optimistischen Konjunkturprognosen ausgegangen waren. Lange genoss der bodenständige Manager, der seine gesamte Karriere bei Unicredit verbracht hat, den Ruf eines leisen, aber effizienten Sanierers. Jetzt muss er sich gegen den Verdacht wehren, zu sanft und zu nachgiebig zu sein und will beweisen, dass er hart durchgreifen kann. Das heißt: realistischere Gewinnziele, die Trennung von Unternehmensteilen und deutlich niedrigere Kosten.

Stellenabbau-Pläne europäischer Großbanken

Barclays

Derzeit: 132.300 Mitarbeiter

Abgebaut werden: 19.000 Stellen bis 2016

Bei Barclays waren zunächst 30.000 Stellen im Gespräch, die wurden jedoch nicht bestätigt. Der Plan sieht vor 19.000 Stellen bis 2016 zu streichen.

Credit Suisse

Derzeit: 140.000 Stellen

Abgebaut werden: 19.000 Stellen

Deutsche Bank

Derzeit: 103.000 (nach geplanter Festeinstellung externer Kräften)

Abgebaut werden: 26.000 Stellen (ein Großteil durch Verkauf der Postbank)

HSBC

Derzeit: 259.834 Mitarbeiter

Abgebaut werden: 50.000 Stellen bis 2017

Standard Chartered

Derzeit: 84.000 Mitarbeiter

abgebaut werden: 15.000 Stellen

Unicredit

Derzeit: 146.600 Mitarbeiter

Abgebaut werden: 18.200 Stellen, 6.000 davon durch die Abspaltung der Fondsgesellschaft Pioneer und den Verkauf der Ukraine-Tochter

Vor allem Österreich ist von dem Sparprogramm betroffen: Das Privatkundengeschäft der Bank Austria  soll bis Ende 2016 restrukturiert oder aufgegeben werden. Es geht um das Geschäft mit 1,7 Millionen Privatkunden sowie kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Österreich, das in 250 Filialen von mehr als 4000 Mitarbeitern betreut wird. 

Außerdem will der Vorstandschef die in Wien angesiedelte Holding für das Osteuropa-Geschäft auflösen. Diesen Teil des Konzerns will Ghizzoni in Zukunft von der Zentrale in Mailand aus steuern. Unicredit hatte der Bank Austria bei der Übernahme der Hypo-Vereinsbank (HVB) zugesagt, das Geschäft in Mittel- und Osteuropa von Wien aus zu lenken. Das Versprechen gilt allerdings nur noch bis März 2016. In dieser Region gilt das Kostenproblem als besonders gravierend.

Insgesamt soll das Filialnetz in Italien, Österreich und Deutschland um 800 Zweigstellen schrumpfen. Die Tochter in der Ukraine wird verkauft. 6000 Arbeitsplätze sollen allein dadurch und durch die Trennung von der Fonds-Tochter Pioneer wegfallen, die mit dem Vermögensverwalter der spanischen Großbank Santander verschmolzen wird. Mit diesen drastischen Einschnitten will Ghizzoni die Kosten bis 2018 um 1,6 Milliarden Euro senken.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Vinzo Query

11.11.2015, 15:57 Uhr

>> dass es heute bei der Vorstellung der neuen Strategie auch um seinen Job geht. >>

Es naht wohl die Zeit der ZINSWENDE ! Die kleinen Terrabömbchen in Kellern der Bad-Banks ( Derivate ) werden dann wohl auch wieder an die Oberfläche kommen und müssen verwertet werden ( In Billionen-€-Höhe ). Das Geld muss man dann wieder reinholen.....durch Einsparungen der Gehälter des "Kleinen Bankangestellten" !

So funktioniert halt die Welt der Ausbeuter !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×