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03.09.2015

20:43 Uhr

Unicredit streicht 10.000 Stellen

Der große Aderlass

VonKatharina Kort, Daniel Schäfer

Die italienische Großbank Unicredit kappt mehr als 10.000 Stellen. Betroffen ist davon auch die deutsche HVB. Das Gros der Streichungen aber ist für Italien geplant. Zudem gibt es Verkaufspläne für einige Töchter.

Viele Arbeitnehmer der italienischen Bank zittern um ihre Jobs. Reuters

Unicredit vor Jobkahlschlag

Viele Arbeitnehmer der italienischen Bank zittern um ihre Jobs.

Mailand, Frankfurt
Federico Ghizzoni greift durch. Der Unicredit-Chef will die italienische Großbank in seiner drei Jahre währenden Amtszeit fit für die Zukunft machen – und den hinterherhinkenden Aktienkurs endlich nach oben treiben. Dazu setzt der 59-Jährige den Rotstift an: Weit mehr als 10.000 Stellen sollen nach Angaben aus Unternehmenskreisen gruppenweit wegfallen – teils durch den Verkauf von Töchtern in Osteuropa.

Ghizzoni hatte bereits Anfang dieser Woche mit einem Handelsblatt-Interview für Furore gesorgt, in dem er die Verlagerung bestimmter Funktionen der deutschen Hypo-Vereinsbank nach Mailand ankündigte. Dadurch sollen Doppelstrukturen vermieden und Kosten gesenkt werden.

Der Plan ist Teil eines größeren Sparprogramms, mit dem Ghizzoni die Unicredit wieder flottmachen will. Investoren hatten zuletzt vor allem die Entwicklung des Aktienkurses – die der des heimischen Rivalen Intesa hinterherhinkt – und die Kapitalausstattung der Bank kritisiert. Wie andere Großbanken leidet auch Unicredit unter dem Niedrigzins-Niveau.

Als Teil des noch nicht finalisierten Spardiktats sollen in der Gruppe rund 10.000 Stellen gekürzt werden, fast sieben Prozent der gesamten Belegschaft. Weiteres Personal soll durch den Verkauf einzelner Landesgesellschaften in Osteuropa wegfallen, wo Unicredit eine weit verzweigte Präsenz hat. Derzeit verhandelt die Bank bereits mit der russischen Alfa-Gruppe über eine Veräußerung der ukrainischen Tochtergesellschaft, eine Absichtserklärung ist unterzeichnet. Nun will sich Unicredit aus weiteren Ländern verabschieden.

Unicredit-Chef Federico Ghizzoni: „Wir wollen schlanker werden“

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Der Vorstandschef der italienischen Großbank Unicredit will bei der Münchener Tochter Hypo-Vereinsbank sparen. Zentrale Funktionen des Instituts sollen von München nach Mailand verlagert werden.

Der Großteil des Arbeitsplatzabbaus soll in Italien stattfinden, die deutsche HVB und die österreichische Bank Austria werden in absoluten Zahlen etwas weniger betroffen sein. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg sind 2700 Stellen bereits in einem früheren Programm angekündigt worden.

Ghizzoni sagte am Donnerstag am Rande einer Fotoausstellung, es sei zu früh für konkrete Zahlen. „Ich kommentiere nicht, weil wir den Plan im November oder auf jeden Fall vor Jahresende vorlegen.“ Im Handelsblatt-Interview hatte der Bankmanager gruppenweite Einschnitte vor allem in nachgelagerten Funktionen wie dem Risikomanagement und der Buchführung angekündigt. Diese könnten auch dank der Bankenunion zentral in Mailand angesiedelt werden. Ghizzoni will zudem Filialen streichen und die Kunden mehr auf digitale Kanäle lenken.

„Wir müssen die Kosten-Ertrags-Relation auf Gruppenebene verbessern. Das bedeutet natürlich, dass alle Einzelteile der Gruppe ihren Teil dazu beitragen müssen – auch die HVB“, sagte er. Die Nachricht hatte für große Besorgnis und Verunsicherung in der HVB-Belegschaft gesorgt. Nicht nur wegen der Stellenkürzungen, sondern auch, weil die Bank zehn Jahre nach der Übernahme durch die Italiener an die kürzere Leine genommen wird. Die HVB ist ineffizienter als die Gruppe insgesamt. Ihre Kosten-Ertrags-Quote liegt bei 75 Cent pro Euro, während die Mutter pro Euro nur auf 60 Cent Kosten kommt.

Unicredit ist in 17 Ländern mit insgesamt 147.000 Mitarbeitern präsent. Nach dem Geschäftsplan vom Frühjahr will die Bank im Jahr 2018 rund 6,6 Milliarden Euro Gewinn schreiben. Daran hält Ghizzoni weiter fest. Das wollen die Mailänder durch Kostensenkungen und Verkäufe erreichen. Im zweiten Quartal hatte Unicredit die Investoren mit einem Gewinn von 522 Millionen Euro überrascht. Das lag vor allem an geringeren Rückstellungen für faule Kredite. Die wichtige Kernkapital-Quote wird sich laut Unicredit dank Verkäufen und Reserven auf 10,84 Prozent verbessern.

Die Investoren reagierten positiv auf die Nachricht über Stellenstreichungen. Die Aktie legte am Donnerstag um mehr als vier Prozent zu. Schließlich erwarten die Anleger den neuen Geschäftsplan mit Spannung. Analysten von Berenberg gehen davon aus, dass die Bank ihre Kosten um 1,6 Milliarden Euro reduzieren kann – was rund zwölf Prozent ihrer Gesamtkosten entspricht. Die Analysten von Mediobanca schreiben, der kommende Plan könnte ein wichtiger Moment für Investoren sein, „der eine Kostensenkungs-Story in Deutschland, eine Erholungs-Story bei faulen Krediten und eine Turnaround-Story in Italien“ biete.

Sollte alles nach Plan verlaufen, könnte Ghizzoni somit zum Vertragsende in drei Jahren eine glänzende Bilanz vorweisen.

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