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30.01.2017

13:11 Uhr

Unicredit vs. Hypo-Vereinsbank

München muss für Mailand zahlen

VonRegina Krieger

Die EZB setzt die italienische Großbank Unicredit unter Druck. Bis Ende Februar soll ein Plan für den Umgang mit faulen Darlehen vorliegen. Deswegen fließen Milliarden von der Tochter Hypo-Vereinsbank nach Mailand.

Die italienische Großbank steckt in der finanziellen Klemme. Nun machen die EZB-Aufseher Druck. dpa

Unicredit

Die italienische Großbank steckt in der finanziellen Klemme. Nun machen die EZB-Aufseher Druck.

MailandDie Europäische Zentralbank (EZB) wacht unerbittlich über Italien – und nicht nur über die Krisenbank Monte dei Paschi: Bis Ende Februar muss die Mailänder Bank Unicredit eine Strategie vorlegen, wie sie mit ihren faulen Krediten umgehen will. Diese betragen immerhin 17,7 Milliarden Euro. Das teilte die Großbank selbst zu Wochenbeginn mit. Der Unicredit-Kurs an der Piazza Affari brach am Morgen ein und wurde teilweise vom Handel ausgesetzt.

Die Forderung der EZB steht schwarz auf weiß auf Seite 4 eines Konvoluts von 1049 Seiten, das die HVB-Mutter am Montag morgen veröffentlichte. Das umfangreiche Registrierungsdokument  für die Kapitalerhöhung von 13 Milliarden Euro hatte die Börsenaufsicht Consob zuvor am Freitag in Rom gebilligt. Damit geht die  größte Kapitalerhöhung in Italien in die entscheidende Runde. Bis zum 30. Juni soll das Mammutunternehmen über die Bühne gehen.

Warum italienische Banken in der Klemme stecken

Faule Kredite und flaues Wachstum

Italiens Wirtschaft gilt als chronisch wachstumsschwach und dümpelt nach einer schweren Rezession weiter vor sich hin. Als Folge der Krise haben die Banken unter den Augen der Aufseher einen Berg an Problem-Darlehen in Höhe von 356 Milliarden Euro angehäuft. Viele dieser Kredite wurden an Firmen vergeben. Der Präsident des Mannheimer ZEW-Instituts, Achim Wambach, hält die angespannte Lage der Finanzbranche für gefährlich und spricht von "durchaus beachtlichen wirtschaftlichen Risiken".

Hoher Kapitalbedarf

Die schwere Last durch die vielen faulen Kredite sorgt dafür, dass die ohnehin zumeist wenig rentabel arbeitenden Geldhäuser mehr Kapital als Puffer vorhalten müssen. Die Institute in Italien brauchen in den kommenden Monaten Schätzungen zufolge zwischen 20 und 40 Milliarden Euro an Kapital, um die Bilanz zu bereinigen und den Abbau fauler Kredite zu finanzieren. Ihr Filialnetz ist im europäischen Vergleich überaus eng geknüpft, was zusätzliche Kosten verursacht. Unicredit setzt nun die Axt auch beim Personal an.

Politische Unsicherheit

Regierungschef Matteo Renzi hat nach seiner klaren Niederlage beim Verfassungsreferendum das Handtuch geworfen. Obwohl mit Paolo Gentiloni rasch ein reformorientierter Nachfolger gefunden wurde, gibt es weiter die Furcht, dass bei Neuwahlen europa-skeptische Populisten Oberwasser erhalten könnten. In diesem Klima der Unsicherheit ist es für die Banken schwierig, das Vertrauen der Investoren für Kapitalerhöhungen zu finden. Insbesondere die angeschlagene Monte dei Paschi di Siena (MPS) bekommt die Zurückhaltung zu spüren.

EZB macht Druck

Die MPS muss bis zum Jahresende fünf Milliarden Euro bei Anlegern einsammeln. Experten sind aber skeptisch, dass dies gelingt. Eine Fristverlängerung lehnen die Frankfurter Bankenaufseher von der EZB ab. Zudem muss die Bank aus der Toskana ihre faulen Kredite bis 2018 um 40 Prozent auf 14,6 Milliarden Euro abbauen.

Unicredit will die dünne Kapitaldecke mit 13 Milliarden Euro aufpolstern, doch nicht sofort: Das Manöver soll bis Juni 2017 umgesetzt sein. Just für jenen Monat erwartet Renzi Neuwahlen. Zuvor will die Mutter der Münchner HypoVereinsbank noch mit ihrer Fondssparte Pioneer Kasse machen: Der 3,5 Milliarden Euro schwere Verkauf an die französische Amundi soll in der ersten Jahreshälfte 2017 über die Bühne gehen.

Staat kann nicht ohne weiteres Retter spielen

Italiens Bankenrettungsfonds Atlante ist im April ins Leben gerufen worden, um den Kriseninstituten des Landes zu helfen. Die Mehrheit halten private Investoren. Mit ihrer Hilfe gelang es, die in Schieflage geratene Banca Popolare di Vicenza aufzufangen. Der Fonds ist allerdings noch im Aufbau. Wenn eine Bank wie etwa MPS rasch Geld benötigen sollte, dürfte wieder der Ruf nach dem Staat als Retter laut werden. Doch anders als nach der weltweiten Finanzkrise 2008 verfügt Europa inzwischen über ein Regelwerk im Umgang mit maroden Banken. Eigentümer und Gläubiger sollen für Verluste bluten und nicht mehr primär die Steuerzahler. Bei MPS wären davon auch Zehntausende Kleinanleger betroffen - ein Politikum.

Und zu den Vorbereitungen der Kapitalerhöhung gehört, dass die Mailänder Bank im laufenden Jahr eine Sonderdividende von drei Milliarden Euro von der Tochter HVB aus München abzieht. Das teilte die Bank am Montag mit. Ein Insider sagte Reuters, die deutschen Aufsichtsbehörden sähen mit Sorge, dass die HVB durch den Mittelabfluss geschwächt werde: „Wir sind nicht erfreut“.

Die Kapitalerhöhung ist nicht ohne Risiken, wie die Bank selbst zugibt: Das Problem der faulen Kredite könnte einmalige negative Auswirkungen auf das Nettoergebnis des vierten Quartals 2016 haben, steht im Registrierungsdokument. Der Konzernumbau führte im vierten Quartal zu Abschreibungen von 12,2 Milliarden Euro. Und das könne auch Auswirkungen auf den Jahresabschluss haben.  Die Bank will am 9. Februar, dann trifft sich der Verwaltungsrat, ihre Zahlen für 2016 bekannt geben. Eine Dividendenzahlung könne ausgesetzt werden, heißt es.

Weitere Risiken, die die EZB sieht, sind neben der Liquidität und der schwachen Rentabilität die Folgen der Geschäfte mit Russland und der Türkei. Als eine der ersten Amtshandlungen hatte der neue CEO Jean-Pierre Mustier die türkischen Tochtergesellschaft Yapi Kredi verkauft. Überprüfungen würden laufen,  steht in dem Registrierungsdokument.

Unicredit: Anleger werden bei Kapitalerhöhung mit Rabatt geködert

Unicredit

Anleger werden bei Kapitalerhöhung mit Rabatt geködert

Am Donnerstag wird im Rahmen der Hauptversammlung über die 13 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung abgestimmt. Segnen die Aktionäre das Vorhaben Mustiers ab, dürfte es kurz nach dem 9. Februar starten.

Die Treffen des Verwaltungsrats häufen sich – auch an diesem Montag soll laut Insidern eines stattfinden, das nächste am  Mittwoch, mit dem dann die Kapitalerhöhung starten soll. Mustier hatte im Dezember in London den neuen Strategieplan vorgelegt, dessen Kern die Suche nach frischem Kapital für die Bank mit 55000 Angestellten in 17 Ländern ist. Am 12. Januar hatten die Aktionäre dem Plan zugestimmt, der unter anderem auch Entlassungen vorsieht, um die Bank  rentabler zu machen. 14000 Stellen sollen in den kommenden Jahren wegfallen, davon rund 1500 bei der HVB.    

Analysten sind erstaunt über die Beschleunigung der Kapitalerhöhung. Am 6. Februar hätte die Operation eigentlich starten sollen, heißt es in einer Studie von ICBPI, dem Institut der italienischen Volksbanken. Es sei nicht auszuschließen, dass das Management vom guten Marktumfeld profitieren und so dem Risiko entgegenwirken wolle, dass die Operation unter schlechteren Vorzeichen  über die Bühne gehen müsse. Denn in den vergangenen drei Monaten sei der Kurs der Aktie um 16,4, Prozent gestiegen.

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