Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.12.2013

12:38 Uhr

Unregelmäßigkeiten im Vertrieb

Lloyds muss 33 Millionen Euro Strafe zahlen

Die Großbank Lloyds hat nach Ansicht der britischen Finanzaufsicht falsche Anreize für ihre Verkäufer gesetzt: Sie hätten Kunden immer wieder unnütze Produkte angeboten. Jetzt muss das Institut eine Rekordstrafe zahlen.

Eine Filiale der Lloyds Bank in London. Die Bank war in der Finanzkrise mit Milliarden vom Staat gerettet worden. ap

Eine Filiale der Lloyds Bank in London. Die Bank war in der Finanzkrise mit Milliarden vom Staat gerettet worden.

LondonDie britische Finanzaufsicht FCA hat die Großbank Lloyds wegen Unregelmäßigkeiten im Vertrieb zu einer Rekordstrafe verdonnert. Das in der Finanzkrise teilverstaatlichte Geldhaus müsse 28 Millionen Pfund (rund 33 Millionen Euro) zahlen, teilte die Behörde am Mittwoch mit.

Der Bank wurden falsche Anreize für das Vertriebsteam vorgehalten. Dadurch seien Kunden immer wieder Produkte verkauft worden, die sie nicht brauchten oder haben wollten. Auch wenn Banken für andere Verfehlungen - beispielsweise die Manipulation von Zinssätzen - schon viel höhere Strafen zahlen mussten, ist es eine Rekordbuße für die Art des Vertriebs von Finanzprodukten.

Durch das Anreizsystem innerhalb der Bank seien Mitarbeiter stark unter Druck gesetzt worden, um ihre vom Management gesetzten Ziele zu erreichen, den Bonus zu sichern oder nicht herabgestuft zu werden, erklärte die FCA. Der Fokus habe nicht auf den Wünschen der Kunden gelegen. "In einem Fall hat ein Berater Versicherungsprodukte an sich selbst, seine Frau und einen Kollegen verkauft, um eine Degradierung zu vermeiden", so die Aufseher.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Die FCA-Untersuchung bezog sich auf die Praktiken von Januar 2010 bis März 2012. In dieser Zeit wurden über zwei Millionen Finanzprodukte an ungefähr 700.000 Kunden verkauft, die dafür knapp zwei Milliarden Pfund investierten. Die FCA betonte aber auch, dass Lloyds mittlerweile das System verbessert habe.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×