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16.02.2004

08:22 Uhr

Unternehmen hat Verbindungen zum ehemaligen Mutterhaus Gerling endgültig gekappt

Kreditversicherer Atradius verdient wieder Geld

VonCaspar Dohmen

Der weltweit zweitgrößte Kreditversicherer Atradius (ehemals Gerling NCM) hat seine Verbindung zum ehemaligen Mutterhaus gekappt. „Die Verflechtungen mit dem ehemaligen Rückversicherer von Gerling haben wir vergangenes Jahr gelöst“, sagte Atradius-Vorstand Peter Ingenlath dem Handelsblatt.

KÖLN. Schon im August 2003 hatten Schweizer Rück und Deutsche Bank die Anteile des Gerling-Konzerns an Gerling NCM übernommen. Daneben sind Sal. Oppenheim sowie die spanischen Versicherer Crédito y Caución (CyC) und Seguros Catalana Occident beteiligt.

Durch die Herauslösung hat das Unternehmen gerade noch die Kurve genommen. „Die negativen Schlagzeilen über Gerling und dessen herabgestuftes Rating drohten uns zu schaden“, betont Ingenlath. Gerling war zwischenzeitlich von der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) auf das imageschädigende „BB+" herabgesetzt worden.

Besser erging es dem abgetrennten Kreditversicherer Gerling NCM. S&P bewertet die Gesellschaft heute mit „A“, Moody’s mit „A2“. Anfang 2004 wurde die Trennung von Gerling durch den neuen Namen Atradius deutlich gemacht.

Das Jahr 2003 stand erneut unter der „Überschrift Sanierung“, sagt Ingenlath. Die Prämien seien um bis zu 50 Prozent erhöht worden. 2004 erwartet er nur noch vereinzelte Preiserhöhungen.

Auch Klaus Flück, Kreditversicherungsmakler bei GFK, hält den Preisspielraum der Branche für ausgeschöpft: „Die Preise liegen mittlerweile am oberen Limit, eine Reihe Unternehmen kann sie schon nicht mehr bezahlen.“ Die entscheidende Frage sei, ob sinkende Schadensquoten und die Konkurrenzsituation zu Preisnachlässen führten.

Eine Handelskreditversicherung bietet Unternehmen Deckung für offene Forderungen aus Lieferungen und Dienstleistungen und schützt sie damit vor dem Risiko des Zahlungsausfalls oder der Insolvenz ihrer Kunden.

"Selbst gewählte Stagnation"

Den Markt der Kreditversicherer bestimmen wenige Gesellschaften: Die größten drei Anbieter Euler-Hermes, Atradius und Coface haben einen Anteil von 85 %. Die Konzentration würde noch größer, wenn Atradius seine Pläne umsetzten kann. Und Ingenlath macht keinen Hehl über den Wunschpartner CyC. „Ein Merger wäre die natürliche Konsequenz der begonnenen Zusammenarbeit,“ sagt er. CyC ist weltweit Nummer vier und ausschließlich auf der Iberischen Halbinsel aktiv. Eine Gelegenheit zu einer Fusion böte sich Atradius, sollte die spanische Regierung ihren 45 %igen Anteil an CyC verkaufen. „Crédito y Caución würde gut zu uns passen, nicht zuletzt, um das Geschäft in Lateinamerika zu forcieren“, sagt Ingenlath. Die Erfahrung zeigt, dass frisch privatisierte Kreditversicherer eng mit bestehenden Gesellschaften kooperieren oder von diesen absorbiert werden. Besonders für große Anbieter sehen Experten Wachstumsmöglichkeiten durch Übernahmen.

Nach einer „selbst gewählten Stagnation“ beim Umsatz erwartet Atradius für 2004 ein Wachstum unterhalb der Fünfprozentgrenze. Zuletzt erzielte man Bruttoeinnahmen von 1,3 Mrd. Euro. Ein konkretes Ergebnis für 2003 nennt Ingenlath noch nicht. Allerdings sei die Schaden-Kosten-Quote deutlich verbessert worden. Unter dem Strich werde es einen Gewinn geben. Das Vorjahr hatte die Gesellschaft vor allem wegen hoher Abschreibungen auf Aktien mit einem Verlust nach Steuern von 75,1 Mill. Euro beendet

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Am Hauptstandort Köln will Atradius nicht rütteln, dessen Holding zuletzt nach Amsterdam verlegt wurde. „Die Entscheidung ist allein aus steuerlichen Erwägungen erfolgt“, sagt Ingenlath. Anders als bei Gerling blieben die Atradius-Beschäftigten von Kürzungen bei der betrieblichen Altersvorsorge verschont. „Es gibt auch keinen Plan, daran zu rütteln“, sagt Ingenlath.

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