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07.07.2014

09:56 Uhr

Untersuchungen der Bafin

Libor-Prüfung der Deutschen Bank wird ausgeweitet

ExklusivDer Libor-Skandal dürfte die Deutsche Bank länger in Atem halten als angenommen. Neue Tonbandaufnahmen belasten führende Banker. Die Ermittlungen der Bafin dürften sich daher verzögern.

Die Untersuchungen zum Libor-Skandal in der Zentrale der Deutschen Bank gehen weiter. dpa

Die Untersuchungen zum Libor-Skandal in der Zentrale der Deutschen Bank gehen weiter.

DüsseldorfDer Libor-Skandal um manipulierte Referenzzinssätze könnte die Deutsche Bank nach Informationen des „Handelsblatts“ noch länger belasten als geplant. Überraschend aufgetauchte Tonaufnahmen würden einen Abschluss der Ermittlungen durch die Finanzaufsicht Bafin verzögern, berichtete das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Finanzkreise. Eigentlich sollten die Ermittlungen im Sommer abgeschlossen sein. Mit dem neuen und möglicherweise belastenden Material gelte ein Abschluss noch in diesem Herbst allerdings als „unwahrscheinlich“.

Im Libor-Skandal hat ein Dutzend Großbanken, die Referenzzinssätze zu manipulieren. Die Zinssätze bilden die Basis für zahlreiche Bankprodukte im Wert von 500 Billionen Euro vom Hypothekenkredit bis zu komplexen Derivaten. Auch Händler der Deutschen Bank stehen unter Verdacht, an den Absprachen beteiligt gewesen zu sein.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Am Wochenende hatte die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, dass neue Mitschnitte gefunden wurden. Die Deutsche Bank hatte diese selbst entdeckt und an die Bafin weitergeleitet. Der Konzern wollte die Informationen nicht kommentieren und betonte abermals, dass er bei den Ermittlungen mit der Bafin kooperiert.

Kommentare (7)

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Herr Gerhard Achter

07.07.2014, 11:08 Uhr

als langjähriger Aktionär der Deutschen Bank was ich zu meiner Schande gestehen muß will es mir nicht in den Kopf gehen warum der Inder stellvertretend für alle Investmentbanker bei der DB immer noch in Amt und Würden ist und nicht im Gefängnis.
Wenn er von den ganzen Betrügereien nichts gewusst hat finde ich es sogar noch schlimmer als wenn er es gewusst hat denn dann ist er einfach unfähig.
Die größte Fehlentscheidung ever des Aufsichtsrat der Deutschen Bank nicht Herrn Weber sondern die beiden Looser(Aussage Ackermann)als Vorstandssprecher zu nominieren.
Es sind verlorene Jahre für die Deutsche Bank weil mit den aktuell handelnden Führungskräften kein glaubwürdiger Kulturwandel möglich ist.

Sergio Puntila

07.07.2014, 11:41 Uhr

Egal: bei der Libor-Prüfung der Deutschen Bank steht dem Finanzgewerbe keine besonders anstrengliche Prüfung bevor: die Ämter sind privatisiert oder auf dem Wege dazu und von Interbankenverkehr einem deutschen Beamten etwas so zu erklären, dass er es auch versteht: vergebene Liebesmühe.
Schäuble ist Pragmatiker genug, um das im Sande verlaufen zu lassen statt sich darum zu kümmern, wie sauber er als Finanzminister auch über den Tisch gezogen wurde.

Und wieviele feine Wörter er dafür findet, dass ihm eigentlich di Luft aus dem Reifen genommen wurde bevor der auch noch pap sagen konnte: so fein wie die Deutsche Bank hat das bislang kaum ein Institut hingekriegt.

Herr Thomas Behrends

07.07.2014, 11:51 Uhr

Hatten wir bei diesen Banditen und Ganoven der Deutschen Bank oder anderen Großunternehmen wie GS, JPM, Barclays Bank etc. etwas anderes erwartet.

Anständigkeit, Ehrlichkeit, aufrichtige und umsichtige Beratung - Fehlanzeige!

Beschiss gehört doch zu deren Geschäftsmodell!

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