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29.01.2015

10:14 Uhr

Untreueprozess

Gericht hält Sal. Oppenheim-Führung für schuldig

Im Prozess gegen die frühere Führung des Bankhauses Sal. Oppenheim ist eine erste Entscheidung gefallen: Die Banker sollen sich der Untreue schuldig gemacht haben. Einem Angeklagten droht sogar Gefängnis.

Die ehemaligen Direktoren der Privatbank Sal. Oppenheim, Matthias Henning Graf von Krockow (rechts) and Friedrich-Carl Janssen (ganz links) warten im Gerichtssaal in Köln auf ihr Urteil. Reuters

Banker vor Gericht

Die ehemaligen Direktoren der Privatbank Sal. Oppenheim, Matthias Henning Graf von Krockow (rechts) and Friedrich-Carl Janssen (ganz links) warten im Gerichtssaal in Köln auf ihr Urteil.

KölnDie ehemalige Führung der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim soll sich der schweren Untreue schuldig gemacht haben. So bewertet es die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker nach mehr als 100 Prozesstagen. In einem sogenannten Rechtsgespräch erklärte die Richterin, dass die Kammer die Angeklagten bei vorläufiger Würdigung der Beweise für schuldig hält.

Die Spitzenbanker des Instituts, das durch den Niedergang von Arcandor fast mit in die Pleite gerutscht wäre, müssen sich vor dem Gericht wegen Untreue verantworten.

Mit ihren Strafmaßen bleibt das Gericht hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück. Für Dieter Pfundt geht das Gericht von einer Haftstrafe zwischen 20 bis 32 Monaten aus, Christopher Freiherr von Oppenheim könnte auf eine Haftstrafe von 22 bis 34 Monaten kommen. Das angedachte Strafmaß gilt nur, wenn beide gestehen. Dafür dürfen die Angeklagten auf eine Bewährungsstrafe hoffen. Graf von Krockow droht dagegen sogar Gefängnis. Richterin Grobecker taxiert sein Strafmaß auf zwei bis drei Jahre Haft. Die Angeklagten sollen jahrelang ihre eigenen Interessen mit denen der Bank vermischt haben.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Aufatmen kann dagegen Immobilienentwickler Josef Esch. Er hat nach Ansicht des Gerichts nur eine untergeordnete Rolle bei den fraglichen Deals gespielt und kann nun mit einem Freispruch rechnen. Neben den genannten ist auch der ehemalige Top-Banker Friedrich Carl Janssen angeklagt.

Mit der Vergabe eines rettenden Kredits für Arcandor im Jahr 2009 war der Bank ein Schaden von 80 Millionen Euro entstanden, so beziffert ihn jedenfalls die Staatsanwaltschaft. Am Ende musste die einst stolze Privatbank durch die Deutsche Bank gerettet werden.

Von

bog

Kommentare (2)

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Herr Norbert Bluecher

29.01.2015, 10:44 Uhr

Und der Herr Esch, der Schlimmste von allen, soll ungeschoren davon kommen. Einfach nur schlimm. Genauso wie Janssen.

Herr Martin Overath

29.01.2015, 15:25 Uhr

Nach diesem Schuldinterlokut könnte die Kammer aus den noch zu verständigten engeren Strafrahmen angemessene Freiheitsstrafen ausurteilen.

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