Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.07.2015

15:51 Uhr

Urteil am Landgericht Köln

Nur ein Ex-Oppenheim-Manager soll ins Gefängnis

Nach gut zwei Jahren Verhandlung sind die Urteile im Strafprozess gegen vier ehemals persönlich haftenden Gesellschafter der Bank gefallen. Das Gericht verhängt vor allem Bewährungsstrafen. Eine Revision ist wahrscheinlich.

Urteil im Sal.-Oppenheim-Prozess

Sal.-Oppenheim: Ex-Gesellschafter muss ins Gefängnis

Urteil im Sal.-Oppenheim-Prozess : Sal.-Oppenheim: Ex-Gesellschafter muss ins Gefängnis

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

KölnIm spektakulären Strafprozess gegen die frühere Führung des Bankhauses Sal. Oppenheim hat das Landgericht Köln die vier ehemaligen Chefs des Geldinstituts zu Freiheitsstrafen verurteilt. Ins Gefängnis soll allerdings nur einer von ihnen - die übrigen Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Die Manager hätten Untreue in zwei Fällen zulasten der einst größten europäischen Privatbank begangen, entschied das Gericht am Donnerstag nach mehr als zwei Jahren Verhandlungsdauer.

Kommentar zum Sal. Oppenheim-Urteil: Die Großen lässt man laufen?

Kommentar zum Sal. Oppenheim-Urteil

Die Großen lässt man laufen?

Die Luxus-Bankiers von Sal.Oppenheim taugen zum Feindbild für all diejenigen, die Banken grundsätzlich misstrauen. Ist das Urteil der Kölner Richterin angemessen? Eine Einschätzung.

Der ehemalige persönlich haftende Gesellschafter der mittlerweile von der Deutschen Bank übernommenen Privatbank Sal. Oppenheim, Friedrich Carl Janssen, erhält eine Haftstrafte in Höhe von zwei Jahren und zehn Monaten. Er soll als einziger ins Gefängnis.

Der Sprecher der Bank, Matthias Graf von Krockow, und der für das Investmentgeschäft zuständige Dieter Pfundt erhielten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, Christopher von Oppenheim von einem Jahr und elf Monaten. Alle drei Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Der fünfte Angeklagte, Immobilienentwickler Josef Esch, muss eine Geldstrafe in Höhe von 495.000 Euro zahlen. Das Gericht blieb unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

In einer Pause während der mehrstündigen Urteilsbegründung deutete sich am Mittag an, dass sowohl die Staatsanwaltschaft als auch einige Verteidiger für ihre Mandanten eine Revision des Urteils beantragen dürften.

Die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker sagte, das gesamte Verfahren sei ein „Kraftakt“ gewesen. Im Mittelpunkt des Prozesses standen ein umstrittenes Immobiliengeschäft der Bank in Frankfurt sowie dreistellige Millionenkredite an den damals schon angeschlagenen und inzwischen pleitegegangenen Arcandor-Konzern. Die Staatsanwaltschaft warf den vier Ex-Bankiers zahlreiche Pflichtverletzungen vor. Sie hätten sich nicht die notwendigen Informationen für die Geschäfte beschafft, gegen Strategien und Geschäftsordnungen der Bank verstoßen und persönliche Interessen mit denen des Bankhauses vermischt. Mit riskanten Investments in Arcandor und einer umstrittenen Immobilien-Transaktion in Frankfurt hätten sie einen Schaden von insgesamt über 100 Millionen Euro für das Bankhaus verursacht. Die Verteidiger bestritten, dass sich ihre Mandanten der schweren Untreue schuldig gemacht hätten.

Die Angeklagten im Sal. Oppenheim-Prozess – und ihre Urteile

Christopher von Oppenheim
  • bis 2009 persönlich haftender Gesellschafter
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 3 bis 3,5 Jahre Haft
  • vorläufig von der Richterin in Aussicht gestelltes Strafmaß: 22 bis 34 Monate Haft
  • tatsächlich verhängtes Strafmaß: 23 Monate
  • Verteidiger: Klaus Volk, Norbert Scharf
Dieter Pfundt
  • bis 2009 als persönlich haftender Gesellschafter zuständig für das Investmentbanking
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 15 bis 21 Monate Haft
  • vorläufig von der Richterin in Aussicht gestelltes Strafmaß (bei Geständnis): 20 bis 32 Monate Haft
  • tatsächlich verhängtes Urteil: 24 Monate
  • Verteidiger: Felix Dörr, Johannes Corsten
Friedrich Carl Janssen
  • bis 2009 als persönlich haftender Gesellschafter zuständig für Risikomanagement, Beteiligungen, Bankbetrieb sowie die Rechts- und Steuerabteilung
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 3,5 bis 4 Jahre Haft
  • lehnte Verständigungsvorschlag des Gerichts ab
  • tatsächlich verhängte Strafe: 34 Monate
  • Verteidiger: Franz Salditt, Ulrich Leimenstoll
Josef Esch
  • Immobilienunternehmer aus Troisdorf mit engen Geschäftsbeziehungen zum Bankhaus Sal. Oppenheim
  • Anklage wegen Beihilfe zur Untreue eingestellt nach Paragraf 153a Strafgesetzbuch gegen Zahlung einer Geldauflage von sechs Millionen Euro
  • weiterhin angeklagt wegen Verstoß gegen das Kreditwesengesetz
  • verängte Strafe: Geldstrafe in Höhe von 495.000 Euro (90 Tagessätze à 5500 Euro)
  • Verteidiger: Eberhard Kempf, Heiko Lesch
Matthias Graf von Krockow
  • bis 2009 Sprecher der zunächst fünf, später vier persönlich haftenden Gesellschafter
  • verheiratete mit Ilona von Ullmann aus der Familie der Oppenheims
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 4 bis 4,5 Jahre Haft
  • vorläufig von der Richterin in Aussicht gestelltes Strafmaß: 2 bis 3 Jahre
  • tatsächlich verhängte Strafe: 24 Monate
  • Verteidiger: Daniel Krause, Christof Püschel

Graf von Krockow und von Oppenheim hatten in einem der größten Wirtschaftsprozesse Geständnisse abgelegt, Reue gezeigt und um Milde gebeten. Die beiden anderen früher persönlich haftenden Gesellschafter hatten die Vorwürfe dagegen zurückgewiesen, sich als Randfiguren dargestellt und Freisprüche gefordert. Krockows Anwälte erklärten, dieser sei erleichtert, dass das Urteil ihm eine Lebensperspektive lasse. Es müsse aber erst eingehend geprüft werden, ehe über die Frage einer Revision entschieden werde. Alle vier Banker waren nach Angaben des Gerichts bislang nicht vorbestraft, was sich strafmildernd ausgewirkt haben könnte. Ähnliches würde gelten, wenn das Gericht einige Aussagen als Geständnis wertete, was zunächst offen blieb.

Janssen hatte in dem Verfahren betont, er sei davon ausgegangen, „dass wir Arcandor erfolgreich sanieren können“. Er war dort Aufsichtsratschef gewesen. Kerzengerade stehend und eingerahmt von seinen Anwälten stellte sich der ehemalige Risikovorstand von Sal. Oppenheim vor Prozessbeginn den Fotografen und Kamerateams. Die anderen Angeklagten warteten dagegen im Flur und kamen erst unmittelbar vor der Urteilsverkündung zurück in den Saal 210.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers müssen Krockow, Oppenheim und Pfundt auch je 300.000 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen. Josef Esch wurde wegen unerlaubten, fahrlässigen Betreibens von Bankgeschäften verurteilt. Bei ihm war es - anders als bei den Ex-Bankiers - zuletzt nur noch um Verstöße gegen das Kreditwesengesetz gegangen. Dabei stand ein Großkredit an die ehemalige Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz im Mittelpunkt.

Als Arcandor im Frühjahr 2009 zusammenbrach, geriet auch Sal. Oppenheim in Schwierigkeiten. Die Privatbank wurde letztlich von der Deutschen Bank aufgefangen, zu der sie seit Anfang 2010 in stark verkleinerter Form gehört.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

09.07.2015, 11:03 Uhr

Hoffentlich sind sie auch standesgemäß vor Gericht vorgefahren. Auch bei allem was einem außerhalb der eigenen Würde wiederfährt, sollte man(n) immer die Etikette und Haltung mit Stil und Klasse tragen.

Account gelöscht!

09.07.2015, 11:17 Uhr

Warum lässt ein Richter solche Schurken laufen? Warum findet sich niemand, der diese Schurken richtet? Am Geld sollte es nicht liegen.

Herr Ralf Bender

09.07.2015, 11:36 Uhr

Jemand, der seine Ordnungsstrafe, nicht zahlen kann, wandert dafür, ersatzweise, in den Knast.
"Die Kleinen hängt man, die Großen, lässt man laufen".
Na dann!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×