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29.05.2013

15:06 Uhr

Urteil bei Eurohypo

Commerzbank drohen neue Risiken

VonYasmin Osman

Die Commerzbank sammelt bei einer Kapitalerhöhung 2,5 Milliarden Euro und stärkt damit ihre Kapitalquote. Doch Aktionäre zeigen sich wenig begeistert: Der Kurs fällt. Denn ein Urteil birgt Millionenrisiken für die Bank.

Vorstandschef Blessing und Chefkontrolleur Müller bei der Hauptversammlung der Commerzbank: Aktionäre zweifeln an dem Haus. dpa

Vorstandschef Blessing und Chefkontrolleur Müller bei der Hauptversammlung der Commerzbank: Aktionäre zweifeln an dem Haus.

FrankfurtDie Commerzbank hat bei ihrer Kapitalerhöhung wie erwartet etwa 2,5 Milliarden Euro eingesammelt. Mit dem Geld zahlt die Bank die stille Einlage des Staates und die stille Einlage des Versicherungsriesen Allianz vollständig zurück. „Wir danken allen unseren alten und neuen Aktionären für ihre Unterstützung im Rahmen der Kapitalerhöhung“, sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing am Mittwoch. Da die Bank nun stille Einlagen durch Aktienkapital ersetzt, verbessert sich auch die Eigenkapitalquote der Bank. Sie steigt gemessen an den strengen Regeln von Basel III von 7,5 auf dann 8,4 Prozent.

Für die Kapitalerhöhung hatte die Bank insgesamt 555,6 Millionen neue Aktien zu je 4,50 Euro ausgegeben, dadurch steigt die Zahl der Aktien insgesamt auf 1,14 Milliarden. Mit einem Anteil von 99,7 Prozent wurden praktisch alle Bezugsrechte auch ausgeübt.

Bei der Kapitalerhöhung beteiligten sich auch Vorstände der Commerzbank. Der für die Abwicklung der Staats- und Schiffsfinanzierung zuständige Manager Jochen Klösges bezog 4880 neue Aktien, Privatkundenvorstand Martin Zielke übte 4726 Bezugsrechte für neue Aktien aus, bei Finanzchef Stephan Engels waren es 4000, bei Personalvorstand Ulrich Sieber 3817 und bei Investment-Banking-Vorstand Michael Reuther 2000.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die Commerzbank-Aktie rutschte am Mittwoch dennoch zunächst ins Minus. Händler begründeten dies zum einen mit der am Vortag veröffentlichten Herabstufung des Ratings von Standard & Poor's sowie mit einem verlorenen Prozess. Der Kurs stabilisierte sich später aber bei rund acht Euro.

Der Bundesgerichtshof hatte am Vortag entschieden, dass die Bank zwei Hedge-Fonds Zinsen für Genussscheine der Eurohypo zahlen muss. Die Eurohypo hatte wegen ihrer Verluste die Zinszahlungen seit 2009 eingestellt. Die klagenden Hedge-Fonds hatten aber argumentiert, dass die Commerzbank für die Zinszahlungen hätte einstehen müssen, weil es zwischen ihr und der Eurohypo einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag gab.

Die Summen, um die es in dem Prozess selbst ging, gelten zwar als vernachlässigbar. Allerdings hat die Bank in ihrem Wertpapierprospekt nicht ausgeschlossen, dass sie im Falle einer Niederlage vor Gericht womöglich auch Zinsen auf alle ähnlich gelagerten Wertpapiere zahlen muss. Das könnte auf Konzernebene zu Belastungen von etwa 200 Millionen Euro führen, geht aus dem Prospekt hervor.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

29.05.2013, 19:11 Uhr

neue Aktien zu je 4,50 Euro.
D.H. der Zielkurs ist 4,50 €uro.

Franka98

30.05.2013, 12:12 Uhr

Dr. Günter Meurs Alte Dorfstr. 1 A D 52428 Jülich
Ich frage mich, ob der Grund für die eifrige Rückzahlung von Staatshilfen durch die Commerzbank nicht hauptsächlich dazu dienen soll, der -vorsichtig ausgedrückt- wenig erfolgreichen Führungsmannschaft dieses Institutes wieder höhere Gehälter und Boni zu verschaffen. Es würde Kunden der Bank (wie mir) besser gefallen, die Bank würde zunächst einmal die Anleger von Rentenpapieren der Tochterbank EUROHYP zu entschädigen. Kupons z.B. für WP A0DZJZ und ähnliche Papiere werden seit mehreren Jahren von der Bank nicht bedient. Ebenso gehen die aus durchsichtigen Gründen erfolgenden unverlangt frühzeitigen Rückzahlungen an den Staat auf Kosten der Aktionäre (Kurse mies und seit Jahren keine Dividende. Investoren haben sicher Grund, dieses Haus zu meiden: Kunden bald auch?

th235

31.05.2013, 12:35 Uhr

Breaker
Leider muss man dem HB vorwerfen, hier zu sondieren, wie bei der Coba. Freie Meinungsäusserung sieht anders aus, meine Herren und Damen !!!
Lesen Sie Bitte einmal Art. 5 Abs. 1 GG. Dann könne wir hier weiter diskutieren. Was die Coba mit den Aktionären macht ist schon eine Dreistigkeit. Wenn an dann hier noch diese "Herren" angreift, wird man wörtlich rausgeschmissen. Wenn Sie keine Wahrheit vertragen, sollte man diese Informationsquelle einfach schliessen. Damit unterstützen Sie die eigenwilligen Herren dort oben und verschliessen selbst die Augen, Ohren und dem Mund nach dem Motto "Das drei Affenprinzip". So wie es die Vorstände der Coba machen. Dem schliessen Sie sich auch noch an. Nein Danke HB. Nicht die Zigarettenmarke gemeint, "Greife lieber zur HB" ????

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