Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.10.2011

11:20 Uhr

US-Banken

Das Drama beginnt

VonNils Rüdel, Rolf Benders

Euro-Krise, schwache Konjunktur, neue Finanzmarktregeln: Die US-Banken haben schon bessere Zeiten erlebt. Heute eröffnet JP Morgan die Quartalssaison - dann wird sich zeigen, wie es wirklich um die Institute steht.

Schriftzug am Gebäude von JP Morgan in New York: Die US-Bank eröffnet heute die Quartalssaison der amerikanischen Geldinstitute. dapd

Schriftzug am Gebäude von JP Morgan in New York: Die US-Bank eröffnet heute die Quartalssaison der amerikanischen Geldinstitute.

Die Zeiten könnten wirklich besser sein für Amerikas Großbanken, die in diesen Tagen ihre Quartalszahlen präsentieren. Abgesehen davon, dass sie als Hauptziel der Demonstranten von „Occupy Wall Street“ täglich schlechte Presse bekommen, musste die Branche allein diese Woche schon zwei Tiefschläge verkraften. 

Am Dienstag präsentierten Regulierungsbehörden einen 298 Seiten dicken Entwurf, der die Spekulation  der Banken auf eigene Rechnung deutlich einschränken wird. Diese als „Volcker-Regel“ bekannt gewordenen Fesseln für den Eigenhandel könnten die Großbanken mindestens zwei Milliarden Dollar an Einnahmen pro Jahr kosten, schätzen Analysten. Es werde damit künftig „schwieriger, die Kunden zufriedenzustellen“,  sagt Frank Keating, Chef des Lobbyverbandes American Bankers Association. Außerdem könnte es „die Wirtschaft weiter schwächen“.

Am Montag hatte es eine weitere Hiobsbotschaft gegeben. Nach einer Prognose des New Yorker Stadtkämmerers Thomas DiNapoli wird die Wall Street in den kommenden zwölf Monaten bis zu 10.000 Stellen einsparen. Gleichzeitig werden Boni und Gehälter weiter sinken, sind sich Experten sicher. „Die Banken reden von signifikanten Entlassungen und niedrigeren Gehältern“, sagt Kathryn Wilde, Präsidentin des Firmenverbands Partnership for New York.

Die Quartalssaison der amerikanischen Geldinstitute

JP Morgan

Der Gewinn von JP Morgan sank im dritten Quartal um vier Prozent. Der Nettogewinn betrug 4,3 Milliarden Dollar, im Vorjahreszeitraum waren es noch 4,4 Milliarden Dollar gewesen

Citigroup

Nach JP Morgan legt auch die US-Bank Citigroup ihre Zahlen am Montag vor. Analysten erwarten einen Anstieg des Gewinns um 19,5 Prozent auf 2,59 Milliarden Euro. Im Vergleich zum zweiten Quartal muss die Bank einen Gewinnrückgang von 22,4 Prozent hinnehmen.

Wells Fargo

Auch die viertgrößte US-Bank Wells Fargo hat am Montag über ihr vergangenes Quartal berichtet. Er schaffte seinen Gewinnsprung vor allem durch eine bessere Zahlungsmoral der Kreditnehmer und einen harten Sparkurs. Auf faule Kredite musste die Bank noch 2,6 Milliarden Dollar abschreiben und damit rund 1,5 Milliarden Dollar weniger als vor einem Jahr. Dies ließ den Gewinn um 22 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar hochschnellen. Wells Fargo ist der größte Kreditgeber für Wohnimmobilien in den USA. Allerdings machte die Bank insgesamt weniger Geschäft im dritten Quartal - die Erträge gingen um sechs Prozent auf 19,6 Milliarden Dollar zurück.

Bank of America

Die Bank of America berichtet am Dienstag über ihr abgelaufenes drittes Quartal. Analysten rechnen mit einem Gewinn von 2,85 Milliarden US-Dollar, das wären gerade einmal 3,5 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum.

Goldman Sachs

Ebenfalls am Dienstag legt Goldman Sachs seine Zahlen vor. Die US-Bank wird laut Analysteneinschätzungen für das dritte Quartal einen mickrigen Gewinn von 40 Millionen Euro ausweisen. Das entspräche einem Rückgang von 97,6 Prozent zum Vorjahresquartal und 96 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal.

Morgan Stanley

Als letzte große US-Bank hat Morgan Stanley am heutigen Mittwoch über die zurückliegenden drei Monate berichtet. Dank Bilanzeffekte lag der Nettogewinn bei 2,2 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor hatte ein gegenläufiger Bilanzeffekt Morgan Stanley noch in die Verlustzone abrutschen lassen.

Der Grund für die Misere im dritten Quartal ist - neben der schwachen US-Konjunktur - die Zurückhaltung der wegen der Euro-Krise verunsicherten Kunden im Kapitalmarktgeschäft. Nach Schätzungen von Goldman-Sachs-Analyst Richard Ramsden ist es im dritten Quartal branchenweit um 35 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig drohten den Banken hohe Belastungen aus Abschreibungen, weil europäische Banken Wertpapiere verkaufen, um sich Liquidität zu verschaffen.

Wie heftig dies die Banken tatsächlich trifft, zeigt sich erstmals am heutigen Donnerstag, wenn JP Morgan seine Zahlen vorlegt. Die bislang am besten durch die Krise gekommene US-Bank dürfte laut Analystenschätzungen in der Lage gewesen sein, die Belastungen aus dem Kapitalmarkt zu kompensieren und so den Gewinnrückgang in Grenzen zu halten.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.10.2011, 09:49 Uhr

Da weiss man nicht, wovor man mehr Angst haben soll: Vor dem impertinenten Gequatsche der US-Banklobbyisten oder dem inkompetenten Geplapper der Eurokraten wie z. Barroso.

Account gelöscht!

13.10.2011, 09:58 Uhr

Ich habe Angst, soviel Angst. Dies soll wohl erreicht werden mit solchen "Der Weltuntergang wird kommen" Artikeln.

Der Weltuntergang wird nicht kommen - dies koennte sich die Lobby einfach nicht leisten - zumindest wird er nicht kommen fuer die Lobby. Was haette eine Lobby sonst fuer einen Sinn?

AntiAckermann

13.10.2011, 10:07 Uhr

erste anzeichen sind da. der dax wird durch hebelmanipulationen nach oben getrieben und dann wird er ca. 1000-2000 punkte fallen. spätestens nächste woche ist schluss mit lustich. ich finds aber gut.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×