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17.04.2015

09:39 Uhr

US-Banken

Die Wall Street glänzt

VonFrank Wiebe

Große Finanzhäuser an der Wall Street finden zu alter Stärke zurück. Die Finanzkrise scheint vergessen und die Banken stellen ihr Licht nicht länger unter den Scheffel. Vor allem ein Geschäftsbereich zieht wieder an.

Goldman Sachs ist der wohl renommierteste Name an der Wall Street. Die Bank hat ein überzeugendes Quartalsergebnis abgeliefert.

Wall Street

Goldman Sachs ist der wohl renommierteste Name an der Wall Street. Die Bank hat ein überzeugendes Quartalsergebnis abgeliefert.

New YorkDie Analysten hatten es vorausgeahnt, aber dann kam es noch dicker als erwartet: Bei den Quartalsergebnissen der großen US-Banken spielte das Geschäft am Kapitalmarkt die entscheidende Rolle. Die Investmentbank Goldman Sachs zeigte ein weitaus besseres Ergebnis als prognostiziert, JP Morgan glänzte ebenfalls im Investmentbanking mit besonders guten Zahlen. Wells Fargo, dessen Zentrale weit entfernt von der Wall Street in San Francisco steht, hatte dagegen das Nachsehen. Dabei schien in den letzten Jahren die Bank mit ihrem traditionellen Geschäftsmodell unschlagbar.

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In den USA sind Banker und sogar Politiker sehr stolz darauf, dass ihr Land die größten, oder die „tiefsten“, wie es auch heißt, Kapitalmärkte der Welt hat. Das ist das Fundament für die riesige Finanzbranche des Landes, deren Symbol immer noch die Aktienbörse an der Wall Street ist, obwohl dort inzwischen nur noch ein kleiner Teil des Geschäfts läuft, das sich längst auf Computer überall im Land verteilt hat und weitgehend automatisch gesteuert wird.

Die starke Finanzbranche hilft den USA, die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt zu bleiben. Das schafft einen Reichtum, der bei einzelnen Hedgefonds-Managern zu Milliardengehältern führt. Und das hat Jahre lang die schlauesten Köpfe der teuren amerikanischen Privatuniversitäten angezogen.

Goldman Sachs: Aktienhandel lässt Goldman-Gewinn nach oben springen

Goldman Sachs

Aktienhandel lässt Goldman-Gewinn nach oben springen

Goldman Sachs präsentiert glänzende Quartalszahlen. In den ersten drei Monaten des Jahres stieg der Gewinn um satte 41 Prozent. Die Aktionäre jubeln. Ein Grund für das Plus: Höhere Erträge im Wertpapierhandel.

Mit der Finanzkrise drehte sich plötzlich das Bild. Auf einmal waren die Geldhäuser verdächtig. Das Geschäft an den Kapitalmärkten, dem größten Kasino der Weltgeschichte, wurde anrüchig. Für die Banken schien die Zeit des großen Geldes vorbei zu sein. Das war dem Druck wutentbrannter Bürger und Politiker, der eisernen Faust der Finanzaufseher und der Last von Milliardenstrafen geschuldet. Wer in der Bankenwelt etwas auf sich hielt, stellte sein traditionelles Geschäft in den Vordergrund. Spareinlagen hereinnehmen und Kredite vergeben – das nutzt der Wirtschaft und den Verbrauchern, das versteht jeder. Das war das gute Geschäft.

Aber das große Kasino galt als ein Platz, wo Geld nur herumgeschoben wird, ohne gesellschaftlichen Nutzen zu schaffen. Die jungen Leute mit den besten Noten träumten nicht mehr von Goldman Sachs, sondern vom Silicon Valley, und am liebsten gleich davon, mit einer eigenen, neu entwickelten App eine ganze Branche umzukrempeln und Milliarden zu scheffeln, die jeden Bankchef als finanziellen Gartenzwerg aussehen lassen.

Ganz vorbei ist das alles noch nicht. Aber das beginnende Jahr 2015 zeigt doch deutlich: Das Kapitalmarktgeschäft funktioniert wieder.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

17.04.2015, 10:16 Uhr

Dass das Investmentbanking brummt und glänzt ist wohl kaum überraschend.

Der Börsenhandel lebt von Volatilität und Umsätzen, egal welche Asset-Klasse (Securitisation und M&A haben andere Profile). Die Richtung ist dabei vollkommen egal - Hauptsache Bewegung mit großer Tages-Range. Und je turbulenter, desto besser.

Erklärung: Man(n) handelt ja in dem Sinne keine Richtung (also rauf oder runter), sondern Volatilität mit dem Underlying (sprich Bewegungen z.B. mit dem FDAX). Und umso mehr Volumen, umso weniger Slippage bei jedem Geschäft.

Wer also unter solchen Marktumständen wie in Q1 (SWI, RUS/UKR und immer wieder Draghi) nicht satt Geld verdient, sollte seinen Laden dicht machen und Blümchen verkaufen.


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


Ralph

Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

Herr Gerhard Achter

17.04.2015, 10:44 Uhr

@Ralph Westend,
wenn ich Ihre Kommentare lese und zugleich weiß dass Sie ein ehemaliger Jain-Anbeter sind wird mir immer wieder klar wo das Problem bei der Deutschen Bank ist.

Beo Bachter

17.04.2015, 10:55 Uhr

Schöner Hipp Hurra Bericht auf die größten Betrüger aller Zeiten. Ich findes es eher traurig, dass die am korruptestet weil dichtesten am FED-Tier sitzenden Finanzbetrüger den meisten Erfolg haben mit ihrer volkswirtschaftlich zerstörerischen Tätigkeit. Die angeblichen "Beratungsleistungen" drehen sich doch darum wie man noch größere To-Big-To-Fail, demokratisch nicht mehr beherrschbare, entgrenzte Machtzentren schafft, die eine ungesunde zentralistische, schlecht diversifizierte Wirtschaftsstruktur schaffen.

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