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13.01.2011

07:00 Uhr

US-Banken

JP Morgan will mehr Dividende zahlen

VonRolf Benders

Die erfolgreichste US-Großbank lässt die Krise endgültig hinter sich und nutzt das hohe Überschusskapital für eine ordentliche Ausschüttung. Sie gibt den Ton an - kurz vor Beginn der Berichtssaison - und legt die Latte für die Wettbewerber hoch.

JP Morgan schüttet hohe Dividenden aus. Quelle: ap

JP Morgan schüttet hohe Dividenden aus.

NEW YORK . In den Chefetagen der US-Banken herrscht wieder Zuversicht - und Normalität. Das wird zwei Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise von Beobachtern als positives Signal gewertet. Für besonders gute Stimmung sorgte gestern der Chef der US-Großbank JP Morgan: "Wir bauen viel Überschusskapital auf, daher wollen wir wieder eine richtige Dividende zahlen", sagte Jamie Dimon. Das Geldhaus wird am Freitag als erster Vertreter der US-Bankbranche seine Zahlen für das Jahr 2010 vorlegen. Erwartet wird deutlicher Gewinnsprung. Dimon warb in einem TV-Interview für die Pläne einiger Banken, die Dividenden zu erhöhen, die sie während der Finanzkrise zusammengestrichen hatte. Einen solchen Schritt müssen sich die Institute von den Aufsichtsbehörden nach den derzeit laufenden Stresstests absegnen lassen. Dimon stellte in Aussicht, die Ausschüttung je Aktie auf einen Dollar zu vervierfachen. Andere Großbanken hatten zuletzt ebenfalls angekündigt, ihre Dividendenzahlung zu erhöhen zu wollen.

Der lange Weg aus der Krise

Die US-Institute, die in der Krise mit mehr als 100 Milliarden Dollar vom Staat gestützt worden waren, haben sich in den vergangenen zwei Jahren stabilisiert. Als letzter Branchenvertreter hatte die Citigroup im Dezember 2010 die Hilfen beglichen. Hatte das Kapitalmarktgeschäft 2009 teilweise für Rekordgewinne gesorgt, waren es ab Frühjahr 2010 vor allem sinkenden Kosten für ausfallende Kredite, die den Gewinn stabilisierten. So konnte die Branche im zweiten und dritten Quartal über 15 Milliarden Dollar an Rückstellungen auflösen und den Gewinnen zuzuschlagen. Analystenschätzungen zufolge dürften die Gewinne auch im vierten Quartal von der Rückstellungsauflösungen in Höhe von bis zu sieben Milliarden Dollar profitiert haben.

Das nutzt allerdings nur den Vollbanken. Da Investmentbanken wie Goldman Sachs kaum Kredite vergeben, können sie auch keine Risikovorsorge auflösen. Das Wall-Street-Haus bekam daher 2010 die von der Eurokrise ausgelöste Schwäche des Kapitalmarktgeschäftes voll zu spüren.

Im vierten Quartal dürfte sich Experten zufolge in den Zahlen der Banken erstmals die an Fahrt gewinnende Wirtschaftserholung in den USA bemerkbar machen. So wuchs Daten der US-Notenbank zufolge erstmals das Volumen der ausgegeben Kredite um 0,5 Prozent, nachdem es zuvor zwei Jahre lang geschrumpft war. Experten rechnen damit, dass das Kreditwachstum 2011 weiter anhält und die Gewinne der Branche nach oben treibt. "Wir rechnen für die großen US-Banken mit einem Gewinnplus zwischen 20 und 25 Prozent", sagte der Bankenanalyst von Wells Fargo, Matt Burnell, gestern.

Risikofaktor Hypothekenskandal

Unklar ist allerdings, welche Kosten den Banken noch aus der strengeren Regulierung (siehe Regulierungskosten) und der Beilegung des noch nicht gelösten Hypothekenskandals entstehen. So mussten US-Banken zuletzt Milliarden an toxischen Kreditpapieren zurückkaufen, in die sie falsch dokumentierte Hypotheken verpackt hatten. Schätzungen zufolge kann das die Branche insgesamt bis zu 180 Milliarden Dollar kosten. Während Dimon glaubt, zwei Drittel des Problems seien abgehakt, sind Analysten weniger optimistisch. "Die Sache ist so komplex, dass niemand weiß, wo wir stehen", sagte Staranalystin Meredith Withney gestern.

Im vierten Quartal 2010 hatten die beiden halbstaatlichen Hausfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac die Bank of America zu einem drei Milliarden schweren Rückkauf solcher Papiere gezwungen. Analysten glauben, aufgrund dieser Transaktion einigermaßen absehen zu können, was von diesen beiden Häusern auf die Banken zukommt. Offen ist aber, welche Aussicht auf Erfolg private Investoren - wie US-Pensionsfonds und die deutschen Landesbanken - haben könnten, wenn sie von der Wall Street die Rücknahme der Papiere verlangen. Während sich die Fonds zu Aktionsbündnissen zusammentun, ist bislang von den Landesbanken wenig zu hören.

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