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13.10.2011

14:01 Uhr

US-Banken

JP Morgan wirft tausend Banker raus

Amerikas zweitgrößte Bank hat die Berichtssaison der US-Geldinstitute eröffnet: Der Gewinn sank im dritten Quartal um vier Prozent. Vor allem das Investmentbanking schwächelt. Jetzt müssen viele Banker um ihre Jobs fürchten.

Das Büro von JP Morgan im Gebäude der New Yorker Börse. Reuters

Das Büro von JP Morgan im Gebäude der New Yorker Börse.

New YorkDie Schatten der Euro-Schuldenkrise reichen über den Atlantik: Die US-Großbank JPMorgan Chase bekommt die Flaute im Investmentbanking deutlich zu spüren. Die Erlöse im Kapitalmarkt-Geschäft schrumpften im dritten Quartal um fast ein Drittel, obwohl die Bank sich weltweit auf Platz eins der größten Investmentbanken behauptete.

Unternehmen zögern wegen der Unsicherheit mit Übernahmen oder Kapitalerhöhungen. Im Handel mit Aktien und Anleihen büßte die Bank 14 Prozent ein. In den nächsten eineinhalb Jahren sollen nun 1000 Investmentbanker gehen, wie Vorstandschef Jamie Dimon am Donnerstag ankündigte. Bei Banken stehen wegen der Krise zehntausende Stellen auf der Kippe.

3Q2011Veränderung zum Vorjahr
Zinsüberschuss (in Mio. Dollar)11.817-5,5
Handelsergebnis1.370-41,5
Erträge Investmentbanking1.052-28,7
Einnahmen Kreditkartengeschäft1.66612,8
Nettogesamterträge23.763-0,3
Risikovorsorge im Kreditgeschäft2.411-25,2
Nettoergebnis4.262-3,5
Gewinn je Aktie in Dollar 1,021,0
Eigenkapitalrendite in %9,0-1
Tier1-Ratio In %12,10,2

Insgesamt sank der Gewinn um vier Prozent. Das Nettoergebnis lag bei 4,3 Milliarden Dollar, im Vorjahreszeitraum waren es noch 4,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie betrug 1,02 Dollar, Analysten hatten im Durchschnitt mit 0,91 Dollar gerechnet. Die Einnahmen summierten sich auf 24,4 Milliarden Dollar.

Dass das Gesamtergebnis trotz Schwächen im Investmentbanking beinahe stabil geblieben ist, war einem milliardenschweren Buchhaltungseffekt und einem gut laufenden Privatkundengeschäft zu verdanken, wie Bankchef Jamie Dimon selbst einräumte.

Die Anleger reagierten dennoch enttäuscht: Die Papiere des Geldhauses sanken vor Börsenöffnung zeitweise um 1,72 Prozent.

Im Sommer hatte JP Morgan unter Konzernchef Jamie Dimon die Analysten noch erfreut. Die US-Großbank übertraf ihre Erwartungen und steigerte ihre Erlöse im zweiten Quartal um sieben Prozent auf 27,4 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn legte um 13 Prozent zu und lag mit 5,4 Milliarden Dollar ebenfalls klar über den Erwartungen. Vor allem die sinkende Vorsorge für faule Kredite verhalf der Bank zu dem Ergebnisplus.

Die Quartalssaison der amerikanischen Geldinstitute

JP Morgan

Der Gewinn von JP Morgan sank im dritten Quartal um vier Prozent. Der Nettogewinn betrug 4,3 Milliarden Dollar, im Vorjahreszeitraum waren es noch 4,4 Milliarden Dollar gewesen

Citigroup

Nach JP Morgan legt auch die US-Bank Citigroup ihre Zahlen am Montag vor. Analysten erwarten einen Anstieg des Gewinns um 19,5 Prozent auf 2,59 Milliarden Euro. Im Vergleich zum zweiten Quartal muss die Bank einen Gewinnrückgang von 22,4 Prozent hinnehmen.

Wells Fargo

Auch die viertgrößte US-Bank Wells Fargo hat am Montag über ihr vergangenes Quartal berichtet. Er schaffte seinen Gewinnsprung vor allem durch eine bessere Zahlungsmoral der Kreditnehmer und einen harten Sparkurs. Auf faule Kredite musste die Bank noch 2,6 Milliarden Dollar abschreiben und damit rund 1,5 Milliarden Dollar weniger als vor einem Jahr. Dies ließ den Gewinn um 22 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar hochschnellen. Wells Fargo ist der größte Kreditgeber für Wohnimmobilien in den USA. Allerdings machte die Bank insgesamt weniger Geschäft im dritten Quartal - die Erträge gingen um sechs Prozent auf 19,6 Milliarden Dollar zurück.

Bank of America

Die Bank of America berichtet am Dienstag über ihr abgelaufenes drittes Quartal. Analysten rechnen mit einem Gewinn von 2,85 Milliarden US-Dollar, das wären gerade einmal 3,5 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum.

Goldman Sachs

Ebenfalls am Dienstag legt Goldman Sachs seine Zahlen vor. Die US-Bank wird laut Analysteneinschätzungen für das dritte Quartal einen mickrigen Gewinn von 40 Millionen Euro ausweisen. Das entspräche einem Rückgang von 97,6 Prozent zum Vorjahresquartal und 96 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal.

Morgan Stanley

Als letzte große US-Bank hat Morgan Stanley am heutigen Mittwoch über die zurückliegenden drei Monate berichtet. Dank Bilanzeffekte lag der Nettogewinn bei 2,2 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor hatte ein gegenläufiger Bilanzeffekt Morgan Stanley noch in die Verlustzone abrutschen lassen.

Die schwache Konjunktur sowie neue, strengere Finanzmarktregeln bieten derzeit nicht gerade das beste Umfeld für die Banken. Die Euro-Krise tut ihr übriges. JP Morgan sei mit 15,1 Milliarden Dollar in den angeschlagenen EU-Ländern engagiert, teilte die Bank mit. Das Institut bezifferte seine Kernkapitalquote nach dem neuen Regelwerk Basel III mit 7,7 Prozent.

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