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04.02.2004

20:39 Uhr

US-Derivatehandel vor tiel greifendem Wandel

Startschuss für USA-Expansion der Eurex

Die für den Derivatehandel zuständige US-Behörde hat am Mittwoch der US-Tochter der deutsch-schweizerischen Derivatebörse Eurex den Börsenstatus zuerkannt und damit den Weg zum seit langem geplanten Start der Eurex US freigemacht.

HB FRANKFURT. Eine mit drei Mitgliedern besetzte Kommission der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) stimmte dem Eurex-Antrag zu. Die US-Tochter der zur Gruppe Deutsche Börse gehörenden weltgrößten Derivatebörse Eurex kann damit den geplanten Starttermin am kommenden Sonntag einhalten. „Wir sind sehr erfreut über die Entscheidung der Kommission, die Eurex US zu genehmigen. Unser US-Markt wird am 8. Februar starten“, erklärte Eurex-Chef Rudolf Ferscha am Abend. Der Genehmigungsprozess hatte sich wegen Protesten vor allem der alteingesessenen Konkurrenz monatelang hingezogen. Analysten begrüßten die Entscheidung, da sie der Deutschen Börse ein neues Wachstumsfeld eröffne.

Die von der Deutschen und der Schweizer Börse betriebene Derivatebörse Eurex war zuletzt für mehr als ein Drittel des Betriebsgewinns der Deutsche Börse verantwortlich. Die Frankfurter erhalten auf Grund der Vertragsgestaltung den Löwenanteil der Eurex-Gewinne. An der Eurex werden vor allem Termingeschäfte auf Anleihen und Aktien getätigt, Rohstoff-Termingeschäfte gibt es bislang nicht. Der Handel an der Eurex US mit Futures und Optionen auf US-Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen zwei und 30 Jahren wird den Eurex-Planungen zufolge am Sonntagabend um 19 Uhr Chicagoer Ortszeit beginnen.

„Damit kann sich die Deutsche Börse ein neues Wachstumsfeld erschließen“, sagte Peter Barkow, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. „Die letzte Hürde ist nun, ob die Eurex auch die Transaktionen der Handelsteilnehmer auf ihre Plattform bringen kann“, fügte er hinzu. Die Aussichten seien allerdings nicht schlecht, da die Eurex große Banken an der Eurex US beteiligt und feste Umsatzversprechen im Gegenzug dafür erhalten habe. 17 US-Banken, darunter Größen wie Goldman Sachs und Citigroup, hatten sich zuletzt mit insgesamt 20 Prozent an der Eurex US beteiligt. Sieben Banken haben sich in den kommenden drei Jahren zu einem Umsatz von 18 Millionen Dollar verpflichtet.

Die im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Titel der Deutschen Börse, die im Tagesverlauf eine Berg- und Talfahrt erlebt hatte, grenzten im wenig liquiden Abendhandel auf dem Frankfurter Parkett ihre Verluste bis auf 1,45 Prozent leicht ein. „Die Frage ist, ob Anleger im Vorfeld eher auf die Erteilung oder eher auf die Verweigerung der Genehmigung gewettet haben“, sagte ein Händler. Davon werde am Donnerstag die Kursreaktion abhängen.

Ein erfolgreicher Eintritt der Eurex US in den US-Terminmarkt würde zu einem tief greifenden Wandel auf diesem weitgehend unter den alteingesessenen Wettbewerbern aufgeteilten Kapitalmarktsegment führen. Die Expansionspläne der Eurex waren daher bei der US-Konkurrenz, den Märkten Chicago Board of Trade (CBoT) und Chicago Mercantile Exchange (CME), auf massiven Widerstand gestoßen. Diese befürchten den Verlust von Marktanteilen, weil der Eurex-Handel auf elektronischem Weg oftmals schneller und billiger ist. Dagegen ist der Handel an der CME und der CBoT noch stark vom Parkett und dem Geschäftsabschluss per Zuruf (Open Outcry) geprägt. Die CBoT hatte am Dienstag bereits in Vorwegnahme der CFTC-Entscheidung die Handelsgebühren deutlich gesenkt.

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